Schriftzug Marcsu Jähn

Trauma – ein Thema, das uns alle angeht

Titelbild - Das traumatisierte Gehirn - lohnt es sich, sich damit zu befassen?Fast alle großen Impulsgeber sozialer und gesellschaftlicher Veränderungen hatten persönlich mit starken Traumen in ihrem Leben zu tun gehabt.

Mir fallen mir hierbei spontan

      • Nelson Mandela,
      • Martin Luther King
      • Victor Frankl,
      • nicht zuletzt Jesus, Buddha und auch Mohamet und viele weitere ein.

Wenn wir ihre Biografien lesen, können wir erkennen, dass diese leidenschaftlichen Visionäre persönlich mit verheerenden Erlebnissen fertig werden mussten. Aber nicht nur Einzelpersonen ereilte dieses Schicksal! Ganze Gesellschaften konnten wichtige Fortschritte oft nur durch gesellschaftliche Traumata erfahren.

      • Zum Beispiel wurde die Sklaverei durch einen amerikanischen Bürgerkrieg abgeschafft
      • Der Deutschlandrettende Marshallplan war die Folge einer katastrophalen Situation in der sich das Land nach dem Zweiten Weltkrieg befand.

Trauma ist heute das wichtigste Gesundheitsproblem unserer Gesellschaft. Zum Glück wissen wir mittlerweile, wie wir diese effektiv behandeln können. Darum ist es nun an uns, das Wissen hierüber umzusetzen.

Traumata konfrontierten uns aber auch mit unserer Zerbrechlichkeit, mit dem rücksichtslosen Verhalten von Menschen anderen gegenüber. Es zeigt uns aber auf der anderen Seite auch, dass wir Menschen eine außerordentliche Resilienz haben. Frei nach Dostojewski: Der Mensch ist in der Lage, außergewöhnlich viel zu ertragen.

Ich beschäftige mich schon sehr lange mit diesem Thema. Es hat mich seit jeher in seinen Bann gezogen und mich förmlich gezwungen zu erforschen, woher das Gegenteil von Trauma – die Freude, Kreativität, Sinn und Verbundenheit – kommt. All das sind Dinge, die unser Leben lebenswert machen.

Durch meine vielen traumatisierten Gesprächspartner kann ich mir immer besser vorstellen, wie ich selber mit den Situationen umgegangen wäre, die sie erlebt haben. Heute sehe ich ihre Handlungen nicht mehr als ein Symptom, sondern als einen Teil ihrer persönlichen Stärke an. Denn genau wegen dieser inneren Stärke ist es ihnen auch gelungen, zu überleben – und das Wort überleben meine ich hier sehr wörtlich. Des Weiteren fällt mir immer wieder auf, dass trotz ihres Leids, viele von Ihnen in der Lage sind, tolle Eltern und liebevolle Partner zu sein. Aber auch vorbildliche Lehrer, Ärzte, Wissenschaftler und Künstler. 

Ich beobachte mit großer Zufriedenheit, dass wir langsam aber sicher auf dem Weg dazu sind, eine traumabewusste Gesellschaft zu werden. Denn fast täglich erhalten wir neue Studien über traumabasierte Beeinträchtigungen von Geist, Körper und Gehirn. Viele Studien wie z.B. die seit 1990 angewandte ACE – Studie aus Amerika zeigen, wie Misshandlung, Missbrauch und alle Formen der Kindesvernachlässigung  das Gesundheitsverhalten negativ beeinflussen. 

James Heckmann der im Jahr 2000 den Wirtschafts–Nobelpreis für die Entwicklung von Theorien und Methoden zur Analyse selektiver Stichproben erhielt – konnte nachweisen, dass frühe Interventionen bei Kindern aus problematischen und wirtschaftlich schlecht gestellten Familien, später dem Staat gewaltige Kosten einsparen. Er berechnete in seiner Kosten-Nutzen-Analyse, dass jeder eingesetzte Dollar in einem Vorschulprogramm einen gesellschaftlichen Nutzen von 16 Dollar erzeugte. Den größten Anteil davon machen die Einsparungen durch niedrigere Kriminalität und höhere Steuereinnahmen aufgrund mehr Einkommen und weniger Bedarf an sozialen Leistungen aus.

Es macht Mut, dass sich immer mehr Berufsgruppen wie z.B. Ärzte, Sozialarbeiter, Psychotherapeuten, Politiker, Lehrer, Meditations-Lehrer und nicht zuletzt Polizeibeamte diesem Thema weiter positiv öffnen. 

