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Borderline

Borderline und das Helfersyndrom

Ein PlĂ€doyer fĂŒr die humanistische Therapie 

Borderline: Ist das Thema wirklich ernst gemeint?
⇒ Borderliner und Helfersyndrom?

Man mag schon daran zweifeln. Denn wenn man sich die Kriterien fĂŒr eine Borderliner-Persönlichkeitsstörung anschaut (rechte Spalte / Quelle DSM 5) und sich in Erinnerung ruft, mit welche harten Beschreibungen die Menschen beschrieben werden

      • bitterböse Borderliner
      • toxische Menschen
      • Kotzbrocken

dann kann schon das eine oder andere Fragezeichen entstehen.

Mit diesem Blog möchte ich aber auf eine andere, vielen sehr unbekannte Seite der BPS (Borderline-Persönlichkeitsstörung) hinweisen: die helfende Seite.

Wie wir im weiteren Verlaufe aber sehen werden, ist diese nicht nur positiv fĂŒr den Patienten und seine Umgebung, sondern birgt auch große Gefahren.

Die Kriterien von Borderline: Borderline ist eine Krankheit, welche genau definiert und von anderen Krankheiten abgegrenzt werden kann. Darum möchte ich diese Kriterien auf der linken Seite nochmals aufzeigen. Diese Kategorien findest Du in dem ICD (dem internationalen Katalog fĂŒr Krankheiten, herausgegeben von der WHO) unter der Bezeichnung F60.31. Es mĂŒssen 5 dieser 9 Kriterien erfĂŒllt sein um von einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) zu sprechen.

Ursprung dieses Blogs sind Antworten von BPS Patienten auf Fragen aus dem DIB, dem Diagnostischen Interview fĂŒr das Borderlinesyndrom. 

Auszugsweise möchte ich hier einmal 2 Fragen zitieren, welche von Borderline-Patienten ĂŒberdurchschnittlich bejahend beantwortet werden:

    1. “Neigen Sie dazu, sich um Tiere / Menschen welche sich in Problemen befinden, sorgen zu machen?”
    2. “Versuchen Sie aktiv, sich um andere zu kĂŒmmern?” 

Solche Fragen enthalten auf den ersten Blick nichts Schlimmes. Ja, man könnte zuerst denken, dass diejenigen welche diese Fragen mit Ja beantworten, willkommene Bewerber fĂŒr Pflegende Berufe wĂ€ren. 

Helfen ist ein positives und sozial angesehenes Merkmal von Menschen.
Helfen ist aber auch ein diagnostisches Kriterium fĂŒr die BPS, die Borderline-Persönlichkeitsstörung! 

Auf den ersten Blick mag dies nun widersprĂŒchlich klingen, jedoch möchte ich im weiteren Verlauf etwas Licht in das Dunkel dieser Behauptung bringen. 

Studien und Beobachtungen aus der Praxis haben nĂ€mlich deutlich gezeigt, das Borderline-Patienten ausgesprochen gerne und oft ihren Mitpatienten in einer Klinik und im tĂ€glichen Leben helfen – sich selbst helfen sie sich jedoch selten!

Diese Gefahr, zuviel fĂŒr andere und zu wenig fĂŒr sich selbst zu tun,, beobachtet man auch bei der anderen Gruppe der BPS-Behandlung: den Therapeuten, Pflegern, Ärzten ect. Dies ist ein spannender Gedanke und wird spĂ€ter noch nĂ€her betrachtet. 

Borderline: Ist ein Borderliner besonders geeignet, anderen zu helfen?

Nein! Dieses klare “Nein” hat 2 GrĂŒnde:

    1. Die enorm hohe Belastung durch das professionelle Helfen
    2. Es ist notwendig, stets die technische NeutralitÀt einzuhalten. Und gerade hier liegt ein Kernproblem bei der BPS. 
      Wenn wir uns weiter oben nochmals die 9 Kriterien fĂŒr die BPS ansehen, dann liegt es auf der Hand dass die InstabilitĂ€t, die IdentitĂ€tsstörung und besonders die ImpulsivitĂ€t das Helfersyndrom des BPS-Patienten in seiner Wirksamkeit völlig untergraben. 

