Schriftzug Marcsu Jähn

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2.2 „Es geht mir ums Prinzip“

Ist dir das nicht auch schon vorgekommen, dass man zu dir den Satz gesagt hat: „Es geht mir nur ums Prinzip“. Was jedoch dahinter steckt, ist ein Spiel welches wir in der Transaktionsanalyse auch unter dem Namen „Gerichtssaal“, oder: „Mir geht es um die Wahrheit“ her kennen.

Per Definition geht es in diesem Spiel häufig um Recht und Unrecht. Hier werden verschiedene Hintergrundspiele immer wieder nach oben geholt wie zum Beispiel:

      • Das Spiel Holzbein: „Ich kann doch nichts dafür“
      • Das Spiel Schuldner. Jemand macht Schulden und versucht daraus, einen Gewinn zu erzielen.

Sehr häufig könnten wir dieses Spiel bei Ehe-Beratern und Psychotherapeuten beobachten.

Ein Kläger und ein Beklagter wenden sich an einen Richter (eine durch den Therapeuten besetzte Rolle) und im Gegensatz zu dem realen Gerichtssaal wird der Therapeut in der Klage bzw. Anklage sehr viel intensiver involviert.

Zusätzlich finden wir dieses Spiel in den vielen unzähligen Talkshows im Fernsehen wo dann noch mehrere Talk-Teilnehmer und Zuschauer dabei sind.

Also, wir haben in der Regel maximal vier Rollen:

    • Der Kläger
    • Der Beklagte
    • Der Richter 
    • Die Jury oder die Zuschauer

Nehmen wir mal so ein typisches Beispiel, dass der Mann der Kläger und die Frau die Angeklagte ist. Der Ehemann kommt zum Therapeuten und erzählt sofort darüber, was seine Frau so alles in der Vergangenheit Negatives getan hat. Hat der Therapeut das Glück und es sind von Anfang an beide Beteiligten anwesend, beginnt die Frau sich zu verteidigen.

Auf das hat der Ehemann natürlich nur gewartet und geht dann in Form von jovialer Ritterlichkeit von oben herab darauf ein.

Das ist die typische Variante welche man bei den Therapiesitzungen bei Paar–Therapeuten, Ehe-Beratern vorfindet.

Die Antithese / Wie kommt man jetzt aus diesem Spiel heraus?

Eine in der Transaktions–Analyse sehr beliebte Form des Auswegs aus dem Spiel ist folgende: Der Therapeut wendet sich direkt an den Kläger und sagt: „Sie haben in allen Dingen zu 100 % Recht!“.

In der Regel ist der Kläger (der Mann) in diesem Moment am Triumphieren und ist sehr zufrieden. Ist diese Reaktion zu sehen fragt ihn dann der Therapeut: „Nachdem sie jetzt von mir Recht bekommen haben, wie geht es Ihnen?“ Der Mann antwortet dann i.d.R. sinngemäß: „Mir geht es sehr gut“.

Jetzt kommt aber der Knick in der Kommunikation – der Therapeut wendet nun das Blatt und sagt: „Wissen Sie, ich bin eigentlich zu 100 % davon überzeugt, dass sie derjenige sind der Unrecht in der gesamten Angelegenheit hat.“ Hier ist eine Weg-Gabelung in der Kommunikation: der Ehemann hat jetzt zwei Möglichkeiten hierauf zu reagieren.

 

Variante 1: 
Der Ehemann ist aufrichtig und sagt: „Eigentlich muss ich Ihnen ja Recht geben, das ich nicht zu 100 % im Recht bin.“

Variante 2: 
Der Ehemann bleibt bei seinem Spiel – jetzt aber mit dem Unterschied dass dieser Spieldynamik der Boden entzogen wird.

      • Worum ging es denn jetzt eigentlich bis jetzt in diesem Spiel und
      • Warum ist die Vorgehensweise des Therapeuten in den meisten Fällen sehr wirksam?

Die Spiel–Motivation liegt darin, dass der Kläger nach außen hin einen Sieg bescheinigt haben möchte, selber aber davon überzeugt ist dass er diesen Sieg nicht verdient hat. Er weiß zwar von seinen eigenen Fehlern, möchte aber nach außen hin einen Persil–Schein bekommen.

Das war jetzt der erste Schritt um aus dem Spiel heraus zu kommen.

Da die Spiele selber aber aus vielen kleinen einzelnen Schritten bestehen muss auch das was danach folgt aus vielen kleinen einzelnen Schritten erarbeitet werden. Nachdem jetzt die Spiel–Motivation klar auf dem Tisch liegt muss nun in der Paar–Therapie eine neue Sprachmodulation gefordert werden.

Diese Sprach-Modulation (die Anpassung der Wörter) ist am Anfang für Kläger und Beklagten sehr schwer einzuhalten. Sie ist aber die Grundlage für jede weitere Heilung aus dem Spiel heraus.