(1.) positive Nachrichten aus der Forschung.

Fortschritte in der Neurowissenschaft – sie begann bereits vor Aristoteles (384 – 322 v.u.Z.) – konnten uns ein immer besseres Verständnis darüber vermitteln, wie sich Traumata negativ sowohl auf die Gehirnentwicklung, die Selbstregulation und auch die zwischenmenschliche Fähigkeit mit sich und andere in Einklang zu kommen auswirken.

Durch komplizierte Neuroimaging Verfahren – die Geschichte der Bildgebung des zentralen Nervensystems begann mit dem italienischen Neurowissenschaftler Angelo Mosso (1846 – 1910) – können wir erkennen, wie und wo eine PTBS im Gehirn entsteht. Wir können immer besser verstehen, warum sich traumatisierte Menschen durch Geräusche und Lichteffekte gestört fühlen. Weshalb sie manchmal Wutanfälle bekommen und sich selbst bei kleinsten Provokationen zurückziehen. Wir wissen auch, wie bestimmte Ereignisse im Laufe eines Lebens, sowohl die Struktur aber auch die Funktion des Gehirns und auch der Gene verändern können, die dann an die nachfolgende Generation weitergegeben werden kann. Siehe hierzu den Versuch der Wissenschaftler Dias und Kessler aus dem Jahre 2014 mit der Weitergabe von Informationen nachweislich bis in die 5. Generation hinein. Und wenn wir diese Prozesse allmählich immer besserverstehen, dann können wir auch wirksame Therapien zur Selbstregulation, Selbstwahrnehmung und Achtsamkeit entwickeln.

Wir wissen inzwischen immer mehr über Trauma. Nicht nur wie es zu behandeln ist, sondern auch darüber, wie wir seine Entstehung von Anfang an verhindern können – siehe dazu die Selbsterfahrung durch einen Verkehrsunfall von Peter Levine, welche ich in meinem Video „Trauma ist eine Handlungsohnmacht“ beschrieben habe.

Trotz alledem ist nicht alles Gold, was glänzt. 

(2.) Negative Umstände in der Gesellschaft erschweren die Traumabehandlung.

Allein im Jahr 2021 haben sich in Deutschland fast 200 junge Menschen unter 20 Jahren (die Dunkelziffer wird deutlich höher sein) das Leben genommen, weil ihnen das Leben keine Perspektive mehr hat geben können. Das macht mich persönlich sehr betroffen, wütend und lässt mich hin und wieder auch verzweifeln. Dasselbe empfinde ich, wenn in unserer Politik an allen Ecken und Kanten gekürzt wird, besonders an Dingen, welche eigentlich für die Entwicklung von Kindern wichtig wären. Da wären wir wieder bei James Heckmann und der faszinierenden 1 zu 16 Berechnung. 

Wir liegen mit einem Marktanteil von 4,2% auf Platz 5 der größten Waffenexporteure. Waffen, die einzig und allein nur dazu dienen, so viele Menschen wie möglich zu verstümmeln oder zu töten. 
Wir dulden das eine erschreckend hohe Zahl an Menschen in unserem Land, sowohl ihr Leben als auch unsere Ressourcen in Gefängnis vergeuden. 2018 waren in deutschen Gefängnissen noch knapp 59.000 Menschen inhaftiert. Sie kosten täglich fast 200,- Euro und 2022 entstanden dadurch Kosten von mehr als 1 Milliarde Euro. 
All dies zeigt, dass wir uns immer noch auf einem langen Weg befinden… Aber solange wir diesen Weg gehen, ist er nicht umsonst.

Ich kann auch nicht bei einem Marathonlauf nach einem Schritt erwarten im Ziel anzukommen… Ich muss mindestens 40.000 Schritte vorher gegangen / gelaufen sein.

Das Thema Trauma wird auch dadurch unnötig verkompliziert, weil wir uns in den Diskussionen über PTBS, immer noch auf das Ereignis-Trauma und damit auf die Ereignis–PTBS konzentrieren. Damit ist der einzelne Unfall, der Soldat mit seinen fürchterlichen Erlebnissen oder andere einzelne Ereignisse gemeint, die man im Nachhinein genau benennen kann. Aber das Thema Trauma ist viel viel umfassender! Trauma entsteht auch aus einem Entwicklungstrauma!