Borderline Therapie: Welche Eigenschaften sollte ein Therapeut haben?

Interessant ist, wie Borderline-Patienten (!) diese Frage beantwortet haben. 

    • (1) Welche Eigenschaften sollte er NICHT haben?
      • Arrogant, ignorant, desintereessiert, egoistisch, eingebildet, unkonzentriert, faul, anbedernd / schleimig, parteiisch, zu nett….
    • (2) Welche Eigenschaften sollte er haben?
      • ehrlich, einfĂŒhlsam, konkret, Kompetenz, ausdauernd, humorvoll, streng, unterstĂŒtzend, konstruktiv, konfliktbereit, trennen können zwischen Beruf und Privat.

Diese AufzĂ€hlung – wohlgemerkt direkt von befragten Borderliner-Patienten – Ă€hnelt der von professionellen Therapeuten verschiedener Schulrichtungen. 

Wir kennen die unterschiedlichen therapeutischen Schulrichtungen welche alle sich mit dem PhĂ€nomen der BPS intensiv auseinander setzen. Da ist zum Einen die DBT (Dialektisch behaviorale Therapie) und auch die TFP (Die Übertragungsfokussierte Psychotherapie) 
Weitere sind die kognitive Verhaltenstherapie, die Psychoanalyse und die humanistische Tradition. 

All diese Richtungen haben aber auch Forderungen an die FĂ€higkeiten der Therapeuten und diese decken sich mit den Angaben / den WĂŒnschen der Borderliner-Patienten an ihre Therapeuten:

      1. Emotional prĂ€sent sein – bis hin zur kontrollierenden Dominanz 
      2. Sie halten die Kontrolle ĂŒber die Therapie aufrecht
      3. Sie fördern einen ehrlichen Affektausdruck  beim Patienten
      4. sind hartnÀckig wenn es um das Herausarbeiten von Verhaltensmustern geht
      5. lassen sich nicht ablenken wenn der Patient Verwirren und Vernebeln möchte
      6. muten sich und dem Patienten einiges an Konfrontation zu. “Beide sind keine Opfer”
      7. haben ein hohes Maß an Interesse am Patienten
      8. Sind nicht rigide
      9. Können MachtkÀmpfe stehts aus der Meta-Ebene heraus betrachten und kommentieren
      10. haben einen guten Sinn fĂŒr Witz und Humor und setzen diesen auch gewinnbringend in der Therapie mit ein.

Die obigen Eigenschaften leiten sich von einem dielaktischen GrundverstÀndnis der therapeutischen Beziehung her. 
Hier werden scheinbare GegensÀtze wie die Folgenden in eine ausgeglichene Balance gebracht: 

      • Annehmen des Patienten aber auch VerĂ€nderungsorientierung
      • StĂŒtzen und trotzdem Fordern
      • StabilitĂ€t und andererseits FlexibilitĂ€t 

Borderline: Gefahren durch das “Helfersyndrom”

In der Praxis beobachtet man, dass sich viele Borderliner-Patienten wĂ€hrend einer eigenen Therapie aufopferungsvoll um andere Mitpatienten kĂŒmmern. HĂ€ufig geschieht dies sogar recht effektiv – fast schon besser als durch den Therapeuten selber. 

      • Sie trösten, stĂŒtzen einander und geben anderen Schutz. Diese positiven Folgen des Helfens möchte ich nicht unter den Tisch kehren oder gering schĂ€tzen.

So toll sich dies anfĂ€nglich auch anfĂŒhlt, dies ist aber fĂŒr die eigene BPS-Therapie ein “KO-Kriterium” und zeugt von einem pathologischen Verhalten des Borderliner-Patienten:

    1. Selbstaufwertung durch die Position eines Helfers
    2. Selbstentwertung, wenn die eigens gestellte Aufgabe unlösbar war.
    3. SelbstvernachlÀssigung
    4. Ablenken von den eigenen ungelösten Nöten
    5. Vermeiden wichtiger Schritte in der eigenen Therapie. 
    6. Um ein ĂŒberstarkes “Über-Ich” (Freud lĂ€sst grĂŒĂŸen) zu besĂ€nftigen
    7. AutoaggressivitÀt durch exzessives Helfen. 

