Warum falle ich immer wieder auf einen Narzissten herein – 6.1 Narzissmus verstehenLass uns in diesem sechsten Teil unserer Themenreihe „Narzissmus verstehen“ darüber sprechen, wie wir eine narzisstische Beziehung in deiner Zukunft vermeiden können. Dabei geht es zuerst einmal darum, warum Du die Aufmerksamkeit von Narzissten auf dich lenkst und woran du einen Narzissten leichter erkennen kannst. Wir werden hier aber auch wieder ein wenig in die Praxis gehen, wenn wir einige Methoden besprechen, um eine gesunde Selbstliebe zu entwickeln. Diese ist wichtig, damit Du dich endlich so gut und stark fühlst, um dich selbst vor narzisstischen Verlockungen zu schützen. Lass und direkt ins Thema einsteigen:
Ganz am Anfang, möchte ich meine Aussage „Warum fällst du immer wieder auf einen Narzissten herein?“ erst einmal ein wenig relativieren: Da wir in unserer westlichen Bevölkerung zuverlässigen Studien zufolge ca. 1% klinisch diagnostizierbare Narzissten und bis zu 6% narzisstenähnliche Personenstrukturen vorfinden, kann man einem Narzissten im täglichen Leben praktisch nicht aus dem Weg gehen. Und je mehr du mit Menschen beruflich / privat in Kontakt treten musst, umso höher ist einfach die Wahrscheinlichkeit hierfür.
Das ist aber nicht das eigentliche Problem… Ein Narzisst ist jemand mit einer Persönlichkeitsstörung, der in Bindungsthemen noch immer unreif durchs Leben geht. Er ist dieser typische Prototyp einer On-Off-Beziehung, der schneller als der Durchschnitt seine Partner(innen) wechselt. Das Problem besteht also nicht darin, ihnen zu begegnen oder sie anzuziehen. Das Problem beginnt an der Stelle, wenn man sie nicht mehr auf Distanz halten kann. Mit traumwandlerischer Sicherheit finden Narzissten nämlich immer genau den Typen Mensch, dem seine eigenen Grenzen nicht so wichtig ist, der sich leichter ausnutzen lässt und es viel länger mit ihnen aushält.
Ähnlich dem Frosch im Wasserglas, wo das Wasser langsam immer wärmer wird, er aber den Moment verpasst, rauszuhüpfen. Mit dem Ergebnis, dass er verkocht. Wir kommen später nochmal auf diesen Vergleich zurück.
👉 Wie aber kann man herauszufinden, dass man zu dieser „Frosch-Gruppe“ gehört? Ich habe hierfür mal sechs Themen herausgeschrieben – ähnlich einer Checkliste – nach der du dich selber überprüfen kannst, für dich ganz alleine. Es geht dabei nicht darum, jemanden zu bashen, also als schwach zu bezeichnen. Du bist nicht schwach, wenn du aktuell noch keine Grenzen hast. Du bist vielmehr überdurchschnittlich offen und damit verletzlich. Wer das versteht, der kann was dagegen in der Zukunft unternehmen.
Eine Stadt hatte im Mittelalter oft eine Stadtmauer als Schutzwall um sich herum. In dieser Mauer gab es dann Tore für den Ein- und Ausgang. Du spürst bestimmt schon, worauf dieser Vergleich hinausläuft: Bei Gefahr wurden diese Tore sofort geschlossen. Und genau so ist es auch im Kontakt mit einem Narzissten…
Der eine von uns ist etwas offener / toleranter als der andere. Hat also eine Schutzmauer, die durch die offenen Tore jedoch außer Kraft gesetzt ist. Vielleicht geschieht dies wegen eines geringen Selbstwertgefühls oder weil er in einem emotional unreifen Elternhaus aufgewachsen ist, in dem seinen Wahrnehmungen nicht erlaubt wurde zu reifen, oder er durch seine narzisstischen Eltern immer unterdrückt wurde. Die Gründe hierfür können sehr unterschiedlich / persönlich sein.
Wie auch immer. Ein Narzisst ist zwar jemand, der im Umgang mit zwischenmenschlichen Problemen sehr unreif ist, aber das hat nichts mit seiner emotionalen Intelligenz zu tun – herausfinden, wer sich seine Spielchen gefallen lässt und wer nicht. Er findet nämlich ganz schnell diejenigen heraus, die seine Unreife akzeptieren und nachsichtig mit ihm umgehen.
Muss ich jetzt aber hinter jedem Menschen einen Narzissten vermuten? Nein! Das wäre zu viel des Guten…. Ein Zuviel an Misstrauen ist nicht angebracht, denn wenn es auch viele Narzissten gibt … noch viel mehr Menschen befinden sich nicht in diesem Narzissmus-Spektrum!
👉 Was also ist zu tun? Die Zeit ist und bleibt dein bester Verbündeter. Nimm dir einfach mehr Zeit, dein Gegenüber kennenzulernen und höre auf deine Intuition. Intuition? Ja! Damit meine ich deine Lebenserfahrung / deinen inneren Lehrer. Intuition kommt mal wieder aus dem lateinischen „intuitio“ und bedeutet „hineinsehen“. Wir können es auch mit einem „Lernen aus dem Inneren“ beschreiben, da das englische Wort für Lehrer auch „Tutor“ ist. Auf diesen, deinen inneren Lehrer zu hören, ist wirklich eine gute Strategie. Wenn du dann erkennst, dass sich sein Gegenüber egoistisch und dominant verhält – er fällt dir z.B. immer ins Wort, lässt dich alles bezahlen – dann nimm dies in aller Ruhe erst einmal nur zur Kenntnis. Buche es bewusst auf sein imaginäres Konto und beobachte ihn / sie weiter, aber halte dich erst einmal damit zurück, zu viel in ihn / sie zu investieren. Sollte er / sie sich später als würdig erweisen, dann kannst du immer noch großzügig sein. Dafür ist es in einer Partnerschaft nämlich nie zu spät, egal wie viele Jahre ihr schon zusammen seid.
