Schriftzug Marcsu Jähn

Borderline verstehen – die Regression

Borderline verstehen Regression und Progression Die Regression (das Innere Kind) wird heute immer häufiger genannt. Es ist eines dieser  Konzepte der Psychoanalyse welche zu den Abwehrmechanismen gezählt werden. Fast jeder meint zu wissen, worum es hierbei geht obwohl dieser Begriff recht schwer zu vermitteln ist. Erst wenn man direkt mal eine Regression erfahren hat entweder an sich selbst oder in seiner allernächsten Umgebung kann wirklich verstehen was der einzelne durchmacht. Aber auch erkennen, welche Potenziale und Gefahren in dieser  Regression liegen.

Borderline verstehen Regression und Progression InhaltsübersichtRegression kommt im täglichen Leben sehr häufig vor und dient in den Therapien als Wirkmechanismus. Im lateinischen heißt Regression: umkehren, zurückkehren. Die Regression, wie sie die Psychoanalyse gebraucht, beschreibt nun einen Vorgang: von einem zurückgehen auf frühere und gesicherte Entwicklungsstufen. 
Das hört sich anfänglich etwas schlecht an… Aber die Fähigkeit zur Regression ist sehr wichtig!

Dadurch können wir uns

      • entspannen
      • wir können schlafen
      • das Leben genießen
      • uns fallen lassen und
      • sowohl sexuell, spielerisch als auch kreativ sein.

(1)           Unser ICH – Durch die Regression gestärkt

Um die Regression etwas zu viel besser zu verstehen müssen wir über das ICH sprechen. Dass ICH / die ICH-Leistungen / die ICH-Fähigkeiten sind der Teil unserer Psyche der die Prozesse unseres Denkens und (!) unseres Körpers steuert, sortiert, kontrolliert und lenkt. Das kann bewusst und unbewusst geschehen. Kleine Kinder lernen von Beginn ihres Lebens an, z.B. ihre Körperfunktionen allmählich zu kontrollieren.

  • Das ist nicht nur eine Frage von Muskelkraft
  • sondern jedes Kind muss die Aufgabe (die Stoffwechselprodukte in sich zu halten oder kontrolliert loszulassen) psychisch erreichen und bewältigen.

Von einer ICH-Leistung kann man dann sprechen – wenn das Kind die Fähigkeit entwickelt seinen Körper willentlich zu steuern.  Z.B. bei jedem Toilettengang etwas loszulassen oder ganz bewusst zurück zu halten. Für das kleine Kind ist das eine tolle Erfahrung und bringt es in die nächste Stufe der ich Leistung. 

(2)      Die ICH-Leistung

Was ist das denn, diese sogenannte ICH-Leistung? Þ Alles was von uns eine Kontrolle und eine Entscheidung verlangt, ist eine Aufforderung an unser ICH. Das Ich, die Selbststeuerung können wir bei dem bekannten Modell (Kopf 7 Herz / Bauch) mit dem Herzen in Verbindung bringen. Das Herz ist die Entscheidungsmitte. In der Transaktionsanalyse ist dieser Bereich das „Erwachsenen-Ich.“ Diese so genannten ICH-Leistungen durchziehen sich durch alle Teile unseres Lebens. Sie befähigen uns, mit der Realität – der Außenwelt – vernünftig umzugehen.

Was gehört alles zu der Realität?

  • Eigentlich alles was von einem erwachsenen Menschen verlangt wird.
    • Zum Beispiel dass man willentlich gesteuert zu einer Toilette geht um sein Geschäft dort zu machen und nicht irgendwo.
    • Auch dass man sich nicht überall hin legt wenn man müde ist oder
    • sein Hungergefühl bis zum Abendessen unterdrückt und nicht in ein Nörgeln / Quengeln verfällt.

Ich-Leistungen sind häufig zwiespältig:

    • auf der einen Seite befähigen Sie uns bestimmte Dinge zu tun und bringen uns voran sind also progressive.
    • Andererseits verlangen Sie uns aber auch eine gewisse Leidensfähigkeit ab denn sie benötigen Energie und Anstrengungen.

(3) Was bedeutet Regression?