Borderline: heute ĂŒberall 

Borderline ist – ganz einfach beschrieben – gekennzeichnet u.a. durch Spaltung. Diese Spaltung erfolgt durch Idealisierung und Entwertung.

Wenn man dies im Hinterkopf behĂ€lt, dann finden wir dieses “Schwarz-Weiß-Denken/Handeln” ĂŒberall auf unserer Welt. Auch in der von Kliniken, medizinischen Kongressen und Therapeutischen Schulen. 

Wer noch genauer hinschaut, sieht diese angesprochene Spaltung besonders in den Schulen, welche sich mit der Borderline-Spaltung beschÀftigen.

— Verhaltenstherapeuten, deren Therapieerfolge klar belegt sind, sagen dass die Psychoanalyse praktisch keine EffektivitĂ€t in der BPS belegen könne.

— Die Analytiker bezeichnen die Verhaltenstherapie im Gegenzug dazu als eine Art “Patienten-Dressur”.           

Dieses Verhalten begĂŒnstigt genauso eine Spaltung und sollte von allen Beteiligten sehr kritisch betrachtet werden. Wir dĂŒrfen nĂ€mlich nicht ĂŒbersehen, dass es den einen Königsweg gar nicht geben kann! Allein die extreme Unterschiedlichkeit bei den Patienten macht eine einheitliche Behandlung aller BPS Patienten unmöglich. 

                                                                                                                                             

Borderline Therapie: Was macht einen stabilen Therapeuten aus?

Zuallererst: Es ist aus heutiger Sicht nicht vernĂŒnftig, wenn ein Borderliner einen anderen Borderliner behandelt. 
Zwar kann ein Borderliner den anderen Borderliner gut verstehen und sich in diesen hineinversetzen – er kann dieses Wissen dann aber anschließend nicht in professioneller Art und Weise zum Nutzen des Mitpatienten anwenden. Darum ist er als Therapeut nicht nĂŒtzlich. 

Gute und stabile Therapeuten sind zwar auch unvollkommen mit all ihren Macken und SchwÀchen, aber allein durch ihre stabile Persönlichkeit wirken sie schon mal aus sich heraus in der Psychotherapie. 

Gute Therapeuten sind technisch neutral und unterlassen inadÀquate Verhaltensweisen wie z.B. die folgenden: 

      • feindselige Haltung dem Patienten gegenĂŒber 
      • Pessimismus
      • Narzissmus und Mangel an Selbstkritik
      • VerfĂŒhrung des Patienten
      • ein zu großer Drang, den Patienten zu einer Änderung zu bewegen.

Folgende 5 Kriterien sind unersetzlich fĂŒr eine gute BPS-Therapie:

    1. kein Mitagieren. Selbst massive Übertragungen des Patienten können ertragen werden
    2. NĂ€he-Distanz. FĂŒrsorge durch NĂ€he und Beachtung der eigenen Fehler durch Distanz
    3. Autonomiewahrung: Respekt gegenĂŒber den “Basic Beliefs” des Patienten, ohne moralische Beurteilung. 
    4. Fairness: Prinzip der Gleichheit und Gerechtigkeit. 
    5. LoyalitĂ€t: Die Schweigepflicht, dem Patienten zur VerfĂŒgung stehen und AuthentizitĂ€t. 

Borderline: Epilog

Personen mit einer Borderliner-Struktur mögen sich den Helfer-Berufen innerlich sehr zugehörig fĂŒhlen und diese auch engagiert angehen. Schließlich wollen sie ja nicht, dass anderen genau das widerfĂ€hrt, was auch ihnen passiert.
Dies ist sehr ehrenwert und sollte von Außenstehenden auch immer positiv gewertet werden. 

Trotzdem befinden sie sich auf Grund ihrer Borderliner-Struktur in einem Dilemma / einem Spannungsfeld:

    • Einerseits möchten sie alles besonders gut machen
    • Andererseits mĂŒssen sie ja auch eine notwendige Distanz wahren um nicht mit dem Patienten zu “verschmelzen”. Dies kostet sie aber immens viel Kraft da sie in ihrer Borderliner-Struktur ja immer genau diese besondere Verschmelzung suchen. 