Aber lass uns im Thema Narzissmus und warum du dem Narzissten aufgefallen und er sich an dich drangehangen hat, fortfahren:
Das Wort Grenze ist ursprünglich ein slawisches Wort / der Hauptzweig des indogermanischen Sprachstamms. Siehe z.B. polnisch „granica“. Grenze bezeichnet einen klar umgrenzten / abgetrennten / abgeschlossenen Bereich. Mit der deutlichen für andere sichtbaren Botschaft „Hier ist Schluss“. Ist so etwas wie eine Grenze ziehen nicht machohaft und völlig obsolet? Nun, vielleicht siehst du es etwas anders, wenn du es mal mit der Verbform des lateinischen „aggressio“ Angriff dem Begriff „aggredi“ vergleichst… Auch hier könnte man vorschnell ein zu viel an Gewalt hinein interpretieren. Es bedeutet aber vielmehr: „zu etwas heranschreiten, etwas unternehmen, einer Angelegenheit Grenzen setzen.“
Warum ist das für uns so wichtig? Nun, ich beobachte in unserer Gesellschaft und Kultur eine immer stärkere Aufweichung von klaren Grenzen z.B. zwischen Mann und Frau. Immer mehr Feminismus (das ist aber nur ein Grund von mehreren seit der Zeit der Industrialisierung, der großen Kriege usw. welche die Kinder von ihren Vätern getrennt hat) hat zu immer weniger Männlichkeit geführt. Und immer weniger Männlichkeit hat die Familienstrukturen grundlegend verändert. Nicht vorhandene Strukturen führen aber zu immer größeren Problemen, wie ich dies in meinem Beitrag „Strukturiere dein Leben – denn Probleme hassen Ordnung“ aufgezeigt habe. Da werden Kinder zuerst parentifiziert und wenn sie groß sind und auf eigenen Füßen stehen wollen „infantilisiert“. Die Partner / Ehemänner werden auf das Gleis / die Ebene „Bezahler, Erzeuger, lästiges Übel“ abgestellt, während sich immer mehr Frauen darüber beschweren, dass sie die Verantwortung als „Familien-Mutti“ nicht mehr tragen wollen. Strukturen sind nichts anderes als Grenzen. Und unsere Gesellschaft leidet immer stärker darunter, dass die alten Grenzen verschwinden, sich neue, alternative Strukturen bilden und dadurch immer mehr Grenzüberschreitungen stattfinden. Die Folge davon ist unter anderem, dass viele in unserer Gesellschaft überzeugt sind, lieber dem anderen Recht zu geben, als sich dagegen klar zu positionieren. Und jetzt kommt der immer stärker zu beobachtende Narzissmus mit ins Spiel: Wer dazu neigt, sich eher masochistisch ausnutzen zu lassen – egal ob bei Freunden, in der Familie oder in der Partnerschaft – der ist auch viel eher das Ziel eines beziehungsunreifen Narzissten. Wenn du dich tendenziell eher zu dieser Gruppe zählst, dann ist dieser Beitrag genau richtig für dich. Ich möchte dir mal eine sehr persönliche Frage in Bezug auf deine Werte und Grenzen stellen:
👉 Behandelst du andere Menschen eher respektvoll? Bist du rücksichtsvoll? Und wenn ja: wie sieht es mit DEINEN Grenzen aus? Lässt du andere darüber hinweggehen oder zeigst du klare Stoppsignale? Da du dich für dieses Thema interessierst, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du tendenziell die Grenzen anderer höher bewertest als deine eigenen. Lass diesen Gedankengang einfach mal einen Moment länger auf dich wirken, ohne eine Bewertung oder Anklage dir gegenüber. Sei mal ein wenig achtsamer als sonst deiner Grundhaltung gegenüber.Oft fehlt einem der klare Blick auf sich selbst. Denke nur mal an den Vergleich mit dem Strohhalm im Auge des Gegenübers und dem Balken im eigenen Auge (Zitat: Bibel).
Du hast das Recht, klar und deutlich verstehen zu geben, wie du von anderen behandelt werden möchtest und wenn du diese Behandlung nicht bekommst, dich dann von dieser Person auch wieder zurückzuziehen. Dieses Verhalten nennt man „autoritativ“. Es ist nicht autoritär, sondern wirklich „autoritativ“, ein Adjektiv, ein Wort, dass dazu dient, ein anderes Hauptwort genauer zu beschreiben. In unserem Falle bedeutet es, mit Autorität ausgestattet. Ein autoritärer Mensch fordert ein Verhalten ein. Ein autoritativer Mensch hat eine Autorität, die er nicht einfordern muss. Wenn sich der Gegenüber der Autorität jedoch widersetzt, dann muss er mit einer Konsequenz rechnen, die sich aus seinem Fehlverhalten zwangsläufig ergibt. LMK… Ein Beispiel hierzu, um zwischen autoritär und autoritativ zu unterscheiden: Stell dir eine Situation auf einem Spielplatz vor. Die eine Mutter sagt: „Du gehst da nicht rauf, du würdest dich verletzen.“ Das ist autoritär. Eine andere Mutter sagt: „Geh da nicht rauf. Wenn du es aber tust und runterfällst, dann heul mir nicht die Ohren voll“ Ich komme aus dem Ruhrgebiet, bitte erlaube mir diese deutliche Sprache… Die zweite Mutter ist autoritativ. Sie hat eine Autorität, welche sie ins Spiel bringt, aber nicht einfordert. Würde sich das Kind ihr widersetzen und es geht schief, dann müsste es eine logische Konsequenz tragen. Auf unser Thema übertragen: Wenn du das Gefühl hast, dein Gegenüber respektiert deine Grenzen nicht, dann muss er die logische Konsequenz spüren. Deine Grenzen sind nämlich heilig, sie sind dein ganz persönliches Hoheitsgebiet.
