Schriftzug Marcsu Jähn

Kann Psychotherapie helfen, einen Sinn und Zweck im Leben zu finden?

Kann man mit Hilfe von Psychotherapie einen Sinn im Leben findenNun, seit es Menschen gibt, gibt es diese drei große Kräfte, die unsere Welt in den vergangenen Jahrhunderten angetrieben haben, …

        • Religion
        • Politik
        • Wirtschaft

Leider sind diese jedoch seit etwa 100 Jahren stark ins Wanken gekommen. Könnte die Psychotherapie uns dabei helfen, einen Sinn und einen Zweck in meinem Leben zu finden? Nun, Psychotherapie hat zuerst einmal die Aufgabe, unseren Geist, unsere Psyche und all unser Denken wieder in einen gesunden Fluss zu bringen – also vom „pathologischen“ ins „physiologische“. Latein Pathologikos bedeutet krankhaft, die Leiden betreffen. Latein physiologia bedeutet die Naturkund, normal, gesunder Mensch, nicht krankhaft. Fangen wir ganz vorne an: Gibst du mir recht, wenn ich sage, dass Gedanken die Kraft haben … 

      • uns sowohl bis in den Selbstmord herunterzuziehen … 
      • sie können uns aber auch bis auf den höchsten Berg hochmotivieren!?

Gedanken haben tatsächlich eine große Wirkung auf unser Leben … Wie aber kann ich meine Gedanken vernünftig lenken, Resilienz lernen und dem Leben einen Sinn geben, wenn sich Psychotherapie doch grundsätzlich von den drei großen Bereichen unseres Lebens distanziert halten soll? (Religion, Politik und Wirtschaft). Diese selbst auferlegte Distanz geht ursprünglich auf Sigmund Freud zurück. Und so sehr sie auch nachvollziehbar ist, so können wir sie nicht außen vorlassen, denn alle drei Bereiche haben etwas gemeinsam: die Bindung… Echt? Ja! Lass es mich dir bitte erklären.

      • Religion ist mit die wichtigste Quelle um einer höheren Moral, einer Transzendenz nachzufolgen. Sie ist bei vielen Menschen die stärkste Antriebskraft ihres Handelns, denn nicht umsonst bedeutet das Grundwort von Religion „religare“ „Dinge miteinander zu verbinden.“
      • Die Politik stammt von dem lat. Wort „politika“ und bedeutet, „Dinge, welche die Stadt betreffen.“ Auch hier geht es also um eine Beziehung zu anderen. Diese Beziehung zu anderen ist aber auch einer der häufigsten Gründe, warum Menschen sich in eine Therapie begeben: sie haben Probleme in ihrer Beziehung, in dem Zusammenleben mit anderen Menschen.
      • Dann haben wir noch den Begriff der Wirtschaft / Ökonomie. „Oikos“ oder „Oikovouia“ kommt aus dem altgriech. und bedeutet Haus / Haushalt. Es bezeichnet alles, was an Produktion oder Dienstleistung von einem Personenverband erstellt wurde. Und wieder sind wir bei dem Thema „Zusammenarbeit“ und „Bindung“.

Du siehst, wir können Psychotherapie – der Begriff kommt auch aus dem altgriechisch „psyche“ für „Seele“ und „therapeia“ für Behandlung – nicht von den drei Themen abgrenzen. Vielleicht hilft es uns aber ein wenig, wenn wir uns vorstellen, dass Psychotherapie als Moderator zwischen diesen Bereichen immer wieder hin- und herpendelt, um diese Drei mit uns und unseren Lebenszielen wieder in eine Einheit zu bringen. Wie aber soll dies funktionieren?

Teil 1.1 Die Freiheit, sich selbst entscheiden zu können / Viktor Frankl

Ich möchte Viktor Frankl gerne einmal zu Wort kommen lassen, der bewiesen hat, dass ein Mensch selbst bis in den Tod hinein sowohl die innere Würde als auch die Entscheidungs-Freiheit behalten kann. Er bezeichnete seine KZ-Erfahrung als ein „experimentum crucis“ lat. einen „Kreuzesversuch“. In diesem werden Annahmen, die vorher als 100% sicher galten, eindeutig widerlegt.