Nach dem psychoanalytischen Konzeptreihen

  • reihen sich Entwicklungen / Entwicklungsstufen nicht wie ein Zeitstrahl hintereinander auf – indem man zum Beispiel eine Treppenstufe erreicht und dann die nächste.
  • Die psychische Entwicklung fügt sich eher wie Schichten (wie Lack bei einem Auto übereinander. Frühere Schichten werden nur überlagert und verschwinden niemals.

Man nennt es das Prinzip der Gleichzeitigkeit psychischer Entwicklungsstufen. In einer Person stecken immer

    • der Jugendliche,
    • das Kind, und
    • der Erwachsene nebeneinander.
      • Und in jeder neuen Situation stellen Sie unterschiedliche Ansprüche

Kommen wir jetzt in eine neue Situation – welche vielleicht etwas herausfordernd ist – dann greifen Menschen häufig auf Mittel zurück mit den früher (!) bereits ähnliche oder auch neue Situationen bewältigt wurden und mit denen man sich jetzt sicher fühltWichtig ist: er fühlt sich damit sicher! Diese Handlungsweisen müssen nicht funktional / vernünftig sein. Ein Vergleich: Ein Marathonläufer kauft sich neue Schuhe. Er greift bei einem kommenden Marathon vielleicht doch auf den uralten und abgelaufenen Schuh zurück weil der ihm Sicherheit vermittelt obwohl er bei weitem nicht mehr so schützt und stützt wie der vorherige Schuh. Kommen wir auf den Menschen in der Regression zurück: Eine Person greift in Schwellensituationen auf Erfahrungsmomente in der Entwicklung zurück in denen er sich besonders stabil und sicher gefühlt hat.

In der Welt der Psychoanalyse gesprochen, zieht sich ein Teil von dem ICH auf eine zurückliegende, tiefer liegende Ebene der Entwicklung zurück.

  • Das bedeutet: dass ICH gibt einen Teil der erworbenen Fähigkeiten auf. Jedoch mit dem Ziel, um sich zu schützen oder sich in einer schwierigen Situation noch etwas Schönes zu verschaffen.
  • Regression ist eine Form der psychischen Abwehr und wir können das gut mit unserem Immunsystem vergleichen. Eine Abwehr gegen Schwierigkeiten von außen

Regression ist fast immer eine Abwendung von der Realität, oder eine Absage an das Realitätsprinzip.

Für das Realitätsprinzip ist das ICH zuständig: 
(1) Prüfung der Realität: was kommt von Innen und was kommt von außen 
(2) Anpassung an die Forderung der Realität: aufstehen auch wenn man müde ist.

(4) Regression ist Teil unseres täglichen Lebens

Sie kann in bestimmten Situationen auch nicht vermieden werden – wie zum Beispiel beim Schlaf und häufig auch bei unserer Sprache:

  • Im Schlaf ziehe ich mich wie in eine embryonale Stellung zurück, nehme mir eine herrlich warme Bettdecke, wende mich weg von der Realität hin zum Inneren (Traum und Fantasie).
    Dass ICH gibt ein Stück seiner Grundfunktion (die Realitätsprüfung) auf und lässt uns in einen ruhigen Schlaf fallen.
    Schlafstörungen zeigen wiederum deutlich eine Schwäche der gesunden Regression auf. 
  • Bei unserer Sprache: Sich vertraute Paare fallen häufiger in eine Form von Babysprache zurück wenn sie sich gemeinsam sehr wohl fühlen. Dann erinnern Sie sich an die Zeiten, in denen Ihnen ihre eigenen Eltern liebevolle Namen gegeben haben und versuchen durch die eigene Veränderung der Sprache die Emotionalität ein wenig spielerisch (mit einem Augenzwinkern) abzumildern.

(5) Prävalenz / Häufung der Regression

Der Abwehrmechanismus der Regression lässt sich besonders häufig bei Frauen beachten

    • in der Regression sieht man dann häufig eine gepresste, mädchenhafte Tonlage (och und schrill) wenn es um Streit oder Konflikte geht.
    • Das kann das Gefühl der Schutzlosigkeit oder der Minderwertigkeit sein (Stichwort: weiblicher Nazismus)-
    • andererseits aber auch – wie in der Trotzphase – eine Form von Sturheit und Eigenwilligkeit.

Was ist der Vorteil der Regression?