Ein weiterer Grund, warum sich ein Narzisst dich vielleicht ausgesucht hat, ist folgender: Du hast sein Verhalten weder unterbrochen noch dich von ihm distanzieren können. OK, es ist wirklich nicht einfach etwas zu beenden was am Anfang so wunderbar (Stichwort Love Bombing) begonnen hat. Man kann diese Zeit voller Rosen und Geigen am Himmel nicht so schnell vergessen. Das ist ganz natürlich. Aber irgendwann merkt es jeder, dass etwas nicht stimmt. Wann ist dann der richtige Zeitpunkt da, um aus dieser Geschichte auszusteigen?
Vielleicht hilft dir die kleine Allegorie (ein Bild von einem abstrakten Thema (abstrakt lateinisch abstractus = abgezogen), welche du wahrscheinlich bereits kennst: Der Frosch im kochenden Wasser. Dieser Vergleich zeigt recht anschaulich, wie gefährlich es sein kann, Veränderungen nur langsam und unbemerkt anzunehmen, bis es dann irgendwann zu spät ist, um noch sinnvoll zu reagieren. Ein Frosch, der plötzlich in kochendes Wasser geworfen wird, der springt sofort wieder raus, um zu entkommen. Setzt man ihn aber in lauwarmes Wasser, das nur langsam erhitzt wird, dann bemerkt er die Veränderung nicht und kocht bei lebendigem Leib. Das Wasser symbolisiert deine Beziehung mit dem Narzissten, die sich langsam schleichend, aber stetig verschlechtert. Der Frosch wärest in diesem Vergleich DU! Sich immer wieder neu an die Situation anpassend, ohne die Gefahr am Horizont zu erkennen. Sein Tod zeigt die Konsequenz auf, wenn entweder durch Ignoranz und einfach passives Wegschauen, wenn die Gefahr zu spät erkannt wird.
Die Warnung ist dir hoffentlich klar: Selbst subtile (lateinisch „subtilis“ = fein, dünn) kleine Veränderungen dürfen nicht ignoriert werden. Zu späte Maßnahmen bleiben dann zu spät.
Was für ein Typ Mensch bist du? Gehst du gerne einen gleichmäßigen Weg durchs Leben und fällt es dir eventuell schwerer als anderen, Dinge loszulassen? Wenn ja, bist du leider auch genau die Person, die ein Narzisst besonders bevorzugt, denn du bleibst dann viel eher sein Opfer.
Was sollte man denn tun, wenn man merkt, dass sich die Partnerschaft nicht so entwickelt, wie wir es uns gewünscht hätten und du dir nun unsicher darin bist, ob du gehen oder bleiben solltest? Ich kann dir versichern, du bist hier nicht der / die Einzige und es gibt da einen ganz einfachen „Trick“ oder Kniff was auch die ursprüngliche Bedeutung des französischen Wortes „trique“ eigentlich ist.
Kannst du ein Muster dabei entdecken? Was für ein Muster wirst du dich fragen. Ich denke daran, ob sich deine Beziehung in den Monaten / Jahren intensiviert, verbessert oder distanziert und verschlechtert hat. Wenn du dir hierbei etwas unsicher bist, dann frage einen vertrauenswürdigen Freund / Freundin.
Unsere Lebensdauer ist leider nicht unendlich, sie ist begrenzt. „Memento mori“ ist das lateinische Äquivalenz hierzu „Bedenke, dass du sterben musst“ ein Zitat der Stoiker. Unsere Lebenszeit ist auf 78 bis 83 Jahre im westlichen Durchschnitt begrenzt. Vielleicht bist du gerade 40 Jahre alt – Halbzeit sozusagen. Wie lange bleibt dir dann noch? Als Teenager in der ersten Liebe, da denkt man nicht an die Begrenztheit des Lebens. Aber mit dem zunehmenden Alter, sind wir uns unserer Endlichkeit immer bewusster. Diesen Gedankengang möchte ich dir auch wie ein Muster über deine Beziehung legen. Macht dich deine Beziehung wirklich zufrieden und glücklich mit deinem Leben? Wenn nicht, dann musst du hierüber in eine kritische Abrechnung gehen. Es ist deine kostbare Zeit und deine Energie! Und diese ist es einfach nicht wert, einer Beziehung hinterher zu werfen, welche dich nicht glücklich.
Der vierte Grund, warum dich ein Narzisst „toll findet“ ist: du lässt es dir viel eher als andere gefallen, wenn er dich abwerten kann, um dadurch im Gegenzug sein schwaches Inneres / sein ICH künstlich aufwerten zu können. Das ewige Zusammenspiel zwischen Masochismus und Sadismus.
Der Begriff „Masochismus“ ist interessanterweise mal kein lateinischer oder griechischer Begriff. Er kommt von dem Psychiater und Rechtsmediziner Richard von Krafft-Ebing, der sich 1886 zum ersten Mal wissenschaftlich auf den Schriftsteller Leopold von Sacher-Masoch (1836 bis 1895) bezog. Der hatte in verschiedenen Werken (zum Beispiel die Venus im Pelz 1870) ein vertraglich genau beschriebenes Schmerz- und Unterwerfungsverhalten in Partnerschaften beschrieben.