Wie lange kann ein engagierter Helfer mit BPS diesen Spagat durchhalten? Gerade jene engagierten Helfer tappen recht schnell in die “Burn out” Falle. 
“Burn out” katapultiert förmlich das Leid auf die nĂ€chste Stufe! Denn persönliche StabilitĂ€t und Wohlbefinden sind bei diesem Krankheitsbild noch weit entfernt. 

    • Wer selber eine Borderliner-Struktur hat, sollte alles fĂŒr die eigene persönliche, positive Entwicklung und StabilitĂ€t unternehmen.
    • Hat er dieses Ziel einmal erreicht, dann (!) kann er durchaus Psychotherapeut werden und kann mit seinem Wissen und seinem EinfĂŒhlungsvermögen anderen Menschen mit Sicherheit zu einem Gewinn in der Therapie verhelfen. 

Gerne können wir persönlich diesen Weg miteinander versuchen zu beschreiten. 
Wenn ich Sie hierbei ein wenig begleiten darf dann wĂŒrde ich mich auf Ihren Kontakt freuen. 

Sie können mich jederzeit kontaktieren unter Kontakt

Schau dir hier meine Videos ĂŒber Borderline an

Borderline: Lassen Sie uns miteinander ins GesprÀch kommen. 

Marcus JĂ€hn Werde wieder stark durch CoachingEs sind viele Bereiche, die wir ansprechen können: Angefangen vom Umgang Borderline oder einer anderen belastenden Störung, aber auch ĂŒber Future Faking, Love Bombing und Gaslighting die immer hĂ€ufiger in unsere Gesellschaft zu beobachten sind. 

  • Was ist das eigentlich, eine Persönlichkeitsstörung, ein Perfektionismus, ein Spaltung oder eine GegenĂŒbertragung?
  • Kann ich trotz Borderline oder Narzissmus eine stabile Partnerschaft aufbauen und damit ĂŒber Jahre hinweg leben? 
  • Ist eine Kommunikation mit einem Borderliner möglich? Wie hilft hier die U.M.W.E.G.-Methode©? 
  • Kann ich meine Bindungsangst oder Verlustangst irgendwann einmal kontrollieren?
  • Was kann ich tun, wenn ich mich gerade in einer Trennung befinde, oder kurz davor bin?


Ich möchte aber nicht nur ĂŒber Fragen sprechen, sondern auch praxisgerechte Lösungen anbieten:

  • Eine humorvoll und spielerisch – ja fast tĂ€nzerisch – eingesetzte Gewaltfreie Kommunikation in Kombination mit der von mir entwickelten 
  • U.M.W.E.G.-Methode© und nicht zuletzt die Transaktionsanalyse als Sprachkonzept können helfen, auch in schwierigen Situationen noch kĂŒhlen Kopf zu bewahren. 

Buchen Sie sich einfach auf meinem Online-Kalender ein Zeitfenster oder nutzen Sie mein klassisches Kontaktformular um mit mir in Verbindung zu treten. Ich freue mich auf Sie. Ihr Marcus

Marcus JĂ€hn Meine Buchempfehlung zu diesem Thema

Kommunikation mit einem Borderliner

Ein Buch, das praxistauglicher kaum sein kann. Persönlichkeitsstörungen sind aufgrund der InstabilitĂ€t an KomplexitĂ€t praktisch nicht zu ĂŒberbieten. Darum machen viele Psychotherapeuten auch einen Bogen um die Therapie hiervon Betroffener. Nicht so der Psychiater  Jerold Kreisman der sein Leben der Behandlung von Borderline-Persönlichkeitsstörung gewidmet hat. Das Lesen dieses Buches hat mich zu meiner U.M.W.E.G. inspiriert. 

Aufgrund der vielen PraxisfĂ€lle kann man die Affekte und Symptome  besser verstehen. Die vielen Tipps fĂŒr den Umgang mit den Betroffenen sind eine echte Hilfe und nehmen einem die Wut und Aggressionen, die oft im Kontakt mit dieser Krankheit entstehen und erzeugen vielmehr VerstĂ€ndnis und MitgefĂŒhl. 

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