Trauma bedeutet nicht umsonst Handlungsohnmacht. Es umfasst auch gesundheitliche Probleme, die das Leben deutlich stärker als Unfälle oder Krieg gefährden können.

Ich denke hier zum Beispiel an die Gewalt in den Familien. Gewalt beginnt nicht erst mit schlagen! Beschimpfungen, Belästigungen, Bedrohungen und Stalking durch den Partner sind immer häufiger zu beobachtende Formen von Gewalt. In Deutschland wird jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben das Opfer von körperlicher und – oder sexualisierter Gewalt. Fast jede vierte Frau wird mindestens einmal Opfer durch Ihren aktuellen oder einen früheren „Partner“.

Mädchen und Frauen mit Behinderung erleben bis zu zwei / dreimal häufiger die Gewalt als der Rest der Bevölkerung. Und fast die Hälfte der behinderten Frauen hat sexuelle Gewalt in ihrer Kindheit, in der Jugend oder als Erwachsene erlebt. In Deutschland wurden 2022 insgesamt über 157.000 Menschen Opfer von Partnerschaftsgewalt – das Wort Partnerschaft lasst mich hier erschaudern. Zwar sind in dieser Zahl auch Männer aufgeführt, aber in vier von fünf Fällen ist nach der polizeilichen Kriminalstatistik eine Frau hiervon betroffen. Und dass auch hier die Dunkelziffer weit höher ist, liegt auf der Hand.

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: jede elfte erwerbstätige Person hat in den vergangenen drei Jahren sexuelle Belästigung und Gewalt am Arbeitsplatz erlebt. Sexualisierte Gewalt ist in unserer gesamten Gesellschaft weit verbreitet. Nach repräsentativen Befragungen erleben zwei von drei Frauen in ihrem Leben sexuelle Belästigung. Jede siebte Frau wird das Opfer schwerer sexualsexualisierter Gewalt. Und wieder einmal sind Frauen mit einer Behinderung zwei bis dreimal häufiger betroffen als Frauen ohne Behinderung.

Das Ende ist noch lange nicht in Sicht wenn wir Themen wie digitale Gewalt, Stalking, Mobbing, Gewalt im Namen der Ehre, Zwangsverheiratung, Genitalverstümmelung und Menschenhandel mit aufnehmen würden. All das zeigt, dass das Thema Trauma in unserer Gesellschaft immer noch wichtig ist und wir unseren gemeinsamen Fokus darauf legen sollten.

Ist die Politik hieran schuld? Nun, was soll man dazu sagen,

      • wenn in unserer heutigen Welt mehr die Postleitzahl, als meine DNS darüber entscheidet, ob ich ein Leben in Sicherheit oder bei guter Gesundheit führen kann … 
      • Wenn mein Einkommen, meine Familienstruktur, die Wohnsituation, oder meine beruflichen Chancen ein Trauma eher begünstigen als es zu verhindern ….
      • Wenn Armut, Arbeitslosigkeit, schlechte Schulen, soziale Isolation, die gewaltige Verbreitung von Schusswaffen das Entstehen von Traumata begünstig … dann muss darüber zumindest einmal nachgedacht werden. 

Und ist ein Trauma erst einmal entstanden, werden dadurch weitere Traumata gefördert. Verletzte Menschen verletzen andere Menschen nun mal häufiger. All das sind Themen, die auch unsere Politik betreffen. Denn was bedeutet das Wort Politik nicht weniger als „das Zusammenleben Vieler“? Das griechische Wort „Polis“ heißt übersetzt: „Dinge, welche die Stadt betreffen“. Und das Wort Stadt kommt aus dem althochdeutschen Wort „Stat“ und bedeutet: „Wohnort vieler Menschen“. 

(3.) Ubuntu – oder wie wir von Afrika lernen können, unser Verhalten zu verändern.

Ubuntu ist ein Wort aus der Zulu Sprache und bedeutet Menschlichkeit… Zulu sprechen heute circa 15 Millionen Menschen und die in Südafrika leben. Es bezeichnet nichts weniger als eine Lebensphilosophie, die im Alltag aufgrund alter afrikanischer Überlieferungen heraus praktiziert wird. Mit dem Begriff Ubuntu wird eine Grundhaltung bezeichnet, die sich vor allem

      • auf wechselseitigen Respekt und gegenseitige Anerkennung,
      • Beachtung der gegenseitigen Würde
      • und auf ein Streben nach einer harmonischen und friedlichen Gesellschaft stützt.