Bei einer funktionierenden Regression schaffe ich mir eine hilfreiche Distanz gegenüber der Realität, und kann dann mit der Realität spielen. Dies wäre dann eine Regression im Dienste des ICH.

Ein weiterer Vorteil: der Rückzug in die Regression dient dem Fortschritt und der eigenen Entwicklungsfähigkeit. Zum Beispiel kann niemand ohne zu schlafen lange überleben. Und es gibt keinen Fortschritt/Reife ohne Genuss, Spiel und Fantasie oder Humor 

(6) Was geschieht, wenn Regression pathologisch wird?

Krankhaft oder Pathologisch (das gegenteil ist physiologisch) wäre zum Beispiel wenn die Regression zu viel oder gar nicht mehr eingesetzt wird um eine schwierige Situation zu bewältigen.

    • Wenn eine erwachsene Frau permanent ein trotziges Mädchen ist
    • Jemand liegt nur noch im Bett und steht nicht mehr auf.
    • Jemand lernt nur noch, hat nie Spaß oder geht dem Schlaf buchstäblich aus dem Weg geht.

Þ Dann ist die Regression außer Kontrolle geraten:

    • In den ersten beiden Fällen überlagert sie praktisch das ganze Leben.
    • Im letzten Beispiel wird sie weitestgehend gemieden.

Alle Menschen sind für sich Individuen. Es gibt Menschen – die haben eine Neigung zur Regression und andere die dies alles lieber vermeiden. Diejenigen, welche die Regression häufig anwenden sind in der Tendenz Personen welche

    • die Ansprüche der Realität in irgendeiner Weise nicht erfüllen können,
    • sich dann von der Realität zurückziehen
    • und diese vermeiden
    • Z.B. indem sie viel schlafen, sich ablenken (durch viel Zeit im Internet oder dauernd auf Partys gehen und viel trinken).
    • Andererseits aber auf eine Versorgung durch andere warten anstatt das Leben aktiv selbst in die Hand zu nehmen und einer strukturierten geregelten Tätigkeit nachzugehen und das eigene Leben aufzuräumen.

Þ Solche Denkmuster sehen wir häufig bei einer depressiven Grundstruktur. Die andere Gruppe von Menschen sind diejenigen, welche die Regression eher vermeiden.

    • Sie betonen die Realitätsanforderung viel deutlicher,
    • geben sich kaum Spielraum für Fantasie,
    • lesen fast nur Sachliteratur.

Solch ein Denkmuster finden wir häufig bei psychosomatischen Erkrankungen wie den Zwangsstörungen.

(7) Unsere Entwicklungsstufen

Unsere Psyche ist – wie gesagt – in Entwicklungsstufen aufgebaut und die unteren Schichten bleiben immer erhalten.

Kommt es zu Konflikten – und werden untere Schichten frei gelegt – fällt man praktisch in frühere Entwicklungsstufen zurück.

Ein Vergleich mit einem kleinen Kind:

Ein kleines Kind hat zum Beispiel in der Zwischenzeit gelernt, seinen Toilettengang zu kontrollierenNun wird das Kind mit einer schwierigen Situation konfrontiert: ein Geschwisterchen wird geboren. So etwas kann in dem ersten Kind große Ängste auslösen – ganz besonders wenn es gerade seine ersten Schritte zu einer Autonomie (z.B. den Stuhlgang) vollzogen hat. 

die Zerrissenheit ist:

    • auf der einen Seite möchte es nicht die Aufmerksamkeit seiner Eltern verlieren wenn es jetzt alles alleine macht
    • Andererseits möchte er die neue Freiheit auch nicht wieder verlieren.

Häufig fallen die älteren Kinder dann in Verhaltensweisen zurück die der neu erworbenen Freiheit gar nicht mehr entsprechen:

    • es lässt sich wieder mehr herum tragen
    • Nuckelt am Daumen oder fordert die Nuckelflasche wieder ein
    • Spricht wie ein Baby
    • Macht – bei stärkerer Angst – nachts wieder ins Bett und gibt die hart erarbeitete Kontrolle über seinen Stuhlgang (Autonomie/Freiheit) wieder auf….

Das Kind regrediert freiwillig ein Stück weit auf eine frühere Entwicklungsstufe zurück – als der Konflikt mit der Realität noch nicht da war. Auf dieser Stufe fühlt es sich dann wieder etwas sicherer um die neue schwierige Situation zu bewältigen.

