Gibt es fĂŒr die Entscheidung gewisse Anhaltspunkte? Nun, Wissen ist der erste Schritt in Richtung einer selbstbestimmten und guten Entscheidung. Darum möchte ich Dir mit dieser ThemenĂŒbersicht genau diese Hilfe bieten damit Du in Deiner Suche nach einer Therapie, nicht direkt bei Null beginnen musst.
Genau zu diesem Thema: Borderline-Therapie habe ich bereits einige Videos auf Youtube eingestellt.
Die Therapie von selbstverletzendem Verhalten ist jedoch von vielen Dingen abhĂ€ngig: Logischerweise in ganz besonderem MaĂe von den FĂ€higkeiten und der Orientierung des Therapeuten. Psychotherapie ist schlieĂlich immer ein Prozess zwischen zwei individuellen Menschen, der sich auch immer wieder im GesprĂ€chsverlauf verĂ€ndert.
Was aber fast noch wichtiger als die eigentliche Therapie ist, ist ihre Dauerhaftigkeit und StabilitÀt dieser therapeutischen Beziehung.
Man erreicht diese StabilitÀt am ehesten
Durch diese schriftlich fixierte in der âTherapie-Beziehungâ werden entweder die starken Impulshandlungen verhaltenstherapeutisch, alternativ die Objekt-Beziehungen psychodynamisch oder aber die posttraumatischen Probleme traumaorientiert behandelt.
Je nach Art und Weise der Therapie wird das Selbstverletzende Verhalten dabei dann auch ganz unterschiedlich interpretiert und fĂŒr sich eingeordnet.
Das bei allen Therapien angestrebte Ziel ist es, innere aber auch zwischenmenschliche Spannungen zu reduzieren und Alternativhandlungen gewissermaĂen als Ersatz fĂŒr das selbstverletzendes Verhalten einzuĂŒben.Â
Im Grunde genommen â und das soll jetzt mal als eine gute Nachricht verstanden werden – gehört dieses Selbstverletzende Verhalten zu den wenigen Symptomen im Bereich Borderline, die an sich recht schnell und auch gut auf eine Therapie ansprechen.
All die unterschiedlichen Therapiestrategien zeigen nĂ€mlich, dass selbstverletzendes Verhalten bereits im ersten Behandlungsjahr massiv zurĂŒckgehen kann.
Eine Studie zeigte sogar einen RĂŒckgang von > 85% innerhalb von 10 Jahren wĂ€hrend der Behandlung (Wenn wir hier von 10 Jahren spreche – bedenke bitte immer, Borderline-Therapie ist eine langandauernde Therapie!)
Woher kommen diese Erfolge?
Kommen wir nun mal zu den verschiedenen Therapieangeboten, die uns derzeit zur VerfĂŒgung stehen. Sei Dir hierbei sicher, dass in Zukunft noch viele weitere Angebote hinzukommen werden. Diese Ăbersicht soll genau das darstellen, wie sie auch benannt ist: Eine Ăbersicht⊠ohne Anspruch auf VollstĂ€ndigkeit.Â
Die psychodynamische Psychotherapie hat sich seit Anfang des 20. Jahrhunderts auf der Grundlage der Psychoanalyse entwickelt. Diese Psychoanalyse ist die von Siegmund Freud entwickelte Methode um den unbewussten Teil des psychischen Lebens bewusst zu machen und diese zu erforschen.
Sie ist wohl die am meisten verwendete Therapieform fĂŒr psychogene Störungen âdh. fĂŒr Neurosen, psychosomatische Störungen und auch Persönlichkeitsstörungen.
Aktuell werden in Deutschland in der kassenfinanzierten Psychotherapie ca. 50â% der Patienten nach einem psychoanalytischen Verfahren und die andere HĂ€lfte nach der Verhaltenstherapie behandelt.
Wir unterscheiden in der psychoanalytischen Psychotherapie die folgenden vier Behandlungsphasen bei Patienten mit selbstverletzenden Verhalten:
(2) Danach sollte der Therapeut so langsam aus der Deckung herauskommen â das ist jetzt die zweite Phase – und in die Rolle des aktiven Teilnehmers ĂŒbergehen. Er sollte dann der aktive und aufmerksame Zuhörer sein.