Ein ganz wichtiger Aspekt in dieser Philosophie ist das Teilen der persönlichen Mittel. Denn schon in der Bibel steht, dass das Geben beglückender ist als nehmen und damit alles Menschliche verbindet. Sowohl die Gemeinschaft als auch die eigene Persönlichkeit stehen in der Ubuntu–Philosophie in einer sehr engen Beziehung zueinander. Sogar das südafrikanische Verfassungsgericht versucht, diesen afrikanischen Kulturwert in der südafrikanischen Verfassung mit einzubeziehen.

Was hat es mit dem Thema Trauma zu tun? Nun, wir alle sind soziale Wesen. Und wie Stephen Porges in der Polyvagal-Theorie bereits deutlich gezeigt hat, bevorzugt unser Gehirn ein gemeinsames Miteinander. Dieses gemeinsame Miteinander durch Arbeiten und Spielen wird durch ein Trauma vehement unterbrochen. Alles, unser gesamtes soziales Engagement, unsere Kooperation mit anderen, unser Geben und Nehmen und unsere Hinwendung anderen Menschen gegenüber, kommt hierbei zum Stillstand.

Und was ist die Folge davon? Viele psychische Probleme – wie zum Beispiel die Drogenabhängigkeit – entstehen, weil Menschen hierdurch versuchen, ersatzweise mit ihren Emotionen fertig zu werden, da sie die Trennung von anderen Menschen als Ohnmacht empfinden. Besonders in Zeiten der Corona-Pandemie ist der Drogenkonsum weltweit angestiegen.

Aber gerade die Organisationen, welche sich vordringlich um traumatisierte Menschen kümmern sollten, lassen das System des emotionalen Engagements (was die eigentliche Grundlage unseres Seins ausmacht), viel zu häufig unbeachtet. Sie behandeln stattdessen ausschließlich Symptome indem sie versuchen, dysfunktionales Denken zu korrigieren, oder unangenehme Emotionen und störende Verhaltensweisen zu unterdrücken. 

Fakt ist jedoch, dass wir Menschen in jedem Lebensalter lernen können, unser Verhalten zu beeinflussen und auch zu verändern. Solch eine Veränderung geht aber nur dann, wenn wir uns sicher fühlen, in der Lage zu sein an neuen Lösungswegen in aller Ruhe zu experimentieren. Leider ist dem in den meisten Fällen nicht so. Dies schlägt sich dann auf unseren Körper nieder und unser Körper vergisst nichts, aber auch gar nichts! Um diesem Körpertrauma etwas wirksam entgegenzusetzen – um ihm damit aus dem Kampf–Flucht–Modus herauszuhelfen, müssen wir die Wahrnehmung der Betroffenen neu organisieren und sie in ihrem Umgang mit anderen Menschen unterstützen. 

Und das geht recht einfach. Denn wenn uns das wohl traumatisierter Kinder wirklich am Herzen liegt, dann sollten wir aufhören, die schulischen Aktivitäten einzuschränken, die genau solche Ziele im Fokus haben:

      • Sport, Singen, Pausen
      • Praktisch alles was irgendwie mit Bewegung, Spiel und Aktivitäten, welche Kindern Freude bereiten, verbunden sind.

Leider haben auch der Berufszweig der Psychologen und Psychotherapeuten in den vergangenen Jahrzehnten die Probleme traumatisierter Kinder und Erwachsener durch ihre Ratschläge oft eher vergrößert, anstatt diese zu therapieren. Spontan fällt mir die unsägliche Theorie auf, kleine Säuglinge lieber schreien zu lassen, damit sie durch das  „Sich-müde-schreien“ einschlafen. „Jedes Kind kann schlafen lernen“ war mal ein berühmter Titel eines Buches. Das stimmt! Das Kind braucht dafür aber die körperliche Bindung zu seinen Eltern im ersten Lebensjahr.

Ein anderes Problem ist, dass viele Psychologen und Psychiater ihre Patienten heute wie an einem Fließband abfertigen müssen, weil sie sich aufgrund des enormen Kostendrucks für ihre Patienten kaum mehr als 15 bis 20 Minuten Zeit nehmen können. Dadurch bleibt ihnen fast nichts anderes mehr übrig, als gegen die traumatischen Symptome wie Schmerz, Angst oder Depression, Psychopharmaka zu verschreiben.

