Neugierig, welcher Achtsamkeitstyp du bist? Bist du tendenziell der annÀhernde, der vermeidende oder doch eher der mitmachende Typ?
Hast du dich jemals gefragt, warum du auf bestimmte Situationen immer wieder auf die gleiche Art und Weise reagierst? Oder warum Menschen bei unterschiedlichen Herausforderungen sofort aktiv werden, wĂ€hrend andere Personen. In der gleichen Situation zurĂŒckweichen oder abwarten? Nun, die Antwort könnte Ihnen verhaltenstendenzen liegen, die deutlich tiefer liegen. Als wir denken. Und zwar in Mustern. Die sich bis zu den einfachsten Lebensformen zurĂŒckverfolgen lassen.
Nehmen wir nur mal die Gruppe der Protozoen (griech. wörtlich âdas erste Tierâ). Selbst diese Einzeller verfĂŒgen ĂŒber eine erstaunlich simple, einfache, aber dennoch sehr effektive Ăberlebensstrategie: Sie bewegen sich auf NĂ€hrstoffe zu und von Giften / Toxinen weg.
Könnte es sein, dass ein GroĂteil unserer menschlichen Verhaltensweisen auf Ă€hnliche Grundmechanismen zurĂŒckzufĂŒhren ist? Die moderne Neurowissenschaft sagt: Ja, absolut! Und das Faszinierende hierbei ist, dass diese Erkenntnis keineswegs neu ist.
Bereits vor etwa 1500 Jahren, im fĂŒnften Jahrhundert, verfasste ein buddhistischer Gelehrtenmönch ein bemerkenswertes Meditationshandbuch mit dem Titel “Der Weg zur Reinheit”.
In diesem Text beschrieb er bereits, was Wissenschaftler heute erst durch moderne Forschungsmethoden bestĂ€tigen: Die meisten, wenn nicht sogar alle unserer Neigungen, Gewohnheiten und Persönlichkeitseigenschaften lassen sich in drei grundlegende Kategorien einordnen â Kampf, Flucht und Erstarren.
Der Verfasser dieses antiken Handbuchs hatte einen bemerkenswerten Grund fĂŒr diese Typologie: Er wollte Menschen, die meditieren lernten und Verhaltensmuster Ă€ndern wollten, individuell abgestimmte Empfehlungen geben.
Man könnte sagen, dieser Mönch war seiner Zeit weit voraus â er praktizierte bereits eine Form der personalisierten Medizin, lange bevor dieser Begriff ĂŒberhaupt existierte. Ganz ohne die Hilfe moderner MessgerĂ€te, ohne Herzfrequenzmonitore oder MRT-GerĂ€te, verlieĂ er sich einzig und allein auf seine sorgfĂ€ltige Beobachtung:
An diesen Ă€uĂeren Zeichen erkannte er die inneren Naturen der Menschen.
Was sich hier vielleicht einfach anhört ist andererseits aber auch genial. Denn, diese drei Kategorien aus dem antiken Text decken sich erstaunlich prĂ€zise mit dem, was wir heute ĂŒber das Thema âLernmechanismen durch Belohnung und Bestrafungâ wissen. Dr. Judson Brewer, ein fĂŒhrender Neurowissenschaftler und Psychiater, hat diese jahrtausendealte Weisheit mit der aktuellen Forschung verbunden und daraus ein wissenschaftlich validiertes Instrument entwickelt.
Deshalb möchte dir mit diesem Beitrag einmal den Behavioral Tendencies Questionnaire vorstellen â kurz BTQ, den Fragebogen zu Verhaltenstendenzen vorstellen. Dieses Instrument wurde mithilfe psychometrischer Forschungsmethoden entwickelt â also Testverfahren die einer besonders strengen Normierung und QualitĂ€tsmerkmalen unterliegen – und umfasst lediglich dreizehn prĂ€zise formulierte Fragen. Aber lass dich nicht von der KĂŒrze tĂ€uschen ⊠Selbst lediglich dreizehn Fragen können bereits sehr tiefe Einblicke in Deine grundlegenden Verhaltensmuster geben.
Das Besondere am BTQ â dem Behavioral Tendencies Questionnaire – ist seine Einfachheit und gleichzeitig seine wissenschaftliche Fundierung. Du bewertest bei jeder Frage einfach drei mögliche Antworten nach deiner ganz persönlichen PrĂ€ferenz: Die Antwort, die am besten zu dir passt, erhĂ€lt eine Eins, die zweitbeste eine Zwei, und die am wenigsten passende eine Drei. Wichtig dabei ist, dass du spontan antwortest â nicht, wie Du glaubst, dich verhalten zu mĂŒssen, sondern wie du dich tatsĂ€chlich im Allgemeinen verhĂ€ltst.
Bei den Fragen geht es um verschiedene Lebensbereiche:
Nach der Beantwortung werden alle Punkte je Kategorie zusammengezÀlt. Und die Kategorie mit der niedrigsten Punktzahl zeigt Deine stÀrkste Verhaltenstendenz.
Weiter oben auf diesem Beitrag findest du ein interaktives Online-Tool, mit dem Du den BTQ-Fragebogen direkt durchfĂŒhren kannst
Das Programm berechnet dann automatisch Deine Auswertung und zeigt Dir, welcher Achtsamkeitstyp du in erster Linie bist, inklusive einer Beschreibung, deiner StĂ€rken und ein paar kurze Entwicklungsempfehlungen. Das Tool ist kostenlos verfĂŒgbar und du erhĂ€ltst deine Ergebnisse sofort.
Allerdings möchte ich an dieser Stelle einen wichtigen Hinweis anbringen: Dieser Fragebogen dient lediglich der persönlichen Selbstreflexion und ersetzt keinesfalls eine professionelle psychologische Diagnostik oder Beratung. Es ist ein Werkzeug zur Selbsterkenntnis, kein medizinisches Diagnoseinstrument.
Lass uns jetzt mal etwas eingehender diese drei Achtsamkeitstypen besprechen und verstehen, was jeden einzelnen ausmacht.
Beginnen wir mit dem AnnĂ€herungstyp â dieser entspricht der Kategorie A im Fragebogen. Stell dir vor, du gehst zu einer Party. Als AnnĂ€herungstyp betrittst du den Raum und deine Augen beginnen zu leuchten: Das herrliche Buffet! Du siehst eine Gruppe von Freunden und gehst sofort vergnĂŒgt zu ihnen. Du bist in der Regel sehr optimistisch, liebevoll und auch recht beliebt. Bei Alltagsaufgaben bist du beherrscht und denkst vor allem sehr schnell.
Menschen mit dieser Tendenz werden durch eine tiefe innere positive VerstĂ€rkung motiviert. Sie fĂŒhlen sich zu sinnlichen GenĂŒssen hingezogen, stehen fest hinter ihren Ăberzeugungen, und ihre leidenschaftliche Natur sorgt dafĂŒr, dass sie von anderen geschĂ€tzt werden. Ihre Körperhaltung strahlt Selbstvertrauen aus. Sie lieben angenehme Erfahrungen und gute Gesellschaft, und oft sind sie sehr erfolgshungrig.
Die StĂ€rken des AnnĂ€herungstyps liegen klar auf der Hand: BegeisterungsfĂ€higkeit, soziale Kompetenz, die FĂ€higkeit, andere mitzureiĂen. Beruflich glĂ€nzen diese Menschen oft im Marketing, Vertrieb oder in sozialen Berufen â ĂŒberall dort, wo Enthusiasmus und positive Energie gefragt sind.
Aber wie bei jedem Typ gibt es auch potenzielle Fallstricke. Der ewige Wunsch nach einem âmehrâ kann problematisch werden, wenn er sich zu einem âzu viel des Guten” entwickelt.
Mein Tipp: AnnĂ€herungstypen sollten achtsam sein gegenĂŒber ihrer natĂŒrlich Tendenz zum ĂbermaĂ â sei es bei Essen, in Beziehungen oder bei der Arbeit. Die Neigung, ĂŒber die StrĂ€nge zu schlagen, kann langfristig schaden. Eifersucht oder Essattacken können Ausdruck dieser ĂŒberschieĂenden AnnĂ€herungstendenz sein.
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Der zweite Typ ist der Vermeidungstyp â Die Kategorie B im Fragebogen. Lass uns bei dem Bild der Party bleiben: Als Vermeidungstyp betrittst du nun denselben Raum, aber Dein Blick ist ein ganz anderer. Du bemerkst sofort, dass das Essen nicht optimal angerichtet ist, dass die Musikauswahl fragwĂŒrdig erscheint. Du fĂ€llst tendenziell eher kritische Urteile ĂŒber das Essen oder die eingeladenen Personen und wirst dich vielleicht spĂ€ter am Abend mit jemandem ĂŒber seine Ansichten streiten.
Vermeidungstypen haben in der Regel einen klaren Kopf und sind auĂerordentlich scharfsinnig. Ihr Intellekt ermöglicht es ihnen, Dinge logisch zu sehen und Fehler rasch wahrzunehmen. Sie haben eine schnelle Auffassungsgabe, sind gut organisiert und ordentlich, und sie erledigen ihre Aufgaben zĂŒgig. Sie achten auf Details â manchmal aber leider so sehr, dass ihnen keine Kleinigkeit entgeht.