Der Begriff Sadismus kommt auch von einem Schriftsteller, und zwar von dem Franzosen Marquis de Sade. Der eben erwähnte Psychiater Richard von Krafft-Ebbing nahm ihn als Vorbild für diesen Begriff, weil er in seinen Romanen oft Gewalt und sexuelle Fantasien miteinander verband. Heute benutzt man weniger Sadismus und Masochismus, wohl aber eher den Sammelbegriff BDSM / Sadomasochismus (kurz SM oder Sado-Maso) Ein Narzisst, klassischerweise der sadistische Anteil einer Beziehung, ist am Anfang der Beziehung erst einmal nett, zuvorkommend und überaus charmant.
Je näher man sich aber kommt, desto deutlicher kommt sein wahres Gesicht nach vorne. Das ist am Anfang vielleicht noch eine subtil herablassende Bemerkung sein. Oder so Pascha-ähnliche-Anzeichen wie „du kannst doch bezahlen“. Für ihn ist das NEHMEN in der Partnerschaft wichtiger geworden als das NEHMEN. Und da denke ich nicht zuerst an Geld, sondern vielmehr an Zeit, Mühe und Energie. Frei nach den fünf Sprachen der Liebe, wo sich nur eine um das Geld dreht, die anderen aber den Blick auf Achtsamkeit, Zeit und andere Werte lenken.
Bist du jetzt tendenziell jemand, der sich eher in eine Sache fügt, darüber schweigt, dann scheinst du ein ideales Ziel für den Narzissten zu sein. Was wäre die Lösung? Denke nicht, dass du nun in einen ständigen Kampf mit ihm treten musst. Vergiss den Kampf, sondern gehe eher in einen Tanz mit ihm über. In einem Tanz reagiert man auf einen Fehltritt des anderen nicht mit einem Kampfschritt, sondern mit einem Ausweich-Schritt. Was wäre so ein „Ausweich-Schritt“? Zum Beispiel indem du ihm nicht alles (!) versuchst, recht zu machen. Für wen du dich entscheidest, Zeit und Energie zu teilen, der muss sich das auch verdienen, indem er dir Vergleichbares zurückgibt.
Das Wort „Schutz“ entstammt dem mittelalterlichen Wort „schuz“ was eine Abschirmung oder eine Sicherung gegen aufstauendes Wasser beschrieb. Ein schönes Bild wie ich finde… Oder auch das englische Wort „protection“ was vom altfranzösischen „proteccion“ kommt was einen Schutzschild beschreibt.
Ähnlich und auch häufig verhält es sich mit dem, wie man sich in einer Partnerschaft mit einem Narzissten fühlen könnte. Wie eine Flutwelle rollen dort manchmal diese narzisstischen Handlungen über dich drüber, sodass du dir eine Schutzmauer oder einen Schutzschild herbeiwünschst.
Klar, jeder von uns verdient einen gewissen Vertrauensvorschuss. Keiner von uns ist perfekt oder hat immer nur gute Tage, reagiert gelassen auf Probleme etc. Hier gebt es aber nicht um die Ausnahme, sondern um das Verhaltensmuster was die Regel beschreibt. Wenn der Partner regelmäßig schwierig ist und du bemerkst, dass du beginnst, dieses Verhalten anderen und auch dir selbst gegenüber zu beschwichtigen, zu entschuldigen, dann solltest du diese Warnung zumindest zur Kenntnis nehmen. Sei dann nicht der Frosch im Wasserglas. Der fünfte Punkt betrifft also wieder mal dich! Bietest du ein Zuviel an Schutz? Wenn ja, dann hast du die Veränderung hierfür selber in der Hand.
Schweigen ist manchmal ohrenbetäubend laut und kann wirklich als gutes und wirksames Mittel gebraucht werden, um jemanden in die Schranken zu verweisen. Kleinen Kindern wird manchmal für einen kurzen Zeitraum Zimmerarrest gegeben, damit sie sich erst einmal beruhigen, um dann wieder am Familienleben teilzunehmen. Das liegt alles im Ermessensspielraum der Eltern und ich möchte hier keine Eltern-Erziehungs-Regeln aufstellen. Aber Schweigen hat genauso auch eine schwierige Bedeutung:
Nimmt man also die Grundbedeutung von Schweigen, dann ist Schweigen meines Erachtens nur die zweitbeste Handlungswahl. Es gibt praktisch kein größeres Warnsignal als die Distanz zu dem anderen zu vergrößern. Wir alle haben unsere ganz persönlichen Grenzen die wir mehr oder weniger verteidigen. All das hängt stark von unserem Charakter ab, also wie wir aufgewachsen sind. Dann haben wir durch unsere Gene (Robert Cloninger lässt grüßen) unser ganz persönliches Temperament erhalten, was sich dann zu unserer Persönlichkeit zusammensetzt. Wer zum Beispiel in einem gewalttätigen Haushalt aufgewachsen ist, der könnte (!) viel eher er dazu bereit sein, solch ein Verhalten als normal zu betrachten und es mehr als andere zu akzeptieren.
