Trauma

Traumatherapie – Wie verĂ€ndert ein Trauma das Gehirn?

      1. Was sind psychische Traumata?
      2. Wie kann man diese erkennen?
      3. Wie verÀndern sie unser Gehirn? und
      4. Wie kann man sie therapeutisch behandeln?

Wie verĂ€ndert ein Trauma das Gehirn? Wie geht moderne TraumatherapieIch bin immer wieder darĂŒber erstaunt dass bei nur wenig anderen psychischen Erkrankungen und Therapien in den letzten Jahren so viele MissverstĂ€ndnisse geklĂ€rt, GlaubenssĂ€tze widerlegt und therapeutische Möglichkeiten gefunden wurden wie bei der Traumatherapie. Das macht echt Mut und gibt Hoffnung fĂŒr die kommenden Jahre.

Wenn ich immer wieder hin und her springe zwischen den Begriffen Traumen und Traumata dann hat dies den Grund dass es tatsĂ€chlich mehrere Pluralformen von diesem griechischen Wort „Trauma“ gibt.

Wir kennen die griechische Pluralform Traumata, die besonders in Fachkreisen genutzt wird. Umgangssprachlich ist die Bezeichnung Traumen aber genauso richtig. Denke einmal an die Pluralform von Pizza („Pizzen“).

Trauma (1) Was sind psychische Traumata?

Es gibt viele ZugĂ€nge zum diesem umfangreichen Thema Trauma: Wir unterscheiden die Traumen z.B. nach Kategorien wie UnfĂ€lle, Naturkatastrophen oder durch Menschen verursachte Traumata. Diese Letzteren fĂŒhren deutlich hĂ€ufiger zu den bekannten Traumafolgestörungen.

Sollte uns eine Traumastörung unangenehm oder eventuell sogar peinlich sein? Muss man sich dafĂŒr vielleicht schĂ€men? Leider passiert dies immer noch viel zu hĂ€ufig – aber es ist ausdrĂŒcklich nicht angebracht. Dazu möchte ich mit diesem Vortrag auch einen kleinen Beitrag leisten.

Traumafolgestörungen sind eine besondere Verarbeitungsform unseres GedÀchtnisses. In gewisser Weise hat sich hierbei unser GedÀchtnis der Kontrolle entzogen und sich selbststÀndig gemacht, und das nicht ohne Folgen. Die Konsequenzen reichen bis in den Körper hinein und es ist etwas ganz Normales, dass jedem von uns ab einer gewissen Dosis eines Traumas passieren kann. Das hÀngt logischerweise von bestimmten Bedingungen ab!
Frage: Bekommt man auf jedes katastrophale Ereignis eine Traumafolgestörungen? Nein! Auf keinem Fall! Es ist mittlerweile gut dokumentiert, dass Traumata grundsĂ€tzlich immer von unserem Gehirn verarbeitet werden. Leider ist diese Verarbeitung oft jedoch blockiert – zum Beispiel durch

      • zu starke Schuld- oder SchamgefĂŒhle
      • Ă€ußere UmstĂ€nde
      • vielleicht andere psychische Erkrankungen oder
      • zu vielen vorherige Traumen

Wenn dies geschieht,  dann werden Traumafolgestörungen sehr wahrscheinlich. Sie treten zum Beispiel

      • nach VerkehrsunfĂ€llen in ca. 10 % aller FĂ€lle oder
      • nach einem schweren Missbrauch / einer Vergewaltigung in ca. 50 bis 60 % auf

Stark bzw. komplex in der Kindheit traumatisierte Betroffene befreien sich in ihrer weiteren Entwicklung oft so um das vierzehnte Lebensjahr. Geschieht dies nicht, dann sie bleiben hĂ€ufig sehr lang darin  stecken 


Das kann an

      • einer mangelnden Sicherheit
      • einem andauernden TĂ€terkontakt liegen. Und dann werden sie oft krank.