Dadurch wird aber ein neues Problem ausgelöst: Was für eine Botschaft steckt denn dahinter, wenn vorwiegend Tabletten verschreiben werden? „Überlasse die Problemlösung lieber mir, deinem Therapeuten. Versuche es besser nicht auf eigene Faust. Versuche nicht, durch eigenes Handeln selber aus deiner Misere herauszukommen. Mach lieber was ich (!) dir sage. Nimm dieses Mittel und komm regelmäßig wieder. Am Schluss kommt dann noch der salbungsvolle Ratschlag Alkohol und Drogen besser zu meiden. Durch solche Kurzbehandlungen werden Patienten nie wirklich in der Lage sein, Selbstfürsorge und Self–Leadership in ihrem Leben anzuwenden.

Die Strategie der massiven Verschreibung von Schmerzmitteln hinterlässt noch ein weiteres Problem: Hierdurch kommen in unserem Land aktuell mehr Menschen ums Leben als durch Schießereien oder Unfälle.

      • 500 Tote jährlich allein durch Psychopharmaka.
      • Schätzungen zufolge sterben in Deutschland jedes Jahr zwischen 16.000 und 58.000 Menschen durch die tödlichen Nebenwirkungen von Arzneimitteln.

Im Vergleich dazu starben im Jahr 2022 weniger als 3000 Menschen im Verkehr (Autoverkehr) und durch Schusswaffen im Jahr 2021: 826 Menschen. Dieser zunehmende Einsatz von Medikamenten wird der realen Situation und dem Thema „Trauma“ nicht im Geringsten gerecht!

Und die Fragen nach einer Lösung bleiben ungelöst weiterhin bestehen:

      • Womit helfen sich die Patienten wirklich ?
      • Welche inneren und äußeren Ressourcen stehen Ihnen zur Verfügung?
      • Was kann ihnen helfen, sich zu beruhigen?
      • Wie können sie eine Beziehung zu ihrem Körper aufbauen?
      • Was können sie tun, um ihr körperliches Wohl, ihre Vitalität aufzubauen und ihre innere Entspannung zu fördern.
      • Sind Sie überhaupt zu lebendigen Beziehungen mit anderen Menschen  in der Lage?
      • Wer kennt und liebt sie wirklich und kümmert sich um sie wenn sie Hilfe benötigen?
      • Auf wen können sich im Ernstfall verlassen, wenn sie Angst haben?
      • Und spielen Sie im Leben anderer überhaupt eine Rolle?

All diese Fragen sind Themenbereiche, welche die Pharmaindustrie nicht bedienen kann. Darum möchte ich meinen persönlichen Lösungsansatz für eine künftige Gesellschaft mit weniger Trauma vorstellen:

(4.) Die eigentliche Lösung liegt bei unseren Kindern

4.1. Missbrauch und Vernachlässigung

Ich bin zu tiefst davon überzeugt, dass die beste Lösung für unsere traumatisierte Gesellschaft darin liegt, wenn wir uns voll und ganz auf die Bedürfnisse von Kindern konzentrieren. Was würde sich nicht alles ändern, wenn unsere Kinder endlich die Möglichkeit bekämen, eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung in Anspruch zu nehmen, der auch ihre Eltern vertrauen können, wenn sie ihrer Arbeit oder ihrem Studium nachgehen? Was würde sich in unserem Schulsystem nicht alles ändern, wenn es gute Kindergärten und Vorschulen gäbe, in denen nicht nur reines Wissen, sondern vielmehr das Miteinander, die Selbstregulation und Konzentrationsfähigkeit gefördert wird?

Und mit Konzentration meine ich nicht die Konzentration um eine Prüfung zu bestehen, nein! Es ist die Konzentration, die einer natürlichen Neugierde folgt. Die dem Wunsch, etwas Gutes zu Leisten nachgeht, anstatt sich wegen Hoffnungslosigkeit, Angst und Übererregung innerlich zu verschließen.