👉 Wie aber kann ich herausfinden, ob ich mich noch in einem gewissen „Normfeld“ aufhalte, oder ob ich mich von diesem schon „verrückt“ habe? Den ersten Schritt tut man bereits, indem man sich achtsam mit dieser Thematik auseinandersetzt. Interozeption ist da ein wichtiger Begriff, das Empfangen von inneren Signalen, dem Zuhören der Intuition. Möchtest du mehr hierüber erfahren? Dann schau dir bitte mal folgenden Beitrag von mir an: Teil 8 der Borderline-Skills Interozeption – der Blick nach innen. Komme ich hierdurch aber nicht zu einem befriedigenden Ergebnis, dann gibt es noch die Möglichkeit, sich an einen Profi für dieses Thema zu wenden. Ich denke hier mal an einen ausgebildeten Therapeuten. Er kann dir mit Sicherheit den Blick darauf schulen, was emotionaler oder körperlicher Missbrauch ist und woran man diesen erkennen kann. Bitte glaube mir: diese Form von Achtsamkeit kann man lernen! Und einmal gelernt hilft es einen, sich vor einer Gefahr zu schützen. Wie heißt es so schön? „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.“
Wofür war dieser erste Teil nun gut? Er war überschrieben „Gründe, warum Narzissten dich toll finden“. Wenn einer oder mehrere Punkte auf dich zutreffen, dann wäre mein Tipp an dich, dass du deine Wachsamkeit hier noch ein wenig trainierst. Lass uns im nächsten Teil einmal darüber sprechen, ob es Erkennungsmerkmale gibt, anhand derer man – mit hoher Wahrscheinlichkeit – eine narzisstische Persönlichkeitsstruktur erkennen.
Kann man das überhaupt? Kann man einen Menschen intuitiv erkennen? Ich sage ja. Aber dafür muss mein seine innere Wahrnehmung bewusst eine längere Zeit – ich spreche hier von mindestens sechs Monaten – trainieren. Lass uns einmal eine Methodik ansprechen, mit der du deine innere Wahrnehmung trainieren kannst. Diese steht beispielhaft für viele Methoden. Mit dieser habe ich aber vor > 30 Jahren in meiner Ausbildung sehr viel Menschenkenntnis erlernt.
Wenn du die ersten Hundert Namen angekreuzt hast, gehst du in eine besondere Auswertung:
Wenn du dir deiner Erfolge in den jeweiligen Gruppen bewusst wirst, kannst du in Zukunft viel schneller und überlegener Menschen gegenübertreten, die in dir das eine oder andere Gefühl triggern.
Du kannst dann mit viel höherer Wahrscheinlichkeit einen Alkoholiker, einen Betrüger und nicht zuletzt auch einen Narzissten im ersten Moment intuitiv „erspüren“. Ich selber habe an dieser Fähigkeit seit 30 Jahren trainiert und kann dir versprechen, dass sich jeder Tag Training hierbei lohnt.
Wie kann man denn nun einen Narzissten leichter erkennen? Nun, in den vorangegangenen Teilen dieser Beitragsreihe habe wir schon intensiv darüber gesprochen, dass sie anfänglich immer zauberhaft, charmant, elegant, Gentleman-like daherkommen … Bis zu dem Moment, wenn man sie besser kennenlernt – also in der Lage ist, hinter die Fassade zu sehen. Kann man aber auch hinter die Fassade blicken, bevor man Gefahr läuft, verletzt zu werden? Gibt es so etwas wie Frühwarnsignale? Ja, die gibt es. Lass uns mal über ein paar dieser sogenannten „Frühwarnsignale“ sprechen.
Auf dem Kontinuum (lat. „continuus“ = Dinge, die zusammen hängen) der Persönlichkeitstypen gibt es so viele Varianten, wie es Menschen gibt. Keiner der aktuell ca. 8,2 Milliarden Menschen (Stand 05/2025) ist identisch mit einem anderen Menschen. Nicht einmal eineiige Zwillinge. Wir alle sind so einzigartig wie ein Fingerabdruck. Wegen dieser Vielseitigkeit kann es aber manchmal auch frustrierend sein, wenn sich zwei Menschen in einer Partnerschaft gefunden haben, in welcher der eine eher situativ, spontan handelt und der andere viel Wert auf Planung legt. Das führt dann manchmal zu recht „sportlichen“ Situationen.
Das aber meine ich nicht. Ich denke an diejenigen, die sich auf diesem Kontinuum außerhalb der gesunden physiologischen Norm – also in einem kranken pathologischen Bereich – befinden. Das können durchaus beide Seiten sein. Der eine kann nicht planen oder einen Plan einhalten … was den Partner frustriert. Oder ein anderer kann nur nach festem, fixem, starrem Plan sein Leben bestreiten. Frei nach dem Motto „Bausparen ist sexy“ 😊.
Ich hoffe, dass du hierüber ein wenig schmunzeln kannst. Was aber, wenn sich dein Gegenüber tatsächlich als solch ein pathologischer Planer herausstellt? Er bestimmt Tag, Ort, Treffpunkt, Zeit. Hat alles im Voraus geplant…. Spricht im ersten Date eventuell sogar schon von einer angeplanten Zukunft…
Das kann ein Frühwarnsignal sein, muss aber nicht. So wie bei der GPS-Navigation, in der Körpersprache oder auch in der Forensik nicht ein einziges Signal entscheidend ist, aber hilfreich sein kann, so ist es auch mit diesem planerischen Aspekt. Ein Planer könnte vielleicht einfach nur gut organisiert sein, kann aber auch eine kontrollierende narzisstische Persönlichkeit sein. Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling. Ist aber ein interessantes Indiz (lat. „indicium“ = Anzeichen / Merkmal)
Ein weiteres Indiz, Schwalbe, GPS-Signal könnte das uns bereits bekannte Love Bombing sein. Dieser Begriff „Love Bombing“ ist noch gar nicht so alt. Vor ca. 50 Jahren, in den 1970er Jahren, wurde es von Mitgliedern der Unification Church (ein anderer Name für die Mun-Bewegung aus Südkorea – bekannt für die Massenhochzeiten) genutzt, um damit ihre manipulative Strategie zu beschreiben, neue Mitglieder mit übermäßiger Zuneigung und Aufmerksamkeit förmlich zu überschütten und dadurch eine emotionale Bindung zur Gruppe erzeugen.
