In meiner Beitragsreihe “Borderline-Skills-to-Go” und “Skills gegen Stress” teile ich “das Diplomzimmer” in die grĂĽne Depot-Gruppe ein. Wenn du wissen möchtest, welche anderen Werkzeuge / Tools / Skills im Kampf gegen Stress und Borderline-Ăśberforderung ich in eine GrĂĽne / Gelbe / Rote Gruppe einteile, dann lade ich dich ein, diesen Beitrag anzusehen:Â
Vorab ein Zitat, das Napoleon Bonaparte zugeschrieben wird: “Das Genie erkennt man daran, dass er – wenn alles um ihn herum im Wahnsinn versinkt – weiterhin stoisch ganz “normal” weiter handelt.Â
Ganz in diesem Sinne, bitte ich dich, auch meine Skill-Vorschläge / bez. “Stress-Werkzeuge” zu betrachten: Sie sollen Dir – egal ob durch Stress, Trauma oder einer grundlegenden Borderline-Thematik – in kritischen Situationen helfen, “normal” und mit kĂĽhlem Kopf weiter agieren zu können. Nicht mehr … aber auch nicht weniger.Â
Dieses nun folgende Werkzeug teile ich in die “grĂĽne Depot-Gruppe” ein. Seine entlastende Wirkung tritt nicht sofort ein. Oft erst nach 2 bis 3 Monaten. Dann aber wirkt es umso tiefer und besser in deinem Leben. Neugierig? Lass uns miteinander ins Arbeiten kommen …Â
Borderline-to-Go Teil 3
Geht es dir genauso? Im Kopf weiß man, dass man sich so oder so verhalten muss, aber der innere Drang, wütend zu werden, oder aus sich heraus zu platzen, ist größer als die Vernunft… Sei nicht traurig darüber wenn es dir immer wieder so geht … Genau das passiert jedem von uns auch … und dennoch, gibt es ein sehr wirksames Werkzeug im Kampf gegen solche Reflexe…
Bevor ich dir dieses Werkzeug gleich vorstelle, möchte ich noch kurz auf den Begriff Reflexe eingehen. Mit Reflex ist eine automatische Reaktion auf eine äußere Situation gemeint. 👉 Etwas tiefer in diese Thematik gehe ich in diesem Beitrag ein.
Es gibt angeborene Reflexe und erlernte Reflexe:
Vielleicht hast du ja auch das GefĂĽhl, dass du bei bestimmten Situationen immer wieder ähnlich falsch reagierst – wie ein falsches Drehbuch… und das sind unsere erlernten Reflexe! Wie man diese ändern kann, darĂĽber sprechen wir jetzt:
Ich möchte dir hier aber Mut machen! Du kannst das Drehbuch / dein Drehbuch neu schreiben! Und darum geht es nun in diesem Teil.
Die wissenschaftliche Grundlage hierfür ist wieder einmal der medizinische Nobelpreis aus dem Jahre 2000. Eric Kandel hat diesen Preis für seine Forschungen darüber erhalten, wie durch Neuroplastizität in unserem Gehirn der Übergang vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis funktioniert. Diese Neuroplastizität wird erst einmal angeregt durch häufiges Wiederholen. Dieses Wiederholen kann auch verstärkt werden durch emotional intensive Erfahrungen.
Was meine ich mit diesem „Anregen“?
👉 Emotional intensive und anregende Erfahrungen sind zum Beispiel unser allererster Kuss. An den zweiten und den dritten Kuss kannst du dich wahrscheinlich nicht mehr erinnern. Und wenn die Emotionen weniger sind, brauchst du öfter Wiederholungen, um dir etwas langfristig zu merken.
👉 Nehmen wir als zweiten Vergleich mal das Lernen von Englischvokabeln.
In der Schule musstest du bestimmt Englischvokabeln lernen. Das war erst einmal anstrengend und am Anfang oft auch langweilig! Dann aber kam dein erster Schüleraustausch. Kannst du dich daran erinnern? Vielleicht standest du vor einer bildhübschen jungen Engländerin / einem strahlenden jungen Engländer und wolltest ihm / ihr deine Gefühle offenbaren. Sofort und automatisch werden diese Empfindungen mit der englischen Sprache tiefer und du kannst auf einmal Englisch sprechen… So arbeiten Emotionen und Wiederholung gut zusammen!