Wenn du dir kleine Kindern einmal anschaust, die ein selbstgemaltes Bild hochhalten, dann kannst du förmlich den Stolz in ihren Augen sehen. „Schaut nur, was für ein tolles Kind ich bin und was für ein tolles Bild ich hier gemalt habe. Wollt ihr nicht zu mir kommen und mit mir spielen?“ Wir alle – egal ob klein ob groß – brauchen solch ein Selbstvertrauen. Besonders aber unsere Kinder. Sie brauchen dieses Vertrauen darauf, dass andere uns kennen, uns bestätigen und unseren Wert schätzen. Ohne solche eine Zuwendung und ohne dieses „Gesehen werden“, können wir gar kein eigenständiges Handeln erlernen, dass uns dann in unserem Leben hilft zu sagen: „Daran glaube ich, dafür stehe ich ein, dafür werde ich mich einsetzen.“

Solange wir uns von anderen Menschen sicher gehalten fühlen, können wir die höchsten Berge, die trockensten Wüsten durchqueren. Wir bleiben dann gerne ganze Nächte wach um eine Arbeit zum Abschluss zu bringen. Kinder und Erwachsene tun für Menschen, denen sie vertrauen und deren Meinung Ihnen wichtig ist, einfach alles. Wenn wir uns aber verlassen, wertlos und unsichtbar fühlen, dann spielt nichts mehr von alledem für uns noch irgendeine Rolle. Furcht zerstört Neugierde und Angst das Bedürfnis nach spielerischem Forschen.

Wenn wir uns schon eine gesunde Gesellschaft wünschen, dann müssen wir auch Kindern ermöglichen, ohne Gefahr spielen und lernen zu können. Entwicklung ohne Motivation oder Neugierde ist einfach unmöglich.  Menschen, die sich in einer Gruppe gehalten fühlen, haben kaum das Bedürfnis, ihr Leben durch Drogenkonsum, zu viel Fernsehen zu vergeuden und brauchen sich auch nicht mit Kohlenhydraten vollzustopfen oder andere Menschen anzugreifen. Aber wenn sich nichts von dem, was sie tun, auf ihr Leben positiv auszuwirken scheint, wenn das Gefühl von Ohnmacht und Machtlosigkeit in ihrem Leben Oberhand zu gewinnen scheint, dann werden sie für die kurzfristigen Verlockungen von Drogen, Gangs, extremistischen Religionen und gewaltverherrlichenden politischen Bewegung anfällig.

Die amerikanische ACE–Studie hat über die vergangenen drei Jahrzehnte mehr als deutlich gezeigt, dass Missbrauch und Vernachlässigung von Kindern, die am besten verhinderbaren Ursachen sind gegen

      • psychische Krankheiten,
      • Drogen- und Alkoholmissbrauch
      • Diabetes, Herzkrankheiten, Krebs, Schlaganfällen und Suizid.

4.2. Ausbildung in den Schulen.

Meines Erachtens ist es mit das Wichtigste für traumatisierte, missbrauchte und vernachlässigte Kinder, dass sie in den Schulen eine gute Ausbildung bekommen. Sie müssen dort gesehen und anerkannt werden, wo sie lernen, sich selbst zu regulieren. Dort müssen sie das Gefühl entwickeln können, eigenständig und selbstständig handlungsfähig zu sein.

Schulen sollten in dieser chaotischen Welt ein sicherer Hafen seinDann können Kinder dort lernen, wie ihr Gehirn und ihr eigener Körper funktioniert, wie sie ihre Emotionen verstehen und auch sicher mit ihnen umgehen können. Schulen spielen neben dem Elternhaus eine zentrale Rolle darin, Resilienz zu vermitteln, eine Fähigkeit die essentiell wichtig ist, um mit traumatischen Ereignissen in dieser Welt fertig zu werden. Viele Eltern müssen heutzutage immer länger arbeiten, um sich und ihre Familie zu ernähren. Viele sind auch selber beeinträchtigt, durch eigene Traumata oder Depressionen und können sich darum nicht mehr angemessen um die Bedürfnisse ihrer Kinder kümmern. Darum müssen die Kinder wenigstens in den Schulen Self–Leadership erlernen um dadurch eine innere Kontrolle und eine Überzeugung ihrer eigenen Stärke entwickeln können.

Wie sieht die Realität nun aus? Viele Lehrer sind tatsächlich verblüfft darüber zu erfahren, dass missbrauchte, misshandelte oder vernachlässigte Schüler, jegliches Abweichen von Routinen als gefährlich ansehen und dass die extremen Reaktionen der Betreffenden für gewöhnlich nichts anderes als ein Ausdruck von traumatischem Stress sind. 