Diese Menschen werden durch eine innere negative VerstĂ€rkung motiviert â sie wollen Fehler vermeiden, Unordnung beseitigen, Probleme lösen, bevor sie entstehen. Ihre Haltung wirkt dabei öfters etwas steif, aber dahinter steht ein beeindruckendes Organisationstalent.
Beruflich sind Vermeidungstypen prĂ€destiniert / also besonders geeignet fĂŒr Arbeiten, die ein hohes MaĂ an PrĂ€zision und Aufmerksamkeit fĂŒr Details erfordern. In der Forschung, QualitĂ€tskontrolle oder bei Projekten, die Genauigkeit verlangen, blĂŒhen sie förmlich auf. Sie lieben es zu tĂŒfteln, Theorien zu hinterfragen und Dinge herauszufinden.
Die Schattenseiten? Vermeidungstypen neigen zu ĂŒbertriebener Selbstkritik, Voreingenommenheit gegenĂŒber anderen und einer ĂŒbermĂ€Ăigen Konzentration auf Details, die manchmal den Blick fĂŒr den gröĂeren Zusammenhang verstellt. Sie können mĂŒrrisch oder perfektionistisch wirken. Das stĂ€ndige Scannen nach Fehlern kann emotional anstrengend sein â sowohl fĂŒr sie selbst als auch fĂŒr ihre Mitmenschen.
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Und schlieĂlich kommen wir noch zum dritten Typ: der Mitmachtyp â Kategorie C. Gehen wir nochmals zu unserer Party⊠Diese Menschen betreten die Party und harren völlig entspannt der Dinge, die da kommen. Sie ĂŒberlegen dabei nicht groĂ, sie machen einfach mit. Weder die kulinarischen Höhepunkte noch die Kritikpunkte springen ihnen ins Auge â sie sind einfach da, offen fĂŒr das und eins mit dem was da geschieht.
Mitmachtypen sind umgĂ€nglich und tolerant. Sie denken tiefgrĂŒndig und philosophisch ĂŒber die Zukunft nach und können sich vorstellen, was kĂŒnftig kommen mag. Sie verlieren sich schnell in ihren Gedanken und Fantasien â was sowohl eine StĂ€rke als auch eine Herausforderung sein kann.
Diese Menschen werden weder durch positive noch durch negative VerstÀrkung so stark in eine bestimmte Richtung gezogen wie im Vergleich dazu die anderen beiden Typen. Sie sind die Denker, die Philosophen, die kreativen Geister. Bei ihren TagtrÀumen kommen ihnen gelegentlich Zweifel und sie machen sich Sorgen, aber gleichzeitig entstehen in diesen Gedankenwelten auch brillante Ideen.
Beruflich sind Mitmachtypen unschlagbar, wenn es um kreative Prozesse geht. Bei Brainstorming-Sessions oder zu Beginn groĂer Projekte, wenn innovative EinfĂ€lle gefragt sind, spielen sie ihre StĂ€rken aus. Ihr philosophisches Denken und ihre FĂ€higkeit, ĂŒber den Tellerrand zu schauen, machen sie zu wertvollen Teammitgliedern.
Die Herausforderungen? In ihre Gedanken versunken, schlieĂen sich Mitmachtypen gerne dem an, was andere vorschlagen. Sie sind tendenziell leicht zu ĂŒberreden und schrecken vor Entscheidungen zurĂŒck, um Konflikte zu vermeiden. Im ungĂŒnstigsten Fall sind sie unorganisiert, ruhelos und zerstreut.
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Nun stellt sich uns vielleicht die Frage: Was fange ich eigentlich mit diesem Wissen an? Die Antwort könnte vielleicht vielfĂ€ltiger und praktischer ausfallen als du noch annehmen magstâŠ
Zuerst einmal ermöglicht Dir die Kenntnis deines primĂ€ren Verhaltenstyps eine tiefere Selbsterkenntnis. Du verstehst, warum Du in bestimmten Situationen so reagierst, wie du reagierst. Das ist jetzt aber keine Entschuldigung, sondern lediglich ein Ausgangspunkt fĂŒr persönliches Wachstum.
Wenn Du zum Beispiel weiĂt, dass Du ein AnnĂ€herungstyp bist, dann kannst du bewusster mit Deiner Tendenz zum ĂbermaĂ umgehen. Du kannst stoppen bevor Du zum dritten StĂŒck Kuchen greifst oder du dich in eine neue Leidenschaft stĂŒrzt, und dich lieger fragst: Ist mir dies auf lange Sicht wirklich nĂŒtzlich?
Als Vermeidungstyp könntest du zum Beispiel lernen, deinen stĂ€ndig nervenden inneren Kritiker langsam aber sicher zu zĂ€hmen. Oder wenn Du bemerkst, dass Du dich oder andere zu hart beurteilst, dann könntest du einfach einen Schritt zurĂŒcktreten und dir sagen: âDas ist jetzt nur mein Gehirn, welches nach Fehlern scannt.”
So eine kleine kognitive Distanzierung kann Dir bereits viel dabei helfen, die Dinge nicht mehr so persönlich zu nehmen oder nicht so nahe an Dich heranzulassen.
Und als Mitmachtyp kannst du dir hierdurch bewusst werden, wann Du Entscheidungen vermeidest oder aus Konfliktscheu zustimmst, obwohl Du doch eigentlich völlig anderer Meinung bist. Du könntest lernen, Deine Stimme zu erheben und auch mal die eigene Position zu beziehen.
Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass du mit all diesem Wissen auch deine zwischenmenschlichen Beziehungen erheblich verbessern kannst. Wenn Du den Verhaltenstyp Deiner Familienmitglieder, Freunde oder Arbeitskollegen erkennst, kannst du mit ihnen deutlich harmonischer umgehen.
Du verstehst, dass Dein vermeidender Partner eigentlich nicht kritisiert, um Dich zu verletzen, sondern weil sein Gehirn einfach nur darauf programmiert ist, Fehler zu erkennen.
Du verstehst, dass Dein mitmachender Kollege gar nicht unentschlossen ist, weil ihm Deine Projekte egal sind, sondern weil er die Dinge erst einmal aus vielen weiteren Perspektiven betrachten muss, bevor er sich entscheiden KANN.
Es ist mir immer wieder wichtig zu betonen: Dies alles sind lediglich Dispositionen und keine unabÀnderlichen festzementierten Festlegungen.
Die meisten Menschen um uns herumhaben eine vorherrschende Neigung, aber je nach Situation kann auch immer wieder eine andere Tendenz stĂ€rker ausgeprĂ€gt sein. Es geht nicht darum, sich selbst in eine Schublade zu stecken, sondern darum, die eigenen Muster zu erkennen â und mit diesem Bewusstsein dann die Wahl zu haben, genauso wie gehabt oder nun einmal aus eigener Initiatvie heraus anders zu reagieren.
Je mehr Du verstehst, wie Dein Geist funktioniert, desto besser kannst du mit ihm arbeiten. Je mehr Du deine eigenen Verhaltenstendenzen auslotest, desto besser wirst Du in der Lage sein, Deine StĂ€rken zu nutzen und in den Momenten zu wachsen, in denen dich frĂŒher Dein Naturell immer wieder aus dem Konzept gebracht hat.
Denn nur wenn Du Dir deiner grundlegenden Verhaltenstendenzen bewusst wirst, erst danach kannst Du sie nötigenfalls loslassen, verÀndern oder die Vorteiler einzelner Tendenzen bewusst nutzen. Denn eines gilt auch hier: Selbsterkenntnis ist immer der erste und wichtigste Schritt hin zu echter VerÀnderung.
Welcher Achtsamkeitstyp bist Du? Die Antwort wartet auf Dich â und mit ihr ein tieferes VerstĂ€ndnis Deiner selbst und Deiner Umgebung.
Denn: Wissen ⊠macht immer den Unterschied!
Massimo Pigliucci ist Professor fĂŒr Philosophie am City College of New York.Â
Dieses Buch kann ich wirklich empfehlen, da es sehr praxisorientiert geschrieben ist. Besonders die “Dichotomie der Kontrolle” – also das was ich kontrollieren kann im Gegensatz zu den Dingen die ich loslassen muss, haben mich persönlich sehr berĂŒhrt.Â
Weitere hilfreiche GedankenansĂ€tze sind die drei Disziplinen des Stoizismus, der Umgang mit Emotionen oder auch die Rolle der Achtsamkeit und PrĂ€senz.Â
Im letzten Teil des Buches stellt Pigliucci 12 praktische stoische Ăbungen vor, die einem helfen, die stoischen Prinzipien aktiv im Lebensalltag zu verankern wie z.B. Gleichmut ĂŒben und Reden ohne zu urteilen.Â
Es sind viele Bereiche, die wir hierbei ansprechen können: Angefangen vom Umgang mit Angststörungen oder einer anderen belastenden Störung, aber auch ĂŒber Paartherapie, Selbstverwirklichung und Transzendenz.Â
Ich möchte aber nicht nur ĂŒber Fragen sprechen, sondern auch praxisgerechte Lösungen anbieten:
Buchen Sie sich einfach auf meinem Online-Kalender ein Zeitfenster oder nutzen Sie mein klassisches Kontaktformular um mit mir in Verbindung zu treten. Ich freue mich auf Sie. Ihr Marcus