Dies muss aber dem Patienten gegenĂŒber deutlich kommuniziert und angekĂŒndigt werden, denn ⊠die Gefahr wĂ€re groĂ, dass sich der Patient zurĂŒckgewiesen fĂŒhlt, oder vielleicht den Eindruck bekommt, der Therapeut zieht sich zurĂŒck und interessiere sich nicht mehr fĂŒr ihn.
Das Hauptaugenmerk in dieser zweiten Phase ist also die Behandlung von Alltagsproblemen und die aktuelle Situation selbst.
(3) Jetzt erst, in der dritten Therapiephase beginnt die eigentliche Arbeit am und mit dem GegenĂŒber gemeinsam. Hier werden dann die zentralen Erfahrungen in der Kindheitsgeschichte aufgedeckt.
(4) In der vierten steht dann die Beendigung der Therapie im Vordergrund.
Warum wird dieser Phase ein besonderer Blick gewÀhrt?
Nun, in dieser Phase kommt es nĂ€mlich hĂ€ufiger zu Regressionen und RĂŒckfĂ€llen.
Als eine besonders herausragende Therapieform zu diesem Thema, könnten wir die Ăbertragungsfokussierte Psychotherapie (TFP) erwĂ€hnen. Diese Therapie gibt dem selbstverletzenden Verhalten einen vertraglich ganz genau geregelten Raum, der noch vor (!) Therapiebeginn zwischen dem Therapeuten und dem Patienten ausgehandelt wird.
Dadurch wird die Verantwortung fĂŒr die Verletzung – so weit wie irgend möglich â dem Patienten wieder selbst ĂŒbertragen. Dem Opfer-TĂ€ter-Retter-Spiel, welches Patienten so sehr lieben wird damit die Grundlage entzogen
Er muss dann zwangslÀufig aus seiner Opferrolle raus, denn das Ziel ist es ja, dass die Dynamik hinter diesem  selbstschÀdigenden Verhalten von ihm verstanden und dann auch eigenstÀndig aufgearbeitet wird.
Auch wird durch diese ĂŒbertragungsfokussierte Psychotherapie gezeigt, wie sich das SVV auf die Umgebung auswirkt. Hierzu wird es in KĂŒrze einen gesonderten Beitrag geben
Eine weitere, sehr stark verbreitete Therapieform ist die MBT â das heiĂt die âMentalisierungsgestĂŒtzte Behandlungskonzeptâ
Mentalisierung ist die FĂ€higkeit, das Verhalten von sich selbst und von anderen richtig zu interpretieren. âAm Verhalten des anderen ablesen, was in seinem Kopf vor sich geht…!
Die MBT konzentriert sich einerseits auf die Kontrolle aber auch gleichzeitig auf die FlexibilitĂ€t des Verhaltens Sie (MBT) misst dem selbstverletzenden Verhalten einen sehr hohen Stellenwert bei â d.h. sie kehrt diese Problematik / diese Thematik definitiv nicht unter den Tisch.
Selbstverletzendes Verhalten wird hier als eine Wieder-Stabilisierung angesehen, wenn bei dem Betroffenen eine IchâAuflösung (wir nennen es eine Fragmentierung) oder ein Selbstverlust droht. Die Mentalisierungsbasierte Therapie untersucht den inneren und den zwischenmenschlichen Rahmen des selbstverletzenden Verhaltens ganz genau im Detail, um dadurch irgendwie zu erkennen: was nun wann, und was im Einzelnen, die Auflösung der Ich-Struktur denn nun ausgelöst hat.Â
Wir könnten das groĂe Feld der Verhaltenstherapie mal in 6 groben Schritten zusammenfassen:
(1) Identifiziere und lösche positive und auch negative VerstĂ€rker fĂŒr selbstverletzendes Verhalten.
(2) Benutze die kognitive Therapie, um Denk- Strukturen zu verĂ€ndern, die dieses selbstverletzende Verhalten begĂŒnstigen. Entwickle zusĂ€tzlich Denkmuster, die selbstverletzendes Verhalten nicht mehr akzeptabel machen, und welche dann die Selbstsicherheit und die Toleranz Affekten gegenĂŒber steigern.