Frankl bezeichnet dies als „die Trotzmacht des Geistes“ und das Jeder von uns diesen eigenen freien Willen besitzt. Einerseits berichtet Frankl in seinem Buch „Wer ein Warum zu Leben hat …“ über viel Leid und Ernüchterung, aber auch, dass das Menschliche auf jeden einzelnen Menschen ankommt – selbst an einem so unmenschlichen Wort, wie dem Konzentrationslager. In dem Lager Türkheim, aus dem Frankl 1945 befreit wurde, befand sich z.B. ein SS-Mann / der Lagerführer, der aus eigener Tasche recht große Geldmengen investierte, um aus einer nahegelegenen Apotheke Medikamente für seine Lagerinsassen besorgen zu lassen! Auf der anderen Seite gab es aber in genau demselben Lager einen Lagerältesten – also ein Mithäftling – der schärfer als alle SS-Wachen des Lagers zusammen war. Er schlug die Häftlinge, wann und wo und wie er nur konnte, was z.B. der Lagerführer kein einziges Mal tat. Das Fazit von Frankl ist eindeutig: Immer kommt es einzig und allein auf den Menschen an! Am Ende ist es der Mensch, der entscheidet, wie er sich verhält. Was bleibt, ist immer nur der Mensch.

Was aber ist der Mensch? Er ist derjenige, der einerseits die Entscheidung trifft, eine Gaskammer zu bauen, andererseits ist er auch derjenige, der mit hocherhobenem Kopf in die Gaskammern gegangen ist – oft mit einem Gebet auf den Lippen. Eindrucksvoller kann man es m.E. nicht unter Beweis stellen, dass wir alle eine innere Freiheit besitzen, uns nach höheren Werten eigenständig zu entscheiden oder eben auch nicht.

Teil 1.2 Das Kopf-Herz-Bauch Model

Das Modell der drei InstanzenDiese sehr hilfreiche Dreiteilung unseres Denkens wurde nicht – wie von vielen angenommen– von Sigmund Freud erfunden, sondern existierte schon sehr viel früher. Wir kennen sie bereits seit ca. 2.400 Jahren, als das platonische Modell der drei Anteile der Seele. Er beschrieb die Seele als das, was erkennt und das, wodurch wir als Menschen Wissen erlangen. Im Dialog Phaidros – ein fiktives Gespräch zwischen Sokrates, dem Lehrer Platons mit seinem Freund Phaidros – benutzte er zur Veranschaulichung das Bild eines Pferdewagens. Der Wagenlenker stellt die Vernunft dar, der zwei recht ungleiche vor den Wagen gespannte Pferde lenkt, korrigiert und immer wieder vor dem Durchbrennen hindert. Eins ist ein edles, weißes und mutiges Pferd. Das andere ist ein ungestümes, schwarzes wildes Pferd. Allen ist klar, dass ohne diese Pferde(stärken) der Wagen keinen Schritt vorankommen würde, Denn Denken motiviert zwar, aber bewegen muss man sich trotzdem immer selber.

Diese Lehre der drei Anteile in der Seele wurde von verschiedenen Denkschulen aufgegriffen und mit in deren Erklärungssystem übernommen. So benannte Sigmund Freud diese dann als „Es“ für den Bauch aus dem Enneagramm oder das Kind-Ich der Transaktionsanalyse. Das „Über-Ich“ steht für den Kopf aus dem Enneagramm oder dem Eltern-Ich der Transaktionsanalyse. Und dann gibt es noch das „Ich“. Dieses steht für das Herz im Enneagramm oder dem Erwachsenen-Ich aus der Transaktionsanalyse und bezeichnet die Entscheidungsmitte. Mit dem „Ich“, dem Herz, dem Erwachsenen-Ich wird immer wieder auf diese eine Instanz der inneren Freiheit hingewiesen, mit der wir in der Lage sind, uns zu entscheiden.

Wir alle haben einen freien WillenLass uns diese drei Instanzen noch in unsere heutige Alltagssprache übersetzen. Wenn wir auf die Welt kommen, verhalten wir uns zuerst einmal mit unserem angeborenen und damit genetisch vorprogrammierten Temperament. Das Temperament steht für den „Bauch“, das Kindheits-Ich, das „Es“ oder das schwarze Pferd von Platon. Dann erhalten wir durch unsere Umgebung die Moralvorstellungen, Werte und alle anderen Dinge die wir fürs Leben so brauchen gelehrt. Das entspricht dann dem Charakter. Der Charakter steht für das „Über-Ich“, den Kopf, das „Eltern-Ich“ – oder das weiße Pferd aus der Lehre Platons. Zwischen dem Temperament und dem Charakter – das ist dann die Entscheidungsmitte – das Herz. Unser Herz wird in anderen Allegorien (Bildvergleichen) mit der Persönlichkeit, dem „Ich“, dem „Erwachsenen-Ich“ gleichgesetzt. Unser Herz ist das, was den Charakter und das Temperament miteinander wie in einem Dreiklang verbindet. Im Laufe eines durchschnittlichen Lebens von etwas mehr als 80 Jahren schlägt es mehr als 3 Milliarden Mal. Bei Stress und körperlicher Anstrengung erhöhen sich Herzfrequenz, Puls, Blutdruck noch mehr. Veränderungen des Herzschlags durch z.B. Stress oder körperlicher Arbeit gehen mit Änderungen des Gemütszustandes einher.