Ab dem Zeitpunkt des Aufdecken der Spiele–Motivation stellt der Therapeut das Gesetz auf, dass der Gebrauch der grammatikalischen dritten Person in den Sitzungen untersagt ist. 

Der Mann oder die Frau kann also nichts zum Therapeuten sagen eher oder sie, sondern muss in der ich-Form oder in der persönlichen Anrede zu den Partner bleiben.

Solche Formulierungen wie: „Jetzt will ich Ihnen mal erzählen was sie getan hat…“ können dann logischerweise nicht mehr weitergeführt werden.

Dies ist eine sehr wirkungsvolle Form das Spiel Gerichtssaal zu unterbinden.

Leider gibt es immer noch sehr hart gesottene Spieler“ in diesem Bereich die sich dann gegen diese grammatikalische Ausgrenzung der dritten Person wehren. Wie geschieht es? Sobald du das Wort „außerdem…“ hörst weißt du dass die gesamte Diskussion gerade ad absurdum – also in das Sinnlose übergeht.

Bei dem Spiel „außerdem…“ versteift sich der Kläger darin, permanent eine Klage nach der anderen vorzubringen. Logischerweise reagierte Angeklagte dann auf jede einzelne Klage mit den Worten: „Das ist so und so und das kann ich so und so erklären.“

Der Ankläger wiederum reagiert überhaupt nicht auf diese Erklärungen, sondern antwortet hierauf mit neuen „außerdem – Anschuldigungen“.

Ein typischer Circulus vitiosus oder eine Transaktion zwischen Eltern-ich und den Kindheits – ich. Dieses Spiel („außerdem…“) wird typischerweise sehr intensiv von paranoiden Menschen gespielt (paranoide Menschen sind diejenigen die krankhaft misstrauisch sind.)

Diese Personen hören sehr intensiv auf jedes einzelne Wort und können nicht „die Melodie“ erspüren welche vielleicht in humorvoller oder metaphorischer Form auf der psychologischen Ebene unterschwellig gesagt werden sollte.

Wie kommt man aus diesem Spiel raus?

Hier muss man den Kläger wirklich auffordern, auf die Metaphern zu verzichten weil diese Metaphern (unterschwelligen Botschaften) sind wie Klippen / Fallstricke die es erst mal zu umschiffen geht.

In den „ganz normalen Familien“ wird dieses Spiel häufig unter Geschwistern mit Einbeziehung eines Elternteiles gespielt.

Eines der Kinder was sich schlecht behandelt fühlt läuft zum Vater/zur Mutter und sagt:

      • „Mama, Mama, Mama er hat mich gehauen.“
      • „Sie aber hat mir mein Spielzeug weggenommen.“
      • „Du hast mir aber vorher Sand über die Schuhe geworfen.“

Eltern mit mehreren Kindern, kennen dieses „Spiel unter Geschwistern“. Wie Eltern hier raus kommen haben wir ja jetzt mit einem Lösungsvorschlag beschrieben. 

Zusammenfassung des Spiels

Die These des Spieles lautet: „Ich möchte dass mir meine Umgebung bestätigt, dass ich im Recht bin.“

Das Ziel des Spieles: „ich möchte eine reine, weiße Weste (Persil – Schein).“

Die Rollen: der Kläger, ein Angeklagter, ein Richter und eventuell eine Zuhörerschaft.

Die Dynamik oder/Motivation: Rivalität. Die Beispiele:

      • Streit unter Kindern /Geschwistern
      • Ein Ehepaar braucht Hilfe bei einem Therapeuten

Die soziale Ebene: Erwachsenen – ich zu Erwachsenen – ich

      • (Erwachsenen-ich): „du hast das getan.“
      • (Gewachsen-ich). „Ich erkläre dir, wie die Sache in Wirklichkeit war.“

Was geschieht hier auf der psychologischen Ebene? Es ist eine Interaktion zwischen Kindheits – ich und/Eltern – ich

      • Kindheits – ich): „bestätige mir dass ich im Recht bin.“
      • (Eltern –ich): „du hast recht.“

Die Handlungsschritte in dem Spiel sind:

      1. Anklage
      2. Verteidigung/Eingeständnis
      3. Richterspruch oder Votum durch die Zuhörer.
      4. Das eigentliche Urteil.

 

Welchen Nutzen hat dieses Spiel?

      1. Psychologischer Nutzen:
        • Schuldgefühle auf den anderen übertragen.
        • Sich selbst befreien von eigenen Schuldgefühlen.
      2. Sozialer Nutzen: Spiele wie „Liebchen“, „Außerdem…“, „Tumult“ können in Ruhe gespielt werden.
      3. Biologischer Nutzen: „Ich bekomme meine so gewünschten Streichel–Einheiten durch Anerkennung vom Richter oder den Zuhörern.
      4. Existenzieller Nutzen: „Meine Depression wird hierdurch erklärt, weil ich ja niemals Recht bekomme.“

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