(3) Benutze Sensibilisierungsstrategien, um die Toleranz in Bezug auf Stress zu erhöhen. Das sollten z.B. Pausen, Belohnungen, ErnÀhrung, Sport ect⊠sein
(4) Nutze auch die soziale UnterstĂŒtzung in der therapeutischen Beziehung, um ein neues / ein erwĂŒnschtes Verhalten heraus zu arbeiten.
(5) Nutze VerstĂ€rkung und Vereinbarungen von auĂen um dieses Neugelernte weiter zu verstĂ€rken. Arbeite an den sogenannten BewĂ€ltigungâStrategien (Skills),
(6) Und wenn natĂŒrliche VerstĂ€rker in der Umwelt auftauchen und dich unterstĂŒtzen, dann nimm die erlernten VerstĂ€rker wieder zurĂŒck
Und ĂŒber allem thront eine weitere wichtige Sache: Nutze die Macht von den bereits erwĂ€hnten schriftlichen Vereinbarungen. Du glaubst gar nicht, wie moralisch Vereinbarungen wirken können
Ein Beispiel fĂŒr die Behandlung von selbstverletzendem Verhalten im Rahmen der Verhaltenstherapie ist z.B. die Dialektisch â Behaviorale Therapie. Wenn Du ĂŒber diese Therapieform einen genaueren Einblick haben möchtest, dann schau dir hierzu gerne meinen Bericht an auf meiner Webseite an. Du findest hier sowohl das Video als auch den Redetext:
https://werdewiederstark.de/borderline-therapie-teil-4-gespraechstherapie/
Auch in der Dialektisch â Behavioralen Therapie (DBT) hat das selbstverletzende Verhalten eine extrem hohe PrioritĂ€t. In erster Linie zielt sie darauf ab, mit ImpulsivitĂ€t, mit instabilem- und auch mit selbstverletzendem Verhalten besser umgehen zu lernen.
Diese Therapieform hat schon sehr lange und ausfĂŒhrlich bewiesen, dass sie dieses selbstverletzende Verhalten sehr wirksam bekĂ€mpft:
Ein Beispiel fĂŒr Ihr Vorgehen hierbei ist z.B. folgendes:
â Zeigt der Patient, dass er / sie sich vorstellen kann, das selbstverletzende Verhalten aufzugeben, dann sollte der Therapeut unmissverstĂ€ndlich zeigen, dass es schon ein groĂer Unterschied ist sich zu entschlieĂen (!) ein Verhalten zu verĂ€ndern, und es anschlieĂend dann auch wirklich in die Tat umzusetzen.
Das zeigt, wie tief es hierbei in die Verhaltenstherapie hinein geht. Es zeigt aber auch, das eine VerhaltensĂ€nderung in dieser Tiefe ein sehr langer Weg in der Umsetzung sein wirdâŠÂ RĂŒckschlĂ€ge sind dabei praktisch unvermeidbar â aber völlig normal.
Man kann also selbstverletzendes Verhalten nicht generell verbieten. Um jedoch erfolgreich zu arbeiten, ist ein starker Entschluss und eine anhaltende Motivation dieses umzusetzen nötig.
Das angestrebte Ziel in der traumazentrierten Therapie ist es, die zu dem selbstverletzenden Verhalten fĂŒhrenden posttraumatischen Erinnerungen oder die dissoziative Derealisation und Depersonalisation durch eine beruhigende Traumasynthese zu beenden.
Selbstverletzendes Verhalten wird hier als eine Selbstmedikation und -regulation der wiederkehrenden oder auch der spaltenden / dissoziativen ZustÀnde verstanden.
Die Verletzungen werden hierbei zwar medizinisch korrekt versorgt, aber so wenig wie möglich (!) durch ein Besprechen dieser verstĂ€rkt oder bestĂ€tigt. âEs ist halt mal wieder geschehen â und es wird nicht einer besonderen Bemerkung gewĂŒrdig.â
Auch hier werden Vereinbarungen getroffen, dass die Selbstverletzungen z.B. nicht lebensbedrohend werden, auch nicht durch die Therapie weiter zunehmen und auch nicht mal andeutungsweise manipulativ eingesetzt werden dĂŒrfen.
Der zwischenmenschliche Blickwinkel dieser Handlung soll therapeutisch betrachtet auf ein absolutes Minimum reduziert werden.
Die dialektisch â Behaviorale Therapie entwickelt zurzeit (als âDBT â PTBSâ bezeichnet) ein speziell traumazentriertes Verfahren, dass sich ganz speziell mit der Borderline Symptomatik befasst. Sie soll zeigen, dass die Behandlung einer posttraumatischen Belastungsstörung ohne Beachtung der Traumafolgestörungen praktisch ĂŒberhaupt nicht möglich ist.Â
Dies ist ein sehr delikates Thema, die Selbstverletzung innerhalb der Familie therapeutisch aufzuarbeiten â und das gleich aus mehreren GrĂŒnden:
Wir unterscheiden grundsÀtzlich einmal folgendeTypen von Selbstverletzern in der Familiendynamik:
Die Familientherapie muss all diese Faktoren entsprechend erkennen / diagnostizieren und dann auch möglichst in die Therapie auch mit einbeziehen.
Forscher sehen das selbstschĂ€digende Verhalten aktuell als Versuch, die widersprĂŒchlichen Signale der eigenen Eltern genauso â wie ein Spiegel – in eigener widersprĂŒchlicher / paradoxer Form zu beantworten.
Was ist also die Ursache? Die Frage nach Huhn oder Ei als Erstem kommt auch in diesem Thema immer wieder auf und ich wiederhole gerne meine Kernaussage: âNiemand kommt als Borderliner zur Weltâ
Sieh Dir hierzu gerne einmal folgenden Beitrag in aller Ruhe an:
Die Familientherapie zielt darauf ab,
Die Gruppendynamik und die Behandlung einer ganzen Gruppe Betroffener â z.B. in einer Klinik – ist ganz besonders wichtig, wenn Selbstverletzungen sich aus der Gruppendynamik heraus entwickeln
In einer staatlich psychiatrischen Klinik â das nur mal als Beispiel aufgefĂŒhrt – registrierte man in einem recht kurzen Zeitraum von nur drei Tagen 81 solcher Selbstverletzungen bei 12 Patienten im Alter zwischen 14 und 22 Jahren. Das fĂŒhlte sich wie ein Tsunami / wie eine Epidemie an.
Logischerweise fĂŒhrte dies in der Klinik zu einer groĂen Aufregung, inklusive massiven Spaltungs â, Konfusions â und Fragmentations â Erscheinungen.
Und um der Situation nun irgendwie gerecht zu werden wurde umgehend ein eigenes Klinikkomitee gegrĂŒndet â Ă€hnlich einer Task Force – um das Problem zu lösen. Als Ergebnis wurden fĂŒnf Empfehlungen aufgestellt:
Durch diese fĂŒnf MaĂnahmen sank die Zahl der Handlungen schlagartig wieder auf ein ânormales Niveauâ. Diese 5 Empfehlungen zeigen, dass ein konkretes und zielgerichtetes Reagieren sehr groĂe Auswirkungen haben kann. Therapie und Umgebung kann also wirklich helfen â man steht diesem Verhalten nicht hilflos gegenĂŒber!!!
Sie sind aber nicht die einzige Möglichkeit, dem selbstverletzenden Verhalten konkret entgegen zu treten. Ich kann noch von einer weiteren besonders erfolgreichen VerĂ€nderung in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung fĂŒr Ă€ltere Jugendliche berichten: Auch diese geschlossene Station hatte eine hohe Zahl an Selbstverletzungen zu verzeichnen. Die Patienten liefen nachts von der Klinik weg und zeigten tagsĂŒber ĂŒberdurchschnittlich viel impulsives Verhalten.
Man stellte dann nach einem genauem Beobachten fest, dass die verschlossene TĂŒr der Klinik bei den Patienten stĂ€ndig mit einem Misstrauen gegenĂŒber der Klinikleitung und dem Klinik-Personal in Verbindung gebracht wurde. Dies fĂŒhrte zu einem rigiden, unnachgiebigen und auch stark regressiven Verhalten bei den Stationsbewohnern.
Nach heftigen / intensiven Diskussionen wurden dann aber schlussendlich die TĂŒren der Station geöffnet. Und das Ergebnis war mehr als erstaunlich:
Bereits im ersten Monat nach dem Ăffnen der TĂŒr sank das selbstverletzende Verhalten um 94 %, das AusreiĂen um 73 % und das impulsive Verhalten um 69 %. Im Laufe eines Jahres sank die Zahl an Selbstverletzungen um sagenhafte 67 %. Es gab auch spĂ€ter praktisch keine weitere Epidemie an Selbstverletzungen.