Trauma (2) Wie sieht eine Traumafolgestörungen klinisch aus? 

Trauma bedeutet nicht automatisch, dass ich auch eine PTBS habe – die posttraumatische Belastungsstörung! Das ist ein wichtiger Merksatz!

Wie verÀndert ein Trauma das Gehirn? Wie geht moderne Traumatherapie Akute Belastungsreaktion - Störung und posttraumatische BelastungsstörungNach traumatischen Erlebnissen entwickeln sich erst einmal Traumastörungen. Und wenn wir von Traumastörungen reden, dann sprechen wir im engeren Sinne von (1) akuten Belastungsreaktionen die innerhalb von wenigen Stunden auftreten. Danach kommen die (2) akuten Belastungsstörungen. Sie erscheint innerhalb von Tagen bis zu einem Monat. Und dann gibt es noch die (3) posttraumatische Belastungsstörung PTBS, die sich so um die sechs Monate nach dem Ereignis entwickelt.

Oft treten nach Traumatisierungen begleitend noch Depressionen, Angststörungen, somatoforme Störungen, oder eine emotionale InstabilitĂ€t als dauerhaftes und deutlich sichtbares Merkmal auf. Da könnte ein Außenstehender denken, derjenige hat ganz plötzlich eine Borderline Störung bekommen. Der Zuschauer dieses Kanals weiß aber, das eine Persönlichkeitsstörung nicht akut auftritt. Sie ist ein schleichender Prozess der ganz frĂŒh in der frĂŒhesten Kindheit beginnt, sich zu entwickeln.

Lass uns jetzt einmal etwas nÀher die posttraumatische Belastungsstörung ansehen. Diese PTBS hat ein sehr klares und typisches klinisches Bild.

Die Diagnose stellen wir durch sechs Kriterien: Dazu gehört zunĂ€chst einmal ein Ereignis das man erlebt oder beobachtet hat und neuerdings – seit dem ICD 10 - auch durch eine Mitteilung Wir sprechen hier von schwerwiegenden Ereignissen die einen entweder Selbst, die eigene Familie oder andere nahe Angehörige / Bezugspersonen betreffen Das kann eine mögliche oder wirkliche Todesbedrohung sein, ernsthafte Verletzungen, eine schwere Bedrohung der körperlichen Unversehrtheit fĂŒr sich selbst oder andere. Dazu gehört immer eine Reaktion mit starker intensiver Furcht, einer Hilflosigkeit und Ausweglosigkeit.Die Diagnose stellen wir durch sechs Kriterien: 

  • Dazu gehört zunĂ€chst einmal ein Ereignis das man erlebt oder beobachtet hat und neuerdings – seit dem ICD 10 – auch durch eine Mitteilung Wir sprechen hier von schwerwiegenden Ereignissen die einen entweder Selbst, die eigene Familie oder andere nahe Angehörige / Bezugspersonen betreffen Das kann eine mögliche oder wirkliche Todesbedrohung sein, ernsthafte Verletzungen, eine schwere Bedrohung der körperlichen Unversehrtheit fĂŒr sich selbst oder andere. Dazu gehört immer eine Reaktion mit starker intensiver Furcht, einer Hilflosigkeit und Ausweglosigkeit.

Hinzu kommt das Wiedererleben – die sogenannte Inklusion.
das sind zum Beispiel belastende (Alp-)trĂ€ume, Flashbacks. In diesen Flashbacks erlebe ich bestimmte Teile des Traumas immer wieder und zwar so als wĂŒrden sie gerade eben / jetzt (!) passieren. Wir sprechen hier von Triggern. Diese Trigger sind Auslöser, Wahrnehmungen bei denen eine besonders starke Belastung auftritt. Und das sind nicht nur psychische Belastungen. Immer wieder tritt hierbei eine körperliche Reaktion bei diesen Erinnerungen auf.