Das Ziel in der Traumatherapie ist es nun, die Erkenntnisse der Neurowissenschaft für die Lösung alltägliche Probleme zu nutzen.

Wie das geht? Nun, wollen wir uns zum Beispiel als Lehrer oder Schüler wieder beruhigen? Dann müssen wir Gehirnbereiche aktivieren, die unsere inneren Empfindungen registrieren. Ein Lehrer könnte zum Beispiel zu seinen Schülern sagen: „Sollen wir jetzt ein paarmal tief einatmen? Man kann das kleine Kind (ich spreche jetzt hier von einer Situation im Kindergarten oder in der Grundschule) auch in eine schwere Decke gehüllt in einer Ecke sitzen lassen, während es über Kopfhörer beruhigende Musik hört

Solche sicheren Rückzugsorte helfen den Kindern, sich deutlich schneller zu beruhigen. Wenn das Kind dann später wieder reden kann, dann sollte es lediglich einer einzelnen Person erzählen, was in ihm vor sich geht, bevor es anschließend wieder in die Gruppe zurückkehrt.

Bereits mit drei Jahren können Kinder Seifenblasen produzieren und dadurch lernen, dass sie sich ruhiger und aufmerksamer fühlen, wenn sie ihre Atmung auf sechs Atemzüge pro Minute reduzieren, sich besonders auf das Ausatmen konzentrieren und die Luft über die Oberlippe aus ihrem Körper ausströmen lassen. Ziel dieser und anderer Übungen ist es, sich mit dem eigenen Körper „anzufreunden“ und mit starken, körperlichen Empfindungen umzugehen. Also in eine Assoziation mit dem Körper zu gehen – das Gegenteil von einer Dissoziation.

Wir wissen heute nur zu genau, dass einer der häufigsten Gründe für Drogenkonsum bei Teenagern darin besteht, dass sie die eigenen körperlichen Empfindungen wie Wut, Angst und Hilflosigkeit nicht ertragen können und sich durch Rauschmittel von diesen abzulenken versuchen. 

4.3. Selbstregulation und emotionale Intelligenz.

Selbst die Kinder, die immer wieder durch Hektik und Unruhe schwanken, können die Kunst der Selbstregulation erlernen. Kinder können nicht nur lesen, schreiben und rechnen lernen! Sie sind auch gelehrig im Lernen von

      • sich ihrer selbst bewusst zu werden,
      • sich selbst zu regulieren
      • und auch mit anderen offen zu kommunizieren.

Genauso wie wir Kinder in Geschichte und Geographie unterrichten, genauso müssen wir ihnen auch die Funktionsweise ihres Gehirns und ihres Körpers erklären. Nicht nur Erwachsene, sondern gerade auch unsere Kinder müssen die Kontrolle über sich selbst erlangen, um dadurch mit den Vorgängen in ihrem Inneren vertraut zu werden und zu erkennen, was sie in Angst oder Aufregung versetzt oder was sie erfreut.

Wie wichtig dies ist zeigt mir die Häufigkeit von Fällen, in denen ich mit Menschen spreche, die sich dieser Empfindungen gar nicht mehr bewusst werden. Der Buchtitel des portugiesischen Neurowissenschaftlers Antonio Damasio „Ich fühle, also bin ich“ zeigt deutlich, dass derjenige der sich NICHT (!) mehr selbst fühlt auch kein eigenes Leben führen kann. Emotionale Intelligenz ist hier das Schlüsselwort. Sie beginnt mit der Fähigkeit, die eigenen Gefühle zu identifizieren und sich auf die Emotionen der Menschen in der Umgebung einzulassen. Sie kann recht einfach erlernt werden indem wir uns vor einen Spiegel stellen. In einen Spiegel zu schauen hilft Kindern und Erwachsenen sich darüber klar zu werden, wie man aussieht, wenn man traurig, wütend, gelangweilt oder enttäuscht ist. Die Frage: „Wie fühlst du dich, wenn du so ein Gesicht siehst?“ zeigt, wie andere Menschen uns sehen.

Besonders Kindern sollte früh beigebracht werden,

      • wie ihr wunderbares Gehirn aufgebaut ist,
      • wozu Gefühle gut und wichtig sind und wo diese im Körper zu lokalisieren sind
      • wie sie anderen ihre Gefühle zum Beispiel durch ihre Gesichtsmuskeln zeigen können.