Wir leben heute in einer Welt, die uns mehr Möglichkeiten zur Auswahl als je zuvor anbietet. Oft aber führt genau das nun zu einer Überforderung. Personen, ohne guten Zugang zu ihren Emotionen und Empfindungen, tun sich in ihren Entscheidungen oft schwer und versuchen, sich durch Denken, Logik, Rationalität irgendwie abzusichern. Allzu oft ist diese Entscheidung durch das Außen von Angst getrieben. Deshalb ist eine trainierte Mitte, ein starkes „Entscheidungs-Herz“, ein gut funktionierendes „Erwachsenen-Ich“ sehr wichtig. Der Weg über das Herz führt zu uns selbst. Wir nennen es Interozeption. Und damit wären wir bereits beim zweiten Hauptteil: Die Macht der Intuition.

Teil 2 – Die Macht der Intuition

Die Macht der IntuitionUnser Gehirn ist schon ein fantastisches Organ! Im Grund genommen, arbeitet es – bildhaft gesprochen – auf zwei unterschiedlichen Ebenen:

      • in der Kognition / dem bewussten Denken und
      • in der Intuition / dem unbewussten, inneren Denken.

Wichtig, diese Trennung ist wirklich da – das bilden wir uns nicht nur ein! Die Kognition kann nämlich nur die bewussten Prozesse erkennen. Das ganze restliche Unbewusste ist für unseren „denkenden Verstand“ so dunkel, wie wenn ich mit einer Taschenlampe den 11 km tiefen Mariannengraben ausleuchten wollte. Wir kommen gleich nochmal zu diesem Vergleich zurück. Die Wissenschaft schätzt aktuell, dass unser Gehirn über die verschiedenen Sinnesorgane ca. 11 Millionen Bits pro Sekunde aufnehmen kann. Mit seinen ungefähr 90 Milliarden Neuronen, die selber mit Billionen (also 1000 Milliarden oder eine Eins mit zwölf Nullen) von Synapsen verbunden sind, hat das Gehirn eine Rechenleistung von ca. 4 bis 5 Petabytes (1 Petabyte entspricht 1000 Terabyte). Die heutigen modernen Computer mit einem neuromorphen Aufbau, haben ca. 100 Millionen künstliche Neuronen – also lediglich ein 1000stel des Gehirns – und damit sind lediglich die Neuronen und nicht die Billionen Synapsen gemeint.

Warum der Unterschied zwischen Neuronen und Synapsen? Eric Kandel erhielt im Jahre 2000 den medizinischen Nobelpreis für seine Forschungen darüber, dass durch das neuroplastische Bilden neuer Synapsen unser Gehirn

      • zum einen für ein lebenslanges Lernen ausgelegt ist aber auch
      • wie Kurzzeitwissen in Langzeitwissen übertragen wird.

Zurück zu dem Thema Intuition und welch mächtiges Tool dies darstellt, um einen eigenen Willen und Sinn im Leben aufzubauen: Einerseits hat unser Gehirn eine Rechenleistung von Millionen Bits pro Sekunde, andererseits kann es nur ca. 60 Bits / Sekunde bewusst verarbeiten. Wie könnten wir dies einmal vergleichen? Zum Beispiel mit dem Vorgang des Lesens. Ein Wort mit fünf Buchstaben enthält weniger als 25 Bits. Im Vergleich dazu kann unser Unbewusstes die gigantische Menge von 11,2 Millionen Bits pro Sekunde – also das 200.000 fache – verarbeiten.

Ist unser bewusstes Denken deshalb nun rückständig im Vergleich zu unserem Unbewussten, unserer Intuition? Nein! Ganz und gar nicht, denn seine eigentliche Aufgabe kann das Unbewusste gar nicht erfüllen: Das bewusste, kognitive Denken steht für Qualität / Präzision. Unser unbewusstes Denken steht für Quantität / Menge / Kapazität. Bei einer konkreten Frage, wie z.B. wieviel ist 3 x 12 müssen wir bewusst Nachdenken. Sind aber viele Themen und Faktoren zu berücksichtigen, sinkt die Qualität und der Nutzen einer bewussten Entscheidung.