Love Bombing ist ein typisch narzisstisches Stilmittel und sollte deshalb als klassisches Frühwarnzeichen nochmals genauer betrachtet werden. Nicht dass es irgendwie noch in Vergessenheit gerät. Nehmen wir an, du gehst mit jemanden aus und er / oder sie stimmt dir in allen Bereichen nur zu … spüre den Fehler. Eine Partnerschaft mit gesunder Erotik lebt auch von einer gewissen Spannung die sich durch gegensätzliche Pole ergibt. Eine Batterie, jedes Kraftfeld benötigt zwei unterschiedliche Pole. Ansonsten ist es kein Kraftfeld. Das wäre dann nur potentielle Energie die aber nicht wirksam ist.
Wer dir nur schmeichelt ist ein Lügner! Das ist zwar hart gesagt, leider aber auch die nackte Wahrheit. Klar tut es gut, auch mal etwas Nettes, schmeichelhaftes, ein Kompliment zu hören. Wer aber nur lobt, der lügt und spielt nur mit dir. Zu Love Bombing gehört klassischerweise auch, viel zu schnell und viel zu viele Pläne mit dem Gegenüber machen zu wollen. Den Anderen – übertrieben ausgedrückt – bereits ab dem ersten Date für den Rest des Lebens zu verplanen. Denke immer daran, dass ein Narzisst – so unreif er in einer dauerhaften Bindung auch sein mag – doch recht clever darin sein kann, den Anderen von sich einzunehmen und regelrecht zu blenden. Und ehe du noch bis drei zählen kannst, richtet er / sie sich gemütlich in deinem Leben ein und wie ein Vampir saugt er dir dann deine Zeit und Energie weg. Manchmal leider auch das Geld.
Sei also wachsam wie eine Schlange und hebe nicht zu schnell den Kopf (chinesisches Strategem Nummer 13) Wenn etwas zu schön um wahr zu sein erscheint, dann ist es dies meistens auch nicht.
Kennst du noch die alte Sparkassen-Werbung aus dem Jahr 1995? Hier der Link Mein Haus, mein Auto, mein Boot … 😊 Diese Werbung hat meines Erachtens einen recht interessanten Nerv getroffen: Indem hier das Prahlen besonders stark hervorgehoben wurde – einige Leute im Restaurant haben entsetzt die Augen aufgerissen als „Schubert und Schröder“ zu ihrem verbalen Schlagabtausch gestartet sind.
Dabei wird eines jedoch deutlich: wer wirklich Grund hätte zu prahlen, egal ob mit Geld, Erfolg, Leistung … der würde sich ist in der Regel am meisten zurückhalten. Ihnen ist die Anerkennung anderer bei weitem nicht so wichtig, wie einem Neureichen. Absolute Angeber sind leicht zu erkennen. Diese „Deal-Maker“ sind fast schon zu (!) lustig, wenn sie
Na … wie viele Narzissten spürst du aktuell bereit in deiner Umgebung?
Vor Jahren habe ich einem Personalchef in einer großen Firma folgenden Ratschlag mit auf den Weg gegeben: „Wenn du jemanden in das verantwortungsvolle mittlere Management einstellen willst, dann ist dies eine Entscheidung mit sehr weitreichenden Folgen – zum Guten aber auch zum Negativen… Geh mit deinem Bewerber in ein Restaurant, in welchem du vorher mit dem Inhaber eine Vereinbarung getroffen hast: „Egal was dein mitgebrachter Gast bestellt, bring ihm etwas anderes.“ Die erste spontane Reaktion dem Kellner gegenüber zeigt dir
Solch eine Situation zeigt – wenn sie wirklich überraschend kommt – das wahre innere ich. Achte einmal darauf, ob er sich beschwert oder sich herablassend verhält. Eventuell macht er Witze und demütigt das Servicepersonal. Oder aber er nimmt ihn in Schutz, geht locker drüber hinweg und löst die Spannung durch Humor auf.
Natürlich möchten wir immer lieber mit jemanden ausgehen, der sich wir in der zweiten Variante verhält. Leider sind diese Personen immer seltener zu finden. Unsere Welt wird immer narzisstischer und damit egoistischer. Achte darum auf diese Warnzeichen und ziehe deine Schlüsse.
Eine andere Erfahrung: Auf einem kanadischen Flughafen durfte / musste ich einmal beobachten, wie sich ein deutscher Fluggast dermaßen laut darüber beschwerte, dass seine Fenster-Sitzplatzreservierung storniert wurde, weil zwei Flüge zusammengelegt wurden. Der gesamte Flughafen (ich übertreibe ein wenig) wusste darüber Bescheid. Ein Manager kam und bot dieser Person ein Upgrade in die Business-Class an. Da er in der Warteschlange vor mir stand, konnte ich alles in Ruhe beobachten. Seine stolzgeschwellte Brust war offensichtlich, als er sein Upgrade-Ticket in der Hand hielt und durch das Gate ging.
Bringt uns Unhöflichkeit also doch weiter? Ist sie eine Eigenschaft, die sich eventuell doch lohnt? Meiner Beobachtung nach nein! Es ist eher ein Zeichen mit einer unreifen Frustrations-Toleranz, ein Problem in seiner Wutbewältigung. Klar, wir alle haben unsere guten und unsere schlechten Tage. Wenn ich aber ein klares Muster sehe, dass jemand keine Perspektive hat um ruhig zu bleiben, dann hat er mit Sicherheit ein Problem.