Zu der Diagnose „posttraumatische Belastungsstörung gehört auch die Vermeidung. Es wird einfach alles vermieden was auch nur andeutungsweise irgendwie mit dem Trauma zusammenhĂ€ngt wie z.B.

      • Gedanken
      • GefĂŒhle
      • AktivitĂ€ten
      • Situationen
      • und auch eigene GedĂ€chtnisinhalte.
        Dadurch entstehen logischerweise Teilamnesien.

Bei einem Trauma, bei der Traumastörung geht es immer um GefĂŒhle. So entsteht oft ein GefĂŒhl, als ob man neben sich steht. Dies ist wie eine Entfremdung von sich und von der Umwelt.

Ein weiteres typisches Symptom ist die psychische oder vegetative Übererregung. Sie zeigt sich typischerweise in Schlafstörungen, in erhöhter Reizbarkeit und einer Schreckhaftigkeit. Dies alles sollte deutlich erkennbar sein. Deutlich ist, wenn die Dauer lĂ€nger als ein Monat ist. All das muss auch sichtbar belastend im Alltag sein. Und zwar so belastend, dass die Arbeits- und auch die LiebesfĂ€higkeit, grundsĂ€tzlich die FĂ€higkeit am Alltag teilzunehmen deutlich eingeschrĂ€nkt ist

Trauma: (3) Wie entsteht so eine PTBS?

Die posttraumatische Belastungsstörung ist eine besondere Form der GedÀchtnisverarbeitung. 
Vielleichtkommen die jetzt einige Fragen in den Sinn:

      • Wie werden die Dinge ĂŒberhaupt in unserem Gehirn gespeichert?
      • Wie wird gelernt?
      • Woher weiß ich, dass die Dinge, die ich jetzt gerade denke bzw. erlebe sich hier und jetzt gerade abspielen und andere vielleicht damals oder dort?
      • Ist das vielleicht alles nur ein Traum was ich gerade erlebe?
      • Woher weiß ich eigentlich, dass das was ich jetzt sehe auch Wirklichkeit ist? Oder ist das vielleicht nur eine Erinnerung / eine Matrix?
      • Was macht mich so sicher, dass dies kein Traum, sondern klare RealitĂ€t ist?

Traumareaktionen bewirken oft eine tiefgreifende VerÀnderung im Erleben unserer RealitÀt. Die Frage dies sich hier stellt ist: Wie kommt das?

Um zu verstehen was fĂŒr unser Gehirn gerade die Wirklichkeit und was die Vergangenheit ist, möchte ich mit Dir einen kurzen Blick in die Neurobiologie werfen. 

Es gibt da den Merksatz: „What fires together, that wires together.“ Wenn zwei Gehirnzellen gleichzeitig aktiv sind, dann stellen sie eine Connection / eine Verbindung zueinander her. Wenn ich also zwei Dinge gleichzeitig erlebe, höre, mich erinnere oder gewisse Arbeiten verrichte, dann werden die gleichzeitig aktiven Gehirnzellen dauerhaft miteinander verbunden und spĂ€ter – in der Erinnerung - als Netzwerk auch wieder gemeinsam (!) aktiviert. Es gibt da den Merksatz: „What fires together, that wires together.“ Wenn zwei Gehirnzellen gleichzeitig aktiv sind, dann stellen sie eine Connection / eine Verbindung zueinander her. Wenn ich also zwei Dinge gleichzeitig erlebe, höre, mich erinnere oder gewisse Arbeiten verrichte, dann werden die gleichzeitig aktiven Gehirnzellen dauerhaft miteinander verbunden und spĂ€ter – in der Erinnerung – als Netzwerk auch wieder gemeinsam (!) aktiviert. Diese Netzwerk-Bildung, diese Speicherung geschieht in zwei verschiedenen GedĂ€chtnissen 
 Und ja 
 wir haben wirklich zwei GedĂ€chtnisse – zwei GedĂ€chtnisbereiche mit unterschiedlichen Zielsetzungen!

Zum einen das so genannte heiße WahrnehmungsgedĂ€chtnis. Da werden alle GefĂŒhle, Bilder, GerĂŒche, Körperreaktionen abgespeichert.   Dazu gehören detaillierte sensorische, perzeptuelle (also unbewusste) Wahrnehmungen, die praktisch nicht bewusst, sondern nur unwillkĂŒrlich abrufbar sind. Diese sind die Grundlagen fĂŒr die sogenannten Flashbacks oder AlbtrĂ€ume. Auf der anderen Seite gibt es dann noch das zweite, kalte GedĂ€chtnis – das sogenannte KontextgedĂ€chtnis. Hier wird das Wo und wann ist es passiert? Wo gehört das hin? abgespeichert.Zum einen das so genannte heiße WahrnehmungsgedĂ€chtnis. Da werden alle GefĂŒhle, Bilder, GerĂŒche, Körperreaktionen abgespeichert.   Dazu gehören detaillierte sensorische, perzeptuelle (also unbewusste) Wahrnehmungen, die praktisch nicht bewusst, sondern nur unwillkĂŒrlich abrufbar sind. Diese sind die Grundlagen fĂŒr die sogenannten Flashbacks oder AlbtrĂ€ume.

Auf der anderen Seite gibt es dann noch das zweite, kalte GedĂ€chtnis – das sogenannte KontextgedĂ€chtnis.

Hier wird das

      • Wo und wann ist es passiert?
      • Wo gehört das hin? abgespeichert.

Dieses Wissen kann dann – im Gegensatz zu dem „heißen GedĂ€chtnis – sowohl willkĂŒrlich als auch unwillkĂŒrlich abgerufen werden. Dieses „Kalte GedĂ€chtnis“ schafft den rĂ€umlichen Kontext / den Zusammenhang ob eine Erfahrung eine alte oder eine neue Information ist. Dazu wird etwas gebraucht oder genutzt, fĂŒr das seine Entdeckung im  Jahre 2014 den medizinischen Nobelpreis erhielt:

Unser wunderbares Navigationssystem im Gehirn:

      • Der Hippocampus und
      • der entorhinale Cortex in seiner Nachbarschaft

Hier befindet sich unser Orts- und auch unser ZeitgedĂ€chtnis. Außerdem findet hier zusĂ€tzlich noch die GedĂ€chtnisbildung statt – also die Verdrahtung von allem was ich lerne, was ich mir merke und wo dieses und jenes rĂ€umlich / zeitlich hingehört. Der Hippocampus registriert auch, ob das alles eine neue oder eine alte Information ist. Ein ganz und gar genialer Bereich unseres Gehirns! Aber so genial dieses auch ist – keine Medaille ohne Kehrseite – so anfĂ€llig ist es auch fĂŒr schĂ€dliche Ă€ußere Reize wie zum Beispiel Alkohol oder ganz besonders durch Drogen.

Jetzt kommt eine Traumatisierung auf uns zu. 
 Bei dieser spielt dann das Kommandopult der GefĂŒhle die Hauptrolle. Dieses ist die Amygdala. GefĂŒhle sind auch die zentrale Kernkompetenz / die Haupt-Funktion der Amygdala: Sie ist verantwortlich fĂŒr die Emotionen – ganz besonders von Furcht und Angst. Und auch die Speicherung der GefĂŒhle. Sie ist praktisch die körperliche Antwort auf eine Ă€ußere Situation. Und wenn es eine gefĂ€hrliche Situation ist, dann ist diese Antwort oft Flucht oder Angriff.

Diese hormonelle Stressantwort durch die Amygdala können andere Gehirnbereiche in Ihrer Arbeit bremsen wie zum Beispiel das Navigationssystem unseres Gehirns, den Hippocampus. Bei einer Alarmsituation – z.B. bei einem Angriff kann das durchaus situativbedingt – auch sinnvoll sein, weil ein schnelles Handeln erstmal auch Überlebenswichtig ist.