Die Gehirnentwicklung wird dadurch gefördert indem den Kindern beigebracht wird, dass was in ihrem Körper vor sich geht zu erkennen und anschließend auch zu beschreiben. Fühlen Sie ein angespanntes Gefühl im Brustkorb so zeigt dies wahrscheinlich, dass sie nervös sind. Wenn ihre Atmung flach wird, dann fühlen sie sich wohl verkrampft. Wie fühlt sich zum Beispiel „gut“ an was können Sie tun, damit dies etwas länger anhält? Oder was geschieht, wenn sie tief einatmen, Seilspringen, laufen oder auf einen Sandsack einschlagen? Hilft es Ihnen eventuell, wenn sie auf bestimmte Akupressur-Punkte klopfen?

Das alles sind wertvolle Werkzeuge um sowohl Kindern, Lehrern aber auch anderen Betreuungspersonen zu helfen, mit emotionalen Über-Reaktionen besser umzugehen.

Nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene müssen immer wieder erleben, dass es sich lohnt, an der Grenze des eigenen Leistungsvermögens zu arbeiten. Resilienz entsteht durch Handlungsbereitschaft. Es entsteht aber auch durch das Wissen, dass das, was man tut etwas Entscheidendes um uns herum verändern kann. Ich kann Selbstwirksam mein Leben verändern! 

Viele von uns erinnern sich daran, was Teamsportarten, oder das Singen in einem Schulchor damals für sie bedeutete. Besonders wenn unsere Trainer an uns glaubten und uns zu Höchstleistungen anfeuerten. Dies brachte uns bei, dass wir besser sein konnten, als wir es jemals für möglich gehalten haben. Und genau solche Erlebnisse brauchen unsere Kinder mehr denn je!

Sport, Tanz, Theater und musizieren, all das fördert die persönliche Handlungsbereitschaft und den Gemeinsinn. Dadurch werden Kinder mit neuartigen Herausforderungen und ungewohnten Rollen konfrontiert. Dies hilft, Kompromisse einzugehen und fokussiert zu bleiben.

Wie hat dieser Vortrag begonnen? Traumata konfrontieren uns ständig mit unserer Zerbrechlichkeit und mit dem herzlosen Verhalten von Menschen ihren Mitmenschen gegenüber. Traumata konfrontieren uns jedoch auch mit unserer allen zur Verfügung stehenden außerordentlichen Resilienz. Trauma ist und bleibt heute das dringendste Gesundheitsproblem in unserer Gesellschaft! Und weil wie mittlerweile sehr genau wissen, wie wir Traumata effektiv behandeln können, liegt es darum an uns, dass wir unser Wissen effektiv in die Tat umsetzen.

 

Lassen Sie uns miteinander ins Gespräch kommen. 

Marcus Jähn Werde wieder stark durch CoachingEs sind viele Bereiche, die wir ansprechen können: Angefangen vom Umgang Borderline oder einer anderen belastenden Störung, aber auch über Future Faking, Love Bombing und Gaslighting die immer häufiger in unsere Gesellschaft zu beobachten sind. 

  • Was ist das eigentlich, eine Persönlichkeitsstörung, ein Perfektionismus, ein Spaltung oder eine Gegenübertragung?
  • Kann ich trotz Borderline oder Narzissmus eine stabile Partnerschaft aufbauen und damit über Jahre hinweg leben? 
  • Ist eine Kommunikation mit einem Borderliner möglich? Wie hilft hier die U.M.W.E.G.-Methode©? 
  • Kann ich meine Bindungsangst oder Verlustangst irgendwann einmal kontrollieren?
  • Was kann ich tun, wenn ich mich gerade in einer Trennung befinde, oder kurz davor bin?


Ich möchte aber nicht nur über Fragen sprechen, sondern auch praxisgerechte Lösungen anbieten:

  • Eine humorvoll und spielerisch – ja fast tänzerisch – eingesetzte Gewaltfreie Kommunikation in Kombination mit der von mir entwickelten 
  • U.M.W.E.G.-Methode© und nicht zuletzt die Transaktionsanalyse als Sprachkonzept können helfen, auch in schwierigen Situationen noch kühlen Kopf zu bewahren. 

Buchen Sie sich einfach auf meinem Online-Kalender ein Zeitfenster oder nutzen Sie mein klassisches Kontaktformular um mit mir in Verbindung zu treten. Ich freue mich auf Sie. Ihr Marcus

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