Und – ähnlich wie in einer Therapie – haben die Eltern dann  die Aufgabe:

– einerseits die alten Versorgungswünsche nicht ganz zu verweigern,

– andererseits aber auch die Freiheitswünsche/Autonomiewünsche des Kindes zu fördern.

(8) Regression in der Therapie

Besonders in der Therapie bedient man sich häufig der Regression.

    • Sie spielt eine zentrale Rolle in der Therapie
    • und das ganz besonders darum weil Patienten häufig eine Therapie aufsuchen wenn sie mit der Regression in der ein oder anderen Weise ihre eigenen Schwierigkeiten haben

Während der Therapie muss ich der Therapeut dann immer wieder fragen,

    • ob er mit dem Patienten eher stützend arbeitet (also in eine Progression geht) und seine Fähigkeiten versucht zu stärken
    • oder zuerst eher regressionsfördernd arbeitet und sich den Patienten ermuntert sich fallen zu lassen.

Ein Arbeiten in der Regression ist aber oft notwendig

      • damit ein Patient mit seinen inneren Themen überhaupt in Berührung kommen kann (welche er oft ausgeblendet hat)
      • um darüber dann erst wieder die Möglichkeit zu haben in eine Progression/eine Entwicklung zu gehen.

So ist eine vernünftige Therapie immer ein Wechsel zwischen Progression und Regression.

Das Beispiel könnte so aussehen: Da ist ein Kind – dessen Eltern seine Versorgungswünsche ignorieren -und von ihm sehr viel Autonomie, freies Arbeiten/Denken verlangen.

Nehmen wir weiter an, die Eltern geben keinen guten Ausgleich zwischen den haltenden Wünschen (regressive Wünschen) und der Förderung der kindlichen Autonomie.

Das kann zum Beispiel geschehen wenn ein zweites Baby in der Familie kommt und dem älteren Kind nun die Rolle zu geschoben wird, „du musst jetzt der Vernünftige sein.“

Das ältere Kind spürt, dass seine Eltern mit ihm besonders dann zufrieden sind, wenn es ihre (!) Wünsche nach Selbstständigkeit erfüllt. Die Folge: Es passt sich an!

Und das geschieht häufig so gut dass es auch in Zukunft eigenständig versucht – auch unausgesprochene Leistungsansprüche der Eltern – immer zu erfüllen. Logischerweise geht dies alles nur auf Kosten der Fähigkeit

    • sich auch einmal in der Regression fallen zu lassen,
    • fantasieren träumen und
    • auch der Kreativität. „Denn man muss ja immer fertige Leistungen bringen.“

Nur,  durch Regression wird ein Mensch erst so richtig kreativ.

Häufig kommt solch ein junger Erwachsener dann später zur Therapie weil er in seiner Kernfunktion (seinen Studienleistung) auf einmal fürchterlich einbricht und psychosomatische Symptome bekommt.

Eine vernünftige und stützende Therapie wird dann darauf abzielen, seine eigentlichen Fähigkeiten wieder zu aktivieren.

Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten

    • Man könnte z.B. einen besseren Tages- und Lernplan ausarbeiten
    • Eine neue Verhältnismäßigkeit zwischen Freizeit und Lernen erarbeiten
    • Den Selbstwert/den realistischen Blick auf sich selbst stärken (Viktor Frankl: Der Selbstwert ist immer der gesunde Blick auf das was realistisch vorhanden ist).
    • Das Anspruchsdenken des Patienten in Ruhe vom Therapeuten reflektieren

(9) Schwierigkeiten in der Regressions–Therapie

 

(1) zu starke ICH – Konflikte

Sind die Konflikte des Patienten mit der Realität so stark, dass diese Konflikte zu viel Energie abziehen und es ihm an Kraft zu einer Umsetzung fehlt, obwohl er in einer Regression sich etwas entspannen kann,

Þ dann helfen alle Appelle zur Stärkung des ICH´s nicht weiter.

(2) zu starke Anpassungsneigungen.

Die Regression dient ja dazu, dass der Patient durch ein „Luftholen“ Kraft bekommt, sich auf neue Situationen besser einzustellen.

Problematisch wird es aber, wenn das ICH des Patienten grundsätzlich eine starre Neigung zur Anpassung hat.