FĂŒr die ĂŒberwiegende Zahl der Patienten und auch der Mitarbeiter fĂŒhlte sich das Ăffnen der TĂŒren in der Station wie ein Plus an Sicherheit und Geborgenheit an.
Es hört sich paradox an â aber Freiheit wurde bei diesen Angst-Patienten (Angst ist die treibende Kraft des Borderliners) hier in der Klinik ausdrĂŒcklich mit Sicherheit in Verbindung gebracht!
Das Einrichten von Selbsthilfegruppen â beginnend seit ca. 1988 ist ein klarer Hinweis auf ein wachsendes Bewusstwerden fĂŒr selbstverletzende Verhalten. Eine der gröĂten dieser Organisationen trĂ€gt den Namen âSelf Abuse Finally Endsâ (SAFE). In GroĂbritannien entstand der âBristol Crisis Service for Womenâ und 1989 die âSelf-Harm-Conferenceâ.
Aus all den Erkenntnissen welche in diesen Gruppen und ihren Arbeiten entwickelt wurden, entstand im Laufe der Zeit ein sehr wertvoller Leitfaden von Betroffenen fĂŒr Betroffene.
Inzwischen gibt es auch immer mehr Literatur von Berichten und SelbsthilfebĂŒcher von Betroffenen in Deutsch.
Eine vielleicht etwas sehr anstrengende Zusammenstellung von Erfahrungsberichten Betroffener, gespickt mit Selbsthilfetipps und auch Gedichten (!) enthĂ€lt z.B. das Buch âAnders Leben: selbstverletzendes Verhaltenâ (Dark Angel 2004). Hier sind dann auch die Anlaufstellen fĂŒr Beratungsstellen in ganz Deutschland aufgefĂŒhrt.Â
Die Pharmakotherapie von selbstverletzendem Verhalten ist in den GrundzĂŒgen praktisch identisch mit der Medikamenten-Therapie der Borderline â Persönlichkeitsstörung.
Kurz und knapp gesagt: Wir können â Stand heute â keine störungsĂŒbergreifende Psychopharmakologische Empfehlung abgeben, um selbstverletzendes Verhalten mit Medikamenten wirkungsvoll angehen zu können.â
Wenn jemand gehen möchte, dann geht erâŠ. Leider âŠâŠ
Ist das selbstverletzende Verhalten denn nun ein psychosomatisches oder ein somatisches/ körperlich ausgelöstes Geschehen? Worin liegt die Ursache, oder was ist die Wirkung?
Wir können es nicht von der Hand weisen: selbstverletzendes Verhalten mĂŒssen wir zumindest teilweise als somatisch mit(!)verursachte Störung beschreiben. Um diese Frage beantworten zu können, sind Tierversuche eine von mehreren möglichen Herangehensweisen.
Man bedient sich hierbei unter anderem dem âsozialen Deprivationsmodellâ bei Menschenaffen.
Ein Deprivationsmodell ist, wenn dem Nachwuchs die Mutter und damit die NestwĂ€rme entzogen wird. Bei den in diesem Versuch deprivierten Kindern kommt es dann deutlich vermehrter zu SVV. Dieses wird als Ausgleich zu dem Reizdefizit angesehen â ganz und gar vergleichbar mit dem Reizentzug in einer Isolationshaft / Einzelhaft.
Stell dir einen Gefangenen in einer Einzelzelle vor, oder einen Tiger im KÀfig⊠Wie oft hat man dann schon gesehen, wie er immer wieder hin und her geht und auch mit dem Kopf gegen die Wand schlÀgt.
Zur Biologie und Neurobiologie von selbstverletzendem Verhalten werde ich noch einen separaten Beitrag erstellen.Â
Nach all dem was wir hier jetzt in den 4 Teilen miteinander besprochen haben, können wir uns zu folgender Hypothese / Arbeitsgrundlage im Zusammenhang von Stress, ImpulsivitĂ€t, Spannung, Dissoziation und selbstverletzendem Verhalten hinreiĂen lassen:
Aufgrund der genetischen Veranlagung, frĂŒhkindlicher VernachlĂ€ssigung und SchwĂ€chung durch Traumen der Ich-Funktionen sind Betroffene mit einer Borderline â Persönlichkeitsstörung deutlich weniger dazu in der Lage, SpannungszustĂ€nde aller Art vernĂŒnftig in ihrem Leben zu regulieren.