Noch ein Wort zum Thema Finanzen. Beobachte mal ganz unvoreingenommen, welche Art von Geschenken ein Narzisst macht. Ein Geschenk enthält immer eine Botschaft – ähnlich unserer Sprache wo wir Worte auch immer mit einer emotionalen Botschaft übermitteln. Das Wort Geschenk kommt von dem mittelhochdeutschen Wort „schenken“ oder jemanden etwas zu trinken zu geben. Wir alle brauchen Wasser zum Leben. Ein Geschenk ist im Grunde genommen viel mehr als nur eine reine Geste. Es zeigt den Wert, den wir unserem Gegenüber geben. Ist dir aber mal aufgefallen, dass Narzissten recht extreme Geschenke machen? Entweder sind diese so protzig, dass damit offensichtlich ihre Botschaft gesehen wird „sehr her, ich (!) kann es mir leisten und du stehst ab sofort in meiner Schuld“ oder andererseits sind diese Geschenke dermaßen geizig, dass sie fast schon peinlich sind. Knauserig sein beim Trinkgeld ist eine Sache, aber ich habe schon beobachtet, dass einige Prahler auf die Toilette gegangen sind, als es darum ging, die Rechnung zu bezahlen. Traurig, aber wahr…
An ihren Taten werdet ihr sie erkennen … Ein Zitat aus unserem wunderbaren Kulturbegleiter der Bibel. Bestimmt ist es auch dir bekannt. Was aber hat dies mit dem Thema Narzissmus zu tun? Unsere Taten sollten mit unseren Worten übereinstimmen, also synchron miteinander sein. Synchron kommt aus dem griechischen Wortschatz: „syn“ = zusammen und „chronos“ (Dem Gott der Zeit im Gegensatz zu Kairos der den Zeitpunkt versinnbildlichte) Zeit. Synchron bedeutet also gleich / gemeinsam in der Zeit sein. Wir kennen diesen Begriff einer Synchronizität auch in der Psychotherapie. Bereits der große Psychoanalytiker Carl Gustav Jung gebrauchte ihn, um eine Spiegelung zwischen einem inneren Erleben und äußeren Ereignis zu beschreiben.
Versuchen wir das mal auf den Narzissten beim ersten Kennenlernen anzuwenden. Er spricht davon, dass es sein größter Wunsch sei, endlich eine Familie zu gründen, ein Haus zu kaufen, Kinder zu bekommen und jetzt (!) mit Dir (!) ist endlich der richtige Zeitpunkt dafür gekommen. Das ist der Moment, an welchem du hellhörig werden solltest. Niemand ist wirklich seriös (lat. „sérius) wenn er mit solch einschneidenden Veränderungen bei dem ersten oder zweiten oder meinetwegen auch dritten Date beginnt. Wenn jemand wirklich an einer langfristigen Beziehung interessiert ist, dann ist seine Geschwindigkeit deutlich angemessener.
Was wäre dann mein Tipp: Nimm auch du die Geschwindigkeit etwas raus. Gehe in die sogenannte Meta-Ebene / die Vogelperspektive und frage ihn nach seiner persönlichen Vergangenheit.
Es könnte sein, dass er über eure Beziehung später – sofern sie in die Brüche gehen sollte, genauso reden wird. Ein Narzisst ist dafür bekannt, dass er Beziehungen durch seine Unreife schnell aufgibt, von einer zur nächsten wandert und diese Bindung förmlich verheizt.
„Er ist praktisch ein wandelndes Geheimnis.“ Das Wort Geheimnis wurde tatsächlich erfunden, und zwar von keinem anderen als Martin Luther höchstpersönlich, der die Bibel in die deutsche Sprache übersetzte. Er hielt das lateinische Wort Mysterium für zu schwierig als das es das „gewöhnliche Volk“ hätte verstehen können, sodass er mit dem Begriff Geheimnis eine deutsche Entsprechung schuf. Ein Geheimnis sollte etwas sein, was zu dem Haus gehörte. Etwas, was nur wenigen vertraut ist.
Verwenden wir dies nun mal auf den Narzissten. Er macht oft aus seinem Leben ein Geheimnis. Verdeckt seine eigenen Schwächen vor dir, forscht dich jedoch sehr genau nach deinen Schwachpunkten aus, um diese später gegen dich verwenden zu können. Dich damit kleiner und sich größer machend. Mit Sicherheit hast du solch ein Verhalten schon beobachten können.
Was aber bedeutet es, wenn er aus seinem Leben ein Geheimnis macht? Leider nichts anderes, als dass du nicht in seinen inneren Kreis gehörst. Er kennt alle deine Schwachstellen, deine Unsicherheiten, dass, was dich wirklich bewegt. Du nimmst ihn in deinen inneren Kreis auf, machst dich verwundbar ihm gegenüber. Und er? Leise lächelnd hört er dir zu, merkt sich deine Schwachstellen und wird diese mit höchster Präzision später gegen dich verwenden.
Was ist mein Tipp? Spüre in dich hinein … Fühlst du dich von ihm in seinen inneren vertrauten Kreis aufgenommen? Wie behandelt er dich in der Öffentlichkeit? Fühlst du dich bei ihm stark und geschützt, oder macht er sich über deine kleinen Unvollkommenheiten im Kreise anderer lustig?