Wird jetzt in einer ganz schlimmen Reaktion durch die Amygdala der Hippocampus gehemmt, dann werden die sogenannten heißen GedĂ€chtnisnetzwerke ohne Kontext / ohne den Zusammenhang von Ort und Zeit ect. gespeichert.

Das wiederum bedeutet, wenn eine traumatische Erinnerung / ein Flashback aktiviert wird, dann feuern diese Netzwerke einfach und unwillkĂŒrlich und völlig ohne Kontrolle los. Die Wahrnehmung ist dann, als wenn dies jetzt alles hier und jetzt gerade passiert. Denn  
 es fehlt ja die Verdrahtung in die kalten in die Kontext-Erinnerungsspeicher 
 in das „damals und dort
 „ Das wĂŒrde ja das kalte GedĂ€chtnis eigentlich besorgen, das im Moment jedoch durch die Amygdala gehemmt ist.

Flashbacks / Traumatische Belastungen sind also ĂŒberhaupt nicht peinlich oder beschĂ€mend! Das Gehirn macht einfach seinen Job.

Wir können dies alles ja auch mal mit einer angenehmen Erinnerung vergleichen: Stell Dir vor du spĂŒrst einen warmen Wind, Du siehst eine DĂŒnenlandschaft, Du hörst ein Meeresrauschen und siehst deinen Fuß im Wasser. Das sind alles wunderschöne EindrĂŒcke – Du verspĂŒrst eine innere Freude, Dein Herz schlĂ€gt schneller, Du atmest schneller – alles ist einfach nur schön
 Aber wo gehört diese Erinnerung eigentlich hin? Jetzt kommt das sogenannte „Kalte GedĂ€chtnis“ ins Spiel: Hier ist die wahrscheinlich sehr gut verdrahtete Information abgespeichert: NiederlĂ€ndischer Sandstrand, Sommer 2019, Abendstimmung. Das Ganze ist genauso beim Traumatisierten abgespeichert – jedoch ohne die Verdrahtung in das damals und dort.

Machen wir mal ein unschönes / ein trauriges Beispiel: Ein FlĂŒchtling sieht einen Polizisten in der Stadt. Er sieht lediglich seine Uniform und sofort, flashbackartig erinnert diese ihn an Soldaten in seinem Heimatland. Und jetzt wird das Traumanetzwerk auf einen einzigen Schlag aktiviert. Es werden nicht selektiv einzelne Erinnerungen hervorgerufen – denn dazu brĂ€uchten wir ja den „Kalten Kontext“ durch den Hippocampus mit dessen Hilfe wir all das ja willkĂŒrlich / bewusst abrufen könnten. Da diese traumatische Erinnerung aber ohne diese Verdrahtung im Netzwerk liegt, wird es explosionsartig aktiviert und feuert ungehemmt ohne zu zielen drauf los.

Hierdurch können wir auch die Dissoziationen bestimmt etwas besser verstehen unter denen viele viele Menschen leiden.

Eine selektive / ausgesuchte und spezielle Erinnerung können wir mit einer einzelnen GlĂŒhbirne an einer Laternenkette vergleichen. Das große Traumanetzwerk wĂ€re dann die gesamte elektrische Laternenkette. Stecke ich den Stecker rein, dann ist es voll da und aktiviert. Wenn ich jetzt aber den Stecker wieder rausziehe – also, wenn ich beginne zu dissoziieren, dann bekomme ich von alledem was da um mich herum passiert, nichts mehr mit – ich habe weniger bis praktisch keine Schmerzempfindungen – ich bekomme meine Umgebung nicht mehr mit – ich spĂŒre von all dem außen um mich herum nichts mehr – und 
 ich muss auch nicht mehr so viel Angst haben. Der Flashback ist gewissermaßen das Reinstecken des Steckers. 