All diese intensiven inneren und zwischenmenschlichen SpannungszustĂ€nde, die unter anderem beim Wiedererleben von Traumen / oder von Flashbacks unverarbeiteter traumatischer Lebenserfahrungen hochkommen, fĂŒhren dann zwangslĂ€ufig zu einem teilweisen RealitĂ€tsverlust und zu starker Hochspannung.
Ist diese Anspannung dann am aushaltbaren Höhepunkt angelangt, schaltet das Gehirn dieser Personen praktisch reflexhaft in eine Dissoziation / in eine Spaltung um.
Dies alles wird aller Wahrscheinlichkeit nach vom körpereigenen Opioidâ und SerotoninâSystem ausgelöst und wirkt in diesem Moment förmlich wie eine Schutzwand gegen die Ă€uĂeren Reize. Wir können hier schon von einer Art Selbstmedikation des Körpers und auch der Seele sprechen.Â
Dieser Schutz hĂ€lt aber nicht lange an. Sehr schnell wirkt er sich sogar kontraproduktiv aus, weil sich durch diese Schutzmauer das GefĂŒhl wie in einer Einzelhaft einstellt.
Und was ist die Folge davon? Logischerweise die Deprivation / das GefĂŒhl der VernachlĂ€ssigung. In diesem Zustand der sozialen Isolation und der inneren Reizarmut wirkt das selbstverletzende Verhalten dann auf den Leidenden Wiederbelebend.
Und es ist wirklich so:
Selbstverletzendes Verhalten ist ein Wiederbelebungsversuch, und nur in AusnahmefÀllen ein Teil-Suizid.
Kannst Du Dich noch an die Lobotomie im ersten Teil dieser Reihe erinnern? Stichwort: Jack Nicholson âEiner flog ĂŒbers Kuckucksnestâ Mit einem leicht sarkastischen Augenzwinkern habe ich auf die âtollen Ergebnisse einer prĂ€frontalen Lobotomieâ hingewiesen.
Ich bin der Ăberzeugung: Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten eine Vielzahl deutlich wirksamerer Mittel und Therapien entwickelt, die den Betroffenen helfen, mit der Borderline-Störung effektiver umzugehen.
Wir dĂŒrfen gespannt darauf sein, was die Zukunft bringen wird.
Es sind viele Bereiche, die wir ansprechen können: Angefangen vom Umgang Borderline oder einer anderen belastenden Störung, aber auch ĂŒber Future Faking, Love Bombing und Gaslighting die immer hĂ€ufiger in unsere Gesellschaft zu beobachten sind.Â
Ich möchte aber nicht nur ĂŒber Fragen sprechen, sondern auch praxisgerechte Lösungen anbieten:
Buchen Sie sich einfach auf meinem Online-Kalender ein Zeitfenster oder nutzen Sie mein klassisches Kontaktformular um mit mir in Verbindung zu treten. Ich freue mich auf Sie. Ihr Marcus
Ein Buch, das praxistauglicher kaum sein kann. Persönlichkeitsstörungen sind aufgrund der InstabilitĂ€t an KomplexitĂ€t praktisch nicht zu ĂŒberbieten. Darum machen viele Psychotherapeuten auch einen Bogen um die Therapie hiervon Betroffener. Nicht so der Psychiater Jerold Kreisman der sein Leben der Behandlung von Borderline-Persönlichkeitsstörung gewidmet hat. Das Lesen dieses Buches hat mich zu meiner U.M.W.E.G. inspiriert.Â
Aufgrund der vielen PraxisfĂ€lle kann man die Affekte und Symptome besser verstehen. Die vielen Tipps fĂŒr den Umgang mit den Betroffenen sind eine echte Hilfe und nehmen einem die Wut und Aggressionen, die oft im Kontakt mit dieser Krankheit entstehen und erzeugen vielmehr VerstĂ€ndnis und MitgefĂŒhl.Â