Make myself great again 😊 Manchmal könnte man den Eindruck haben, unsere Gesellschaft verinnerlicht diesen etwas abgewandelten politischen Spruch immer mehr und macht dies zu einem Massenphänomen. Angefeuert wird dies alles durch die immer stärker genutzten Sozial Media Plattformen. Stand Frühjahr 2025 hat Facebook 3 Milliarden Nutzer. Youtube kommt auf 2,5 Mrd., WhatsApp und Instagramm auf 2 Mrd. Nutzer. Hier kann man sich besonders leicht austoben und das neue Selbstbewusstsein wird durch Follower- und Like-Zahlen zementiert.
Aber was gehört zu einer guten Beziehung wirklich dazu? Eine Beziehung ist immer etwas Zweiseitiges, etwas, was sich durch Geben und (!) Nehmen auszeichnet. Also Reden inklusive Zuhören, Aktivität und aber auch Beobachtung. Ich denke da spontan wieder an den Begriff der Diplomatie. Das altgriechische Wort „Diploma“ bedeutet im Ursprung „doppelt gefaltetes Papier“. Diese Kunst der durchdachten, wohlüberlegten Beziehungsstrategie hat das Ziel, zwischen Staaten und einzelnen Personen durch Verhandlung und Dialog eine Beziehung aufzubauen. Man könnte es als „weiße Manipulation“ bezeichnen. Die weiße Manipulation ist offen und auf ein gemeinsames, positives Ziel ausgerichtet. Elterliche Erziehung und auch dieser Beitrag sind m.E. gute Beispiele hierfür.
Damit hat ein Narzisst aber rein gar nichts zu tun… Er steckt wegen seiner Bindungs-UN-reife (oder nach dem Psychotherapeuten Hans-Joachim Maaz „in einem Muttermangel“) in einer schwarzen Manipulationsschleife fest. Die schwarze Manipulation ist – im Gegensatz zu der weißen – verdeckt und hat ausschließlich den eigenen Vorteil im Sinn.
👉 Wie also kann ich einen Narzissten direkt erkennen? In seinen Gesprächen geht es ihm nicht darum, das Gespräch zu genießen, zuzuhören, vom Gegenüber zu lernen oder etwas zum Nutzen des Anderen beizutragen. Ihm geht es in erster Linie darum, dass sein Ego gestreichelt wird. Er braucht diese Bewunderung, dieses ständige Loben und Anhimmeln wie andere die Luft zum Atmen. Wenn dein Gegenüber also pausenlos auf dich einredet und dir irgendwann die Ohren wehtun von seinem Gerede, du dich auf der Toilette einsperren oder nach Draußen eine Zigarette rauchen gehen musst um nur einen Moment der Ruhe zu bekommen, dann kannst du davon ausgehen, dass dies seine dauerhafte Masche sein wird.
Solltest du dich wirklich auf ihn einlassen, dann kannst du dir sicher sein, dass wird deine Zukunft sein… Wenn du anfängst über etwas zu erzählen, was du erlebt hast, dann wird er dich mit einer noch größeren Sache unterbrechen die ER erlebt hat. Und warum? Weil er es nicht ertragen kann zuzuhören. Ihre eigenen Fähigkeiten, ihr eigener Erfolg, ihre eigenen Taten (mein Haus, mein Boot, mein Auto…) sind ihnen wichtiger als von ihrem Gegenüber etwas zu lernen – denn schließlich wissen wir ja bereits alles und lernen würde sie nur demaskieren.
Das einzige wo ein Narzisst die Gesellschaft anderer hervorhebt ist, wenn er in Abwesenheit über seine Freundschaft, seine Beziehung mit wichtigen Persönlichkeiten spricht, um damit zu glänzen. „Ich kenne den und den“ ich war auf einer Hochzeit bei Freunden in dem und dem Land…“ Das Ziel ist offensichtlich: Durch den Glanz dieser Freundschaften versucht er sein Gegenüber in den Schatten zu stellen. Die Folge davon: Man fühlt sich automatisch kleiner und kommt aus dem Grübeln nicht mehr raus „warum tue ich mir das überhaupt an? Warum bin ich zu dieser Einladung gegangen? Wieso bin ich in diese Beziehung eingestiegen?“
Mein Therapeutischer Tipp an dieser Stelle wäre, sich besonders folgende Frage immer wieder zu stellen: „Kann es sein, dass auch ICH mit dieser Beziehung etwas an mir kompensiere? Füllt der Narzisst ein Loch in mir?“ Dazu aber habe ich einen anderen Beitrag erstellt mit dem Thema: „Kollusion – Können zwei Narzissten miteinander glücklich werden?“
Meine Empfehlung für all diejenigen, die Narzissmus wirklich verstehen wollen!
Mitja Back gilt nicht zu Unrecht als international führender Narzissmusforscher. Der Persönlichkeitspsychologe beschreibt ein völlig neues, frisches und ermutigendes Bild über Narzissmus. Es ist keine Krankheit, sondern ein Persönlichkeitszug von uns allen. Bei dem einen oder anderen nur mehr ausgeprägt.
In diesem Werk zeigt Mitja Back, warum der Narzissmus Konflikte erzeugt aber auch große Chancen beinhalten kann. Narzissten können nämlich nicht nur vor den Kopf stoßen, sondern auch begeistern und andere antreiben.
Es sind viele Bereiche, die wir ansprechen können: Angefangen vom Umgang mit Narzissmus oder einer anderen belastenden Störung, aber auch über Future Faking, Love Bombing und Gaslighting die immer häufiger in unsere Gesellschaft zu beobachten sind.
Ich möchte aber nicht nur über Fragen sprechen, sondern auch praxisgerechte Lösungen anbieten:
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