Auch hier möchte ich mal einen Vergleich anbringen: Eine der ganz großen Fragen in unserem Leben, ist z.B. die Frage nach dem persönlichen Sinn und Zweck unseres Lebens. Hierauf kann es keine präzise Antwort wie bei einer Rechenaufgabe geben! Wir werden im dritten Teil einen Denkansatz hierfür besprechen… Jetzt möchte ich erst einmal darauf eingehen, wieso ich meiner Intuition vertrauen sollte.

Begriff Intuition = Lateinisch „intuere“ = hinein sehen. Intuition ist das Hineinblicken und in Kontakt treten mit sich selber – und stellt das genaue Gegenteil zu diskursiv dar (eine Sache durch ein Gespräch zu erörtern).

Intuition - ein Lernen von innen geht durch die 15 / 11 / 28 MethodikUm uns die Rechenleistung unseres Gehirns einmal plastisch vorzustellen, würde ich gerne einmal den Vergleich mit der Größe eines Fingernagels bringen: Wenn die Rechenleistung meines bewussten Gehirns, der Größe des Fingernagels eines Zeigefingers entspricht (15 Millimeter) … dann müsste der Fingernagel ca. 11 Kilometer lang sein, um die Rechenkapazität des unbewussten Denkbereichs unseres Gehirns zu veranschaulichen. Gibt es einen Punkt auf der Erde, der 11 Kilometer hoch oder tief ist? Ja, dies wäre der Mariannengraben, der in etwa 11 Kilometer tief ist.

Wenn wir einen Gedanken, eine Idee nun mal mit einer einzelnen Hand-Taschenlampe vergleichen, deren Licht wir unter Wasser leuchten lassen. Wie weit strahlt so eine durchschnittliche Hand-Lampe unter Wasser? Gehen wir mal von so ca. 50 Metern aus. Um nun Licht bis an den tiefsten Punkt des Mariannengrabens zu bringen, reicht es also nicht, nur eine einzige Lampe zu nehmen. Wir benötigen tatsächlich ca. 200 Lampen, die wir an einer Kette aufgehängt in den Wassergraben herunterlassen.

Wie können wir dies auf unseren Vergleich – die Suche nach einem Sinn im Leben verwenden? Nun, unser Unbewusstes hat eine Leistung, die Größe oder die Tiefe des Mariannengrabens im Vergleich zu einem Fingernagel. Warum sollten wir diese Ressource bei solch einer wichtigen außer Acht lassen?

Wie aber können wir unser Unbewusstes nun aktiv in unsere Suche mit einbeziehen? Ähnlich einer langen Schnur, die in regelmäßigen Abständen – z.B. alle 50 Meter – eine weitere Taschenlampe angehangen bekommt, so können wir uns immer wieder dieselbe Frage die sich uns stellt in Richtung unseres Unbewusstseins schicken. Und wie lange sollten wir dafür einplanen? Meine Empfehlung wäre, dies dreimal täglich, für 4 Wochen durchzuführen. Du nimmst dir hierfür ein Blatt mit drei Spalten (für morgens, mittags und abends) und 28 Reihen für die nächsten 28 Tage. Dann stellst du dir dreimal täglich an den kommenden 28 Tagen immer wieder dieselbe Frage – z.B. was für dich, dein Sinn in deinem Leben sein könnte. Unser Unbewusstes bekommt dadurch immer wieder diesen einen Auftrag und erkennt nach einigen Tagen (wichtig, dass passiert nicht beim ersten Mal!) dass uns die Antwort wichtig ist und beginnt nun, nach einer Lösung zu suchen. Sei dir sicher dass dich diese Methode weiterbringt als es dir im Moment noch erscheinen mag.

Teil 3 – Der Sinn und der Zweck des Lebens

Der Sinn und der Zweck des Lebens nach Pablo Picasso und Viktor FranklIch finde den Gedankenansatz folgender zwei Männer in diesem Zusammenhang recht interessant:

      • Pablo Picasso
      • Viktor Frankl

Auf den ersten Blick scheinen diese zwei recht wenig miteinander gemeinsam zu haben.

      • Pablo Picasso war ein Maler aus Spanien und lebte von 1881 bis 1973. Er begründete u.a. den Kubismus, galt und gilt immer noch als Genie, Jahrhundertkünstler, revolutionärer Maler und Bildhauer. Durch den Kubismus und damit die Veränderung der klassischen Fluchtpunkt-Perspektive – hob er den Gedanken auf, dass es nur eine einzige stabile Sicht auf die Welt gibt. Seine Idee war: man kann ALLE Perspektiven auf einmal und zugleich haben.