Der Patient ist dann im Therapieverlauf immer wieder gewohnt, sich anzupassen und zu funktionieren.

    • Mit der Gefahr dass die eigentlichen Probleme – trotz Entspannung in der Regression – unbearbeitet bleiben. Dann aber später umso stärker neu über dem Patienten herein brechen.

Um einem Zuviel oder Zuwenig entgegen zu treten, bedient man sich verschiedener Therapiemöglichkeiten um die regressiven Prozesse zu regulieren oder zu fördern.

Solche Techniken unterscheiden sich zum Beispiel durch:

    • die Art und Weise wie der Therapeut seine Deutungen gibt
    • Durch zum Beispiel eine stärkere Zurückhaltung des Therapeuten die Regression fördern. Weniger direkte Interaktionen, ein stärkeres Nachklingen und längere Stille können die Regression fördern

(10)     Maligne vs. Benigne Regression

Eine Regression kann den Patienten jedoch auch überfordern.

    • Besteht die Innenwelt einer Person vorwiegend aus Chaos oder vernichtenden Gedanken und
    • befindet sich dass ich ICH einem Zustand der Auflösung und
    • hat die Person Schwierigkeiten mit der Anpassung an die Realität

kommt es sehr häufig zu einer Überforderung und ist dadurch kontraproduktiv

Dies sehen wir am häufigsten bei einem Borderliner.

In solchen Fällen droht das, was der Psychoanalytiker eine maligne Regression nennt – also eine Form der Regression die wirklich nicht entwicklungsfördernd wirkt sondern eher zerstörerisch.

Das Gegenteil zu der maligne Regression ist die benigne Regression

Im Falle eine malignen Regression

    • wird der Patient häufig so überfordert
      • dass sich der Patient massiv von der Realität abgekapselt und der Therapeut ihn nicht mehr erreichen kann.
      • In ganz ganz extremen Fällen kann der Patient kompensieren (Die Kompensation ist die Fähigkeit, auftretende Symptome durch weitere Hilfsmittel als nur der Verdrängung zu verhindern.,
      • psychotisch werden oder
      • – im schlimmsten Falle – sich Suizidieren.

Diese Gefahr ist real und darum wird ein Therapeut sehr früh solche Dynamiken einer malignen Regression unterbinden und sofort den Rahmen logischerweise der Therapie wechseln.

Diese Gefahr ist aber zum Glück auch selten. Denn besonders der Patient wird durch eine Rahmenbedingung – die ihn überfordert – selbst schnell auf eine andere wechseln wollen.

Wirklich zum Glück ist unsere Psyche ein Lebenskünstler und kann sich in kritischen Erfahrungen häufig auf gute Erfahrungen zurück besinnen.

Die Benigne Regression

 

Man könnte jetzt denken, die benigne Regression wäre gemütlich und total einfach.

Aber häufig passiert auch hier genau das Gegenteil.

Sie heißt nur deshalb benigne Regression weil ihre Folgen gut sind in der Progression. (gutartiger und bösartiger Tumor werden mit dem Begriff Benigner und Maligner Tumor beschrieben). Aber Wachstum bedeutet oftmals auch Schmerzen.

Auch bei einer benignen Regression entfalten sich teilweise sehr schmerzvolle regressive Dynamiken.

Wird der Patient in der regressiven Phase mit seinen Problemen konfrontiert

– kann es zu starken Schamgefühlen, Ohnmacht, Gefühlen der Minderwertigkeit, der existenziellen Angst vor Liebesverlust kommen.

(„Nur wenn man etwas leistet dann ist man auch liebenswert“ – das Leitmotiv eines Perfektionisten).

All das Besprochene zusammen gefasst, sind für sich Gründe, warum es vielen Patienten häufig schwer fällt sich in eine kindliche Regression fallen zu lassen. „Lieber die Augen weg drehen als sich den Problemen stellen“

.

Es ist die Aufgabe des Therapeuten

    • mit dem Patienten eine gute Verbindung zu geben,
    • ihm eine Sicherheit in der Beziehung zu schenken und damit
    • einen neuen Entwicklungsraum zu eröffnen der
      • abseits von jeglichen Abwehrmechanismen liegt

um ihm dann zu helfen das Stück Freiheit zu bekommen was er sich schon immer gewünscht hat

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