Ich möchte es noch mit einem weiteren Beispiel vergleichen: Das alles muss nicht immer mit einem traumatischen Ă€ußeren Ereignis eintreten. Das alles geht auch mit einem inneren Gedanken – wie zum Beispiel: „Ich kann meine Lebenssituation ĂŒberhaupt nicht mehr verbessern.“ Dann erinnere ich mich unwillkĂŒrlich / schlagartig / einem Flashback Ă€hnlich: „Dieser Gedanke war doch schon mal da
 Ja, ich erinnere mich: Genau 
 ich kann nichts tun – ich sitze wieder wie damals in dem ĂŒberfĂŒllten Schlauchboot auf dem Mittelmeer – wir sind in Lebensgefahr 
 . Ich habe Angst
“ Und auf einmal ist wieder das ganze Netzwerk aktiviert 


Ist ein einzelnes Trauma immer belastend?

Nun, mit einem einzigen Traumanetzwerk werden die meisten Betroffenen irgendwie schon fertig. Erleben wir aber mehrere Traumen hintereinander, dann verbinden sich diese Traumen – bei einer starken Ähnlichkeit oder bei einer sehr starken Überbelastung- zu einem Großen und Ganzen Traumanetzwerk. Eine Explosion / ein Bombensplitter / eine Misshandlung / ein Feuer / Wut / eine Vergewaltigung / Scham / Schuld / Angst bei mir oder nahen Bezugspersonen / Angst bei dem nach Alkohol riechenden Atem des großen Mannes / Angst bei den SchlĂ€gen / Angst als wir mit dem Auto zu schnell fuhren. 

Hier sprechen wir dann von mehreren einzelnen Traumanetzwerken, die sich irgendwann wegen der Überlastung des Gehirns zu einem großen Netzwerk verbunden haben 


Trauma: (4) Die Behandlung

      • Das Traumanetzwerk entflechten
      • Das Trauma in seinem Wert besprechen

In der Traumatherapie geht es darum, diese miteinander verflochtenen Traumanetzwerke wieder zu trennen und ihren Kontext / Ihre Verbindung zum „Kalten GedĂ€chtnis“ wieder einzurichten. Und die gute Nachricht hierbei ist, das macht das Gehirn grundsĂ€tzlich immer von selbst, wenn wir ihm dabei helfen.

Wie können wir uns das jetzt in der Praxis vorstellen? Jetzt wird in der Therapie der zu den jeweiligen traumatischen Ereignissen zugehörige „kalte Kontext“ immer wieder hervorgeholt und immer und immer wieder dem Gehirn vorgespielt / und aufgezeigt. Hatte ich vorhin eine Explosion erwĂ€hnt, dann war es vielleicht die Explosion der Fliegerbombe in MĂŒnchen im Dezember 2021. Die Vergewaltigung fand vielleicht vor 25 Jahren beim Besuch von Urlaubsbekannten der Eltern statt. Der Autounfall letzten Herbst mit dem Partner auf dem Weg ins Wochenende. Und dann noch die SchlĂ€ge des Vaters welche ich als Kind zuhause in meinem Jugendzimmer erlitten habe.

Durch diese wiederholte Aufarbeitung und Zuordnung der Koordinaten Zeit / Raum / Personen können die Traumanetzwerke nun technisch von unserem Gehirn getrennt werden und verbleiben nicht mehr als Trauma, sondern „nur noch“ als eine Erinnerung. Es ist dann zwar eine traurige Erinnerung ĂŒber immerhin besser eine traurige Erinnerung als ein Trauma. 


Es gibt verschiedene Typen und Formen der Psychotherapie welche dem Gehirn hierbei unterstĂŒtzend helfen. Wenn es gelingt, sowohl die traumatischen Flashbacks als auch das „hier und jetzt“ gleichzeitig zu aktivieren, dann kann unser Gehirn vom Prinzip her gar nicht mehr anders, als diese Verbindung auch herzustellen. 