Zu unserem Thema zurückzukehren; ihm wird ein interessantes Zitat über den Sinn des Lebens nachgesagt: „Der Sinn des Lebens, so sagte er, sei es, die eigene GABE zu finden und der ursprüngliche Zweck des Lebens liege darin, diese GABE dann freigebig zu verschenken. Wir werden gleich noch darauf zurückkommen. Schauen wir uns kurz noch den anderen Protagonisten an – Viktor Frankl…

      • Viktor Frankl lebte von 1905 bis 1997. Er überlebte 3 Konzentrationsläger, war Neurologe und Psychiater und begründete die Logotherapie und die Existenzanalyse. In der schwersten Phase seines Lebens, gegen Ende seiner Leidenszeit im Konzentrationslager, als er immer häufiger um sich herum mit Menschen konfrontiert wurde, die ihrem Leben und Leiden ein Ende setzen wollten, begann er sein Lebensmotte immer deutlicher zu formulieren: „Frage nicht, was dir das Leben noch zu bieten hat. Stelle dich eher der Frage von der anderen Seite her – was kann das Leben VON DIR erwarten?“

Er berichtet in diesem Zusammenhang von einer besonderen Situation im Lager, als zwei der Insassen sich zum Selbstmord entschlossen hatten und stereotyp wiederholt den Gedanken sagten, sie hätten ja sowieso nichts mehr vom Leben zu erwarten. Frankl konfrontierte sie nun konsequent mit der Frage, „was das Leben VON IHNEN zu erwarten hat“. Er nannte dies die kopernikanische Wende in Bezug auf die Frage nach dem Lebenssinn. Nicht der Mensch solle das Leben nach einem Sinn fragen, sondern das Leben fragt uns Menschen, was wir zu dem Sinn beitragen können und wollen.

In meinen Gesprächen komme ich persönlich immer wieder zu diesen beiden sehr interessanten Gedankenansätzen zurück:

      1. Was ist Ihre Gabe, welche sie geplant, organisiert, regelmäßig und selbstgewollt – also proaktiv und nicht zufällig reaktiv – an das Universum verschenken können?
      2. Was kann das Leben von mir erwarten? Oder anders ausgedrückt: Welche Person, oder welches Werk wartet noch auf mich?

Kommen wir zu den beiden potentiellen Selbstmördern aus dem Konzentrationslager zurück. Auf die Frage, welches Werk oder welcher Mensch auf sie wartet, erzählte der eine von seiner Tochter, die ihn über alles lieben würde. Allein für sie lohnte sich der Kampf… Und auch der andere hatte etwas, was auf ihn wartete: er hatte mit der Herausgabe einer Serie geographischer Bücher begonnen, von der nun noch ein Band fehlte. Er war für seine wissenschaftliche Arbeit genauso unersetzlich, wie der andere nicht austauschbar war für die Liebe seiner Tochter.

Marcus Jähn und der Sinn und Zweck des LebensWie könnten wir nun alle persönlich (!) einen Nutzen daraus ziehen? Wie könnten wir dies in die Realität umsetzen?

Ich würde dies gerne mit einer persönlichen Erfahrung beschreiben: Am 24.03.2015 lenkte der Kopilot das Flugzeug mit insgesamt 150 Insassen gegen einen Berg in den Westalpen. Alle Menschen kamen ums Leben. Ich selber stand unter Schock und fragte mich, wie wahrscheinlich viele Menschen, was wäre, wenn ich in diesem Flugzeug gesessen hätte? Hätte mein Leben einen Sinn gehabt? Fernab von jedem religiösen, wirtschaftlichen und politischen Thema, habe ich mich dann auf die Suche gemacht, was meine Gabe aus meiner persönlichen Sicht sei und wie ich diese Gabe verschenken könnte

Das Ergebnis: Ich genieße es, komplizierte psychologische Sachverhalte in möglichst einfacher Sprache zusammenzufassen. Diese Fachvorträge stelle ich kostenlos und frei verfügbar auf meiner Webseite, Youtube und meinem Podcast-Kanal dar, um so vielen Menschen wie möglich, das Thema Psychologie und Persönlichkeitsentwicklung nahezubringen. Mein Ziel ist es, 1000 Fachvorträge auf Youtube zu stellen.

Was ist Dein Ziel, Deine Gabe, Dein Zweck in Deinem Leben? Diese Frage kannst zwar nur du für dich alleine beantworten, jedoch hoffe ich, dir mit diesem Beitrag eine kleine Hilfestellung gegeben zu haben.

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