Konsequenz im Umgang mit dem Borderliner! Irgendwann ist mal Schluss 😊
Wenn ich so über meine Arbeiten mit meinen Klienten nachdenke, dann fällt mir auf, dass deutlich mehr mit den Angehörigen und Partnern von Borderlinern im Kontakt bin als mit dem Borderliner (F60.31) oder demjenigen mit einer Instabilen Persönlichkeitsstörung (F60.30) selber. Es sind deutlich häufiger die Eltern, die Familienangehörigen, die Partner, Ehepartner, die Freunde oder die Kollegen, welche sich mit ehrenwerten Motiven um den Betroffenen bemühen als die Borderliner selber!
👉 Was aber kann man tun, wenn der Borderline keine Therapie wünscht?
Was sollte der Angehörige, der unter den Handlungen seines mit einer Persönlichkeitsstörung diagnostizierten Partner mehr oder weniger leidet – oft auch sein ganzes Leben danach ausrichtet – beachten? Kann er überhaupt etwas tun?
Über die Jahre hat mir eine Geschichte / ein Vergleich aus der Bibel, der Heiligen Schrift geholfen, meine Hilfen im Thema Borderline besser zu strukturieren. Bitte beachte: dies ist in erster Linie ein psychoedukativer Kanal, der nicht das Ziel hat, religiös aufzuklären. Wenn es aber in einem für Christen sehr wertvollen alten Buch, eine gute Anleitung für eine vernünftige Handhabung des Borderliners oder demjenigen mit einer instabilen Persönlichkeitsstörung gibt, dann wäre es m.E. sogar sträflich, diese unbeachtet im Raum stehen zu lassen.
Das, was jetzt folgt, möchte ich dich darum bitten, immer unter dem Aspekt einer Handlungsempfehlungen für Eltern mit schwierigen Kindern, oder Partnern mit einer Borderline – Störung zu betrachten. Es ist ausdrücklich eine Empfehlung / ein Ratschlag der gewisse Details mit sich bringt, die für unser tägliches Leben sehr wertvoll sein können:
Wenn die Diagnose einer Borderline–Persönlichkeitsstörung im Raume steht, dann ist dies im Grunde nichts anderes als eine Entwicklungsstörung! Warum ich dies sage, kannst du in meinem Vortrag über die Persönlichkeitsstörung auf meiner Webseite unter dem Begriff Borderline nachlesen.
👉 Borderline ist eine Entwicklungsstörung und zeigt sich durch eine unsichere und instabile Persönlichkeit im Außen. Diese instabilen Handlungen können sich mit Wut, Aggression, einer On/Off Beziehung, in einer Angst vor dem Alleinsein, einer chronischen inneren Leere, aber auch durch temporäre, paranoide Vorstellungen oder Dissoziative Symptome zeigen.
All diese instabilen Affekte / Gefühlsäußerungen, die sich durch ein starkes Pendeln, zwischen dem Gefühl von himmelhochjauchzend bis hin zu Tode betrübt zeigt, dazwischen noch viele Formen von Gereiztheit und Angst, haben eins gemeinsam: es ist eine instabile Persönlichkeitsstörung, die sowohl den Betroffenen aber auch der Umgebung Leid zufügt. Dieses Kriterium des Leidens ist ein wirklich wichtiges diagnostisches Instrument, um die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung oder Borderline zu stellen.
Damit der Schaden sich nicht noch weiter ausweitet und dass dem Betroffenen Borderline geholfen wird, gibt es nun ein Ziel: der Instabilen Persönlichkeit von außen Stabilität zu geben. Und manchmal ist die Stabilität weich, oft aber hart, je stärker die Ausbrüche sind.
Solche unterstützenden Maßnahmen kann man auch mit einer Leitplanke vergleichen. Sie ist unglaublich zäh, reißt nicht und verhindert, dass ein Gegenstand noch weiter aus der Bahn geraten kann.
Kommen wir einmal zu diesem wirklich interessanten biblischen Gleichnis von dem verlorenen Sohn von dem ich eingangs gesprochen habe und was ich gerne auf die Interaktionen zwischen Borderlinern und ihren Partnern anwenden möchte. Du kannst dies – wie gesagt – in der Bibel im Lukasevangelium, Kapitel 15 ab dem Vers 11 nachlesen.
Die Geschichte ist kurz erzählt: Ein Mann hatte zwei Söhne. Der Jüngere sagt, dass er sich von dem Vater und der Familie trennen möchte, um nun seinen eigenen Weg zu gehen. Er forderte, dass ihm sein Erbe ausgezahlt wird und er geht daraufhin in ein fernes Land um „sein Ding zu machen“. Dort verschleudert er dann alles, was er hatte, kam in eine Hungersnot und seine finanzielle Situation wurde sehr desaströs. Sie war sogar so schlimm, dass er sich anders zu helfen wusste als Schweine hüten zu gehen. Er hatte aber nicht einmal das Geld, sich diese einfache Nahrung der Schweine selber zu leisten. All dieses hatte eine Zeit lang gebraucht und das ist für unser Verhältnis im Umgang mit einem Borderliner sehr, sehr wichtig! Nur weil sich der Borderliner jetzt gerade in Schwierigkeiten befindet und um Hilfe schreit, muss eine Hilfestellung nicht sofort von außen kommen!
Aber wie geht die Geschichte nun weiter? Nach einiger Zeit kam er dann zur Besinnung und erinnerte sich wieder daran, wie es ihm bei seinem Vater ging. Also machte sich nun auf den Weg zu seinem Vater zurück. D.h., er musste Wochen, vielleicht sogar Monate lang unterwegs gewesen sein, um aus dem fernen Land zu seinem Heimathaus wieder zurückzukommen. