Stell dir vor, du stehst am Anfang deiner Karriere. Du hast große Träume, Ambitionen, vielleicht sogar Talent. Und jetzt sagt dir jemand: “Deine Aufgabe ist es, anderen den Weg freizumachen. Für andere den Weg bereiten auf dem diese dann vorangehen können. Anderen damit also zu helfen, großartig auszusehen – nicht dir selbst.”
Und … Wie fühlt sich das an? Enttäuschend? Frustrierend? Ungerecht? Aber genau hier liegt das Problem. Dein Ego schreit möglicherweise auf: “Was ist mit MIR? Wann bin ICH dran?” Und genau dieses Schreien hält dich davon ab, wirklich voranzukommen.
Ich nenne dies die Helfer-Strategie – und sie ist eine der mächtigsten, aber auch am meisten missverstandenen Strategien auf dem Weg nach oben.
Lass uns mal zwei Menschen etwas genauer betrachten, welche diese Strategie recht gut gemeistert haben.
Benjamin Franklin – einer der Gründerväter der USA, Erfinder, Diplomat, Schriftsteller.
Aber bevor er all das wurde, war er ein Teenager, der heimlich Essays unter dem Pseudonym “Mrs. Silence Dogood” schrieb. Er schob sie nachts unter der Tür der Druckerei durch. Niemand wusste, wer der Autor war. Und niemand rechnete ausgerechnet mit ihm. Er bekam also keinerlei Anerkennung. Kein Lob. Keinen Ruhm.
Er tat es aber trotzdem. Und warum? Weil es ihm nicht um die Anerkennung ging. Es ging ihm um einen kreativen Ausdruck und um die Sache selbst. Sein Bruder, der Besitzer der Druckerei, hätte ihn aus Eifersucht vermutlich verprügelt, wenn er gewusst hätte, wer hinter dem Pseudonym steckte – was er später dann auch tatsächlich tat, als er es herausfand.
Oder nimm Arnold Schwarzenegger – heute einer der erfolgreichsten Bodybuilder, Schauspieler, Politiker in der neueren Geschichte. Aber wie fing er an? Er arbeitete unbezahlt. Unbezahlt! Er trainierte in den USA teilweise ohne Geld und schlief auf Sofas. Er arbeitete im Umfeld von Profis um durch sie Trainingswissen und Buisiness-Wissen aufzubauen. Er nahm anfangs kleine, schlecht bezahlte Filmrollen an, um am Filmset Erfahrungen zu sammeln.
Ein Kollege sagte über ihn: “Er war wie ein Schwamm, saugte alles auf, hörte sich alles an. Man gab ihm eine Aufgabe, und er verschwand in einem Raum und man sah ihn nicht wieder, bis die Sache erledigt war. Und dann bat er um eine neue Aufgabe.” Kein Ego. Keine Anspruchshaltung. Nur die Arbeit. Und genau das machte ihn später zu einem der Größten.
Die Helfer-Strategie basiert auf einem alten römischen Prinzip: “anteambulare” – den Weg freimachen.
Im antiken Rom gab es Menschen, deren Aufgabe es war, vor wichtigen Persönlichkeiten herzulaufen und den Weg zu ebnen, Hindernisse zu beseitigen, den Verkehr zu lenken. Sie waren unsichtbar, aber unverzichtbar.
Und genau das ist die Strategie: Werde zur Person, die anderen den Weg erst mal deren ebnet. Bearbeite das Feld, auf dem andere ernten können.
Und hier kommt der entscheidende Punkt – es geht nicht darum, anderen in den Arsch zu kriechen. Es geht nicht darum, dich selbst klein zu machen. Es geht darum, anderen die Unterstützung zu geben, damit sie gut sein können. Damit sie großartig sein können.
Lies das noch einmal. Die Bereitschaft, sich unterzuordnen, entspricht der späteren Fähigkeit zu führen.
Das ist alles andere al eine Demütigung:
Stell dir vor, du würdest dich für jede Person, der du begegnest, fragen: Wie kann ich ihr helfen? Was kann ich für sie tun? Und zwar auf eine Weise, von der allein diese Person profitiert – nicht du selbst.
Der kumulative Effekt wäre enorm:
Siehst du, was hier passiert? Du investierst. Nicht in dein Ego, sondern in deine Zukunft.
Die Helfer-Strategie bedeutet ganz konkret:
Ja, du hast richtig gelesen – gib sie weiter. Nicht horten. Nicht verstecken. Weitergeben.
Denn der Weg, den du ebnest, bestimmt am Ende die Richtung.
Aus psychologischer Sicht geht es hier um etwas Fundamentales: delayed gratification – aufgeschobene Belohnung.
Walter Mischels berühmter Marshmallow-Test zeigte, dass Kinder, die in der Lage waren, auf eine sofortige Belohnung zu verzichten, um später eine größere zu bekommen, im Leben erfolgreicher waren.
Genau das ist die Helfer-Strategie:
Das Ego will den schnellen Kick. Die Weisheit wählt den langen Weg.
Aber hier wird es schwierig. Dein Ego hasst diese Strategie.
Es hasst den Gedanken an Unterordnung. Es verachtet Menschen, die mehr Mittel, mehr Erfahrung oder mehr Status haben als du.
Es flüstert dir zu: “Jede Sekunde, die du nicht an deinem eigenen Projekt arbeitest, ist Verschwendung. Du bist besser als das. Du solltest dich nie so herabwürdigen lassen.”
Das ist die Stimme, die Benjamin Franklin hätte davon abhalten können, diese Essays zu schreiben. Die Stimme, die Arnold Schwarzenegger hätte sagen können: “Unbezahlt arbeiten? Niemals!”
Aber sie haben dieser Stimme nicht zugehört. Und genau deshalb sind sie heute selber Legenden.
Denk an deinen eigenen Alltag.
Hier spricht dein Ego. Denn es will jetzt (!) bezahlt werden.
Aber was wäre, wenn du die Perspektive änderst? Was wäre, wenn diese Phase, in der du im Hintergrund arbeitest, die wertvollste Phase überhaupt ist? Die Phase, in der du lernst, beobachtest, Beziehungen aufbaust, Fähigkeiten entwickelst? Die Phase, in der du zur unverzichtbaren Person wirst?
Ich würde es mal so formulieren: “Weniger sein, mehr machen.” Das ist das Update des alten Sprichworts “Weniger reden, mehr machen.”
Sei nicht die Person, die ständig darüber spricht, wer sie ist und was sie erreichen wird. Sei die Person, die still arbeitet, anderen hilft, Probleme löst.
Sei der Helfer, der Wegbereiter, und nicht der, der den Weg entlangschreitet – noch nicht. Denn wenn du erst einmal einen Weg bereitet hast, weist du wie man diesen Weg beschreitet, weil du das grundlegende Fundament dieser Arbeit verstehst.
Und hier ist das Schöne: Du kannst die Helfer-Strategie jederzeit anwenden.
Mach es zu einem permanenten Prozess. Lass andere die Strategie auf dich anwenden, während du sie auf die Leute über dir anwendest. Es ist ein ewiger Kreislauf des Gebens und Nehmens – aber du gibst zuerst.
Also, was ist dein nächster Schritt? Ganz konkret:
Sei wie Benjamin Franklin. Sei wie Arnold Schwarzenegger.
Und dann – erst dann – wirst du entdecken, dass genau diese Unsichtbarkeit dich sichtbar gemacht hat.
Dass genau dieses Dienen dich zum Führer gemacht hat.
Dass genau diese Demut dich groß gemacht hat. Die Person, die den Weg freimacht, ist diejenige, die schließlich die Richtung bestimmt.
So einfach ist das. So schwierig ist das. So mächtig ist das.
Neugierig, welcher Achtsamkeitstyp du bist? Bist du der annähernde, der vermeidende oder eher der mitmachende Typ?
Massimo Pigliucci ist Professor für Philosophie am City College of New York.
Dieses Buch kann ich wirklich empfehlen, da es sehr praxisorientiert geschrieben ist. Besonders die “Dichotomie der Kontrolle” – also das was ich kontrollieren kann im Gegensatz zu den Dingen die ich loslassen muss, haben mich persönlich sehr berührt.
Weitere hilfreiche Gedankenansätze sind die drei Disziplinen des Stoizismus, der Umgang mit Emotionen oder auch die Rolle der Achtsamkeit und Präsenz.
Im letzten Teil des Buches stellt Pigliucci 12 praktische stoische Übungen vor, die einem helfen, die stoischen Prinzipien aktiv im Lebensalltag zu verankern wie z.B. Gleichmut üben und Reden ohne zu urteilen.
Es sind viele Bereiche, die wir hierbei ansprechen können: Angefangen vom Umgang mit Angststörungen oder einer anderen belastenden Störung, aber auch über Paartherapie, Selbstverwirklichung und Transzendenz.
Ich möchte aber nicht nur über Fragen sprechen, sondern auch praxisgerechte Lösungen anbieten:
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