      • „what fires together – that wires together“

Dadurch wird dann das traumatische Erlebnis – wie bereits gesagt – zu einer traurigen Erinnerung ummodelliert. Ja, es ist immer noch eine traurige Erinnerung! Aber eine traurige Erinnerung ist etwas ganz und gar anderes, als sein Leben durch unkontrollierbare GefĂŒhle und Bilder massiv einschrĂ€nken lassen zu mĂŒssen

Teil (4.2) Das Trauma muss in seinem Wert besprochen werden

Manchmal ist es dringend nötig, die Verarbeitung des Traumas mit dem Betroffenen bis ins letzte Detail zu besprechen. Viele der Leidenden ziehen aus ihrem Traumata nÀmliche die Schlussfolgerung, dass sie besonders schlecht oder wertlos sind. Wie kommen sie darauf?

      • Nun, zum einen, weil ihnen das alles passiert ist
      • oder weil die Welt einfach grenzenlos gefĂ€hrlich ist und man nichts und niemandem mehr vertrauen kann 
 sonst wĂ€re es einem ja auch nicht passiert

Und selbst wenn diese Anspannungen und Flashbacks irgendwann einmal verschwunden sind, kann ich mit einer solchen Haltung nur sehr schlecht schlecht lieben, leben oder arbeiten. Die Gefahr einer Depression ist hierbei extrem groß.

Die gute Botschaft in diesem Falle lautet jedoch: es gibt bereits heute wirksame Psychotherapien! Und gerade in den letzten 20 Jahren wurden diese immer wirksamer.

Zu jeder Trauma-Psychotherapie gehört

      • das initiale Erlernen von Stabilisierungstechniken und
      • eine gute, eine stabile und sichere Beziehung zum Therapeuten

Bitte merke Dir: Das alleinige praktizieren von Stabilisierungstechniken ist fĂŒr sich betrachtet keine wirksame Therapie! Das stabilisiert höchstens den Spontanverlauf. Alle international erforschten Psychotherapien der PTBS haben eine sehr starke Wirkung auf die Traumagenese.

Wir unterscheiden bei den Psychotherapien verschiedene Arten von Verfahren. Es gibt zum einen Therapien mit einem recht hohem Expositions-Anteil und dann wiederum auch Therapien in denen deutlich mehr ĂŒber das Denken und die Haltung – also die Folgen des Traumas - gesprochen wird, welche durch das Trauma verĂ€ndert wurden. Die meisten Therapien sind eher eine Mischform aus Beidem.Wir unterscheiden bei den Psychotherapien verschiedene Arten von Verfahren. Es gibt zum einen Therapien mit einem recht hohem Expositions-Anteil und dann wiederum auch Therapien in denen deutlich mehr ĂŒber das Denken und die Haltung – also die Folgen des Traumas – gesprochen wird, welche durch das Trauma verĂ€ndert wurden. Die meisten Therapien sind eher eine Mischform aus Beidem.

Trauma (5) Was verÀndert sich im Gehirn durch die Traumatherapie?

Was verĂ€ndert sich im Gehirn durch die Traumatherapie?Zur Veranschaulichung einer Traumatherapie vergleichen wir jetzt mal sehr grob den Zustand des Gehirns vor und nach einer erfolgreichen Traumatherapie. Ohne eine Traumatherapie ist das GedĂ€chtnis sehr fragmentarischen in einzelne StĂŒcke ungeordnet und unverdrahtet im Gehirn „verspeichert“.

Wenn dann ein Trigger oder ein Reiz durch die „TĂŒr des Bewusstseins“ dem Thalamus hereinkommt, dann gibt es keine Verbindung ĂŒber den Hippocampus – es wurde nicht verlinkt / verbunden mit dem kognitiven damals und dort. In diesem Fall wird das Netzwerk sofort aktiviert. Das Netzwerk feuert, es wird eine starke Angstreaktionen – eine starke körperliche Reaktion geben.

Dieser ganzen Reaktion sind wir aber nicht schutzlos ausgeliefert. Wir haben einen sehr effektiven Gegenspieler gegenĂŒber den unkontrollierten Handlungen der Amygdala – dessen Hilfe wir uns in der Psychotherapie bedienen:

Es ist der Mediale prĂ€frontale Cortex. Wenn man diesem nun ca. 100 bis 300 Millisekunden Zeit gibt, und wir ihn aktiv wissen lassen und wir ihn darĂŒber informieren, dass er nun etwas tun muss, was er wĂ€hrend der Traumatherapie bei praktisch allen Therapieformen lernt. Solange dieser mediale prĂ€frontale Cortex nicht aktiv ist, kann auch nichts passieren und es kommt – wenn ĂŒberhaupt – nur zu einer sehr schwachen Hemmung der Amygdala.Es ist der Mediale prĂ€frontale Cortex. Wenn man diesem nun ca. 100 bis 300 Millisekunden Zeit gibt, und wir ihn aktiv wissen lassen und wir ihn darĂŒber informieren, dass er nun etwas tun muss, was er wĂ€hrend der Traumatherapie bei praktisch allen Therapieformen lernt. Solange dieser mediale prĂ€frontale Cortex nicht aktiv ist, kann auch nichts passieren und es kommt – wenn ĂŒberhaupt – nur zu einer sehr schwachen Hemmung der Amygdala.

Ein Patient nach einer erfolgreichen Traumatherapie erlebt wieder diesen Reiz – der ist ja nicht aus der Welt – aber jetzt hat er einen trainierten Hippocampus – das „kalte GedĂ€chtnis“ und die Dinge sind da, wo sie hingehören
 Sie sind verdrahtet in das kognitive „damals und dort“. Ab hier lĂ€uft die Reaktion dann nicht mehr wie ein Flashback, sondern wie eine GedĂ€chtniserinnerung ab. Der mediale prĂ€frontale Kortex hat jetzt Zeit genug die Amygdala zu hemmen. Ab jetzt kommt es „nur“ noch zu einer traurigen schwachen Erinnerung / kein Flashback mehr. Ist das geschafft, dann haben wir es geschafft 
.

Ich finde, Traumatherapie lohnt sich! Eine Traumafolgestörungen ist nichts wofĂŒr man sich zu schĂ€men ist. Sie ist vielmehr eine ganz normale Verarbeitungsreaktion des Gehirns. Traumata können jedem von uns immer und ĂŒberall passieren. Sie sind absolut kein Beweis dafĂŒr, dass man angeblich wertlos ist oder die Umgebung grenzenlos lebensgefĂ€hrlich. Traumatherapie lohnt sich sowohl fĂŒr Patienten als auch fĂŒr Therapeuten! 

Trauma: Lassen Sie uns miteinander ins GesprÀch kommen. 

Marcus JĂ€hn Werde wieder stark durch CoachingEs sind viele Bereiche, die wir ansprechen können: Angefangen vom Umgang Borderline oder einer anderen belastenden Störung, aber auch ĂŒber Future Faking, Love Bombing und Gaslighting die immer hĂ€ufiger in unsere Gesellschaft zu beobachten sind. 

  • Was ist das eigentlich, eine Persönlichkeitsstörung, ein Perfektionismus, ein Spaltung oder eine GegenĂŒbertragung?
  • Kann ich trotz Borderline oder Narzissmus eine stabile Partnerschaft aufbauen und damit ĂŒber Jahre hinweg leben? 
  • Ist eine Kommunikation mit einem Borderliner möglich? Wie hilft hier die U.M.W.E.G.-Methode©? 
  • Kann ich meine Bindungsangst oder Verlustangst irgendwann einmal kontrollieren?
  • Was kann ich tun, wenn ich mich gerade in einer Trennung befinde, oder kurz davor bin?


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