Kommen wir zurĂĽck zu unserem Thema, dass wir uns mit der Hilfe von Werkzeugen Reflexe aneignen, die uns helfen, gerade in schwierigen Situationen unser Drehbuch des Handelns neu zu schreiben:
Unser Diplomzimmer ist ein Ort in unserer eigenen Vorstellung. Darum kann ihn uns auch keiner wegnehmen. Dieser Raum könnte folgendermaßen aussehen:
Für mich wäre es in diesem Falle mein Großvater. Mein persönlich besonderer Ort ist ein Berg in der Schweiz, auf den ich schon öfter hochgewandert bin.
Verfalle hier aber bitte nicht in den Fehler, dich nur an große oder vermeintlich wichtige Ereignisse zu erinnern! Es sind vielmehr die kleinen, sich täglich wiederholenden Dinge, welche aus dir das machen, was du eigentlich bist.
Ich selber fange mit so alltäglichen Themen an, wie zum Beispiel Händewaschen, Zähneputzen, Termine einhalten oder mit der Frage: „Habe ich heute jemand Anderem ein Lächeln geschenkt?“
Und ganz automatisch kommt man dann in das Nachdenken und es fallen einem mehrere Dinge des Tages ein. 👉 Mein Tipp: schreibe mindestens die ersten 4 Wochen deine Diplome auf, an die du dich erinnerst. Genieße es wie gesagt, wenn du dich immer wieder an die gleichen Diplome erinnerst! Denn, je öfter du dich an etwas erinnerst und je regelmäßiger du etwas tust, desto mehr wird es dann zum bewussten Bestandteil deines Lebens.
Der Vorteil hiervon ist, dass dies alles nicht von außen abgetan oder als unnütz dargestellt wird, sondern es ist ein reeller Teil deines persönlichen Lebens! Es ist nämlich gar nicht so unwichtig, ob ich mir jeden Tag die Hände wasche, die Zähne putzen, Termine einhalte oder Menschen freundlich Grüße! Genau das ist es nämlich, was uns als Persönlichkeit ausmacht!
Ist dies aber nicht ein verklärender und falscher Blick auf die Probleme? Muss ich mich nicht vielmehr auf die Schwierigkeiten konzentrieren? … Die Welt ist doch kein Ponyhof …
Nun, dazu möchte ich gerne folgende Frage stellen: Sind die negativen Glaubenssätze mit denen wir uns tagtäglich immer wieder auseinandersetzen müssen, wirklich der Wahrheit entsprechend? Das sind dann so Sätze wie: „Ich schaffe es nicht“ „Ich bin zu blöd für alles“ „Ich bin hässlich …“
Sind das denn wirklich Wahrheiten? Nun, es sind die falschen Wahrheiten in deinem Leben! Es sind die falschen Wahrheiten, die immer und immer wieder wiederholt werden und von außen auf uns einströmen. Aber sie entsprechen nicht den Tatsachen!
Darum möchte ich das mit dem Händewaschen vergleichen: genauso wie wir uns auch nicht 24/7 (Rund-um-die-Uhr) die Hände waschen – denn ansonsten wären unsere Hände ganz schnell blutig – genauso gibt es auch Zeiten, wo wir unser Gehirn und unsere Gedanken sauber waschen. Und gibt es wie beim Hände waschen, festgelegten Zeiten: wenn ich nach Hause komme oder bevor ich eine Mahlzeit einnehme.
So habe ich auch einen eigenen Moment im Laufe des Tages, wo ich meine Gedanken „sauberwasche“ und mich an das Gute erinnere, was ich an dem heutigen Tag und mit meinem Leben leiste.
👉 Was ist hier der eigentliche Unterschied?
Wie bereits gesagt, sind dies Dinge, die ich ja alle sowieso schon weiß. Der Unterschied ist jedoch der, dass ich von dem Kopfwissen, in das KörperWISSEN übergehe.
Die Forschungen von Antonio Damasio über die somatischen Marker sind hierbei ein gutes Beispiel. Im Dorsomedialen, präfrontalen Kortex gibt es einen Hirnbereich, der nach dem heutigen Forschungsstand der Sitz unserer Emotionen Ist. Antonio Damasio hatte dies anhand des Beispieles von Phineas Gage – einem Bahnvorarbeiter der 1848 einen schweren Unfall mit einer ganz besonderen Gehirnverletzung an dieser Stelle hatte, recht eindrücklich beschrieben.
Der Weg ist also: weg vom Kopfwissen, hin zum Körperwissen. Das Werkzeug hierzu könnte zum Beispiel das Diplomzimmer sein.
Wie bereits oben beschrieben, kategorisiere ich dieses in die Depotwerkzeuge ein. Wenn es um Skills für ein stressfreieres Leben geht, gehört es klar in die Gruppe der Grünen Werkzeuge.
Die grünen Werkzeuge sind Teil meines Lebens und werden wie ein Depot langsam über Wochen aufgebaut und fast schon ritualisiert in mein Leben integriert. Die Werkzeuge der gelben Gruppe sind diejenigen, die ich benutzen kann, wenn ich weiß, dass mir eine schwierige Situation (Besuch der Schwiegermutter) bevorsteht. Die Werkzeuge der roten Gruppe sind die absoluten Notfallwerkzeuge. Diese setze ich reflexartig dann ein, wenn das Problem da ist.
 👉Aber je mehr Grüne Werkzeuge mir zur Verfügung stehen, desto stärker verändert sich meine Reaktion und ich brauche nicht mehr so häufig die roten Werkzeuge. Es funktioniert frei nach dem Grundsatz der Stoiker: Du kannst die Situation im Außen nicht ändern… Aber du kannst deine Reaktion darauf verändern. Die Reaktion verändere ich durch die grünen Werkzeuge. Mit den orangenen und den roten Werkzeugen reagiere ich, um eine schlimmere Situation zu verhindern.
Hast du weitere Werkzeuge? Fühl dich so frei und schreibe sie mir. Vielleicht könnten wir einen Beitrag zum Nutzen der Leser und Hörer damit erstellen.
Es sind viele Bereiche, die wir ansprechen können: Angefangen vom Umgang Borderline oder einer anderen belastenden Störung, aber auch ĂĽber Future Faking, Love Bombing und Gaslighting die immer häufiger in unsere Gesellschaft zu beobachten sind.Â
Ich möchte aber nicht nur über Fragen sprechen, sondern auch praxisgerechte Lösungen anbieten:
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Selten habe ich ein so sachliches Buch mit so viel Lust gelesen. Antonio Damasio – ein sympathischer Neurowissenschaftler aus Portugal – scheint eher mit dem fMRT als mit seiner nicht weniger sympathischen Ehefrau Hanna verheiratet zu sein. Gemeinsam sind die beiden zeit ihres Lebens der Frage nachgegangen, wie das FĂĽhlen und Denken im Körper entsteht. In seinen Werken zeigt er auf, das die Trennung des Körpers vom Geist nach dem französischen Philosophen Rene Descartes ein jahrhundertealter Irrtum ist.Â
Tauche in die Forschungen rund um Phineas Gage und Elliot ein, lerne, wie ein somatischer Marker entsteht und wie sich unser Denken und unsere GefĂĽhle vom Proto-Selbst ĂĽber das Kernbewusstsein in ein Real- oder erweitertes Bewusstsein entwickelt.Â
Martin Seligman (amerikanischer Psychologe), war 1996 Präsident der APA und bekannt durch seine Studie “erlernte Hilflosigkeit”.Â
Seine fast schon stoische Kultivierung von Ressourcen und der Blick auf das Positive sind das Kernmerkmal seiner PERMA-Strategie. Der Fokus liegt hier in der Erforschung von menschlichen Ressourcen, Stärken und Potenzialen und ganz besonders des inneren Wohlbefindens – dem flow…Â
Die “Positive Psychologie” ist keineswegs nur ein Thema fĂĽr einzelne Personen. Sie wird an vielen Hochschulen und Unternehmen praktiziert. Aber auch der deutsche Bundestag setzte 2010 die Enquete-Kommission “Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität” und 2008 der damalige französische Präsident Sarkozy die “Stieglitz-Sen-Fitoussi-Kommission” ein, um alternative Wohlstandsindikatoren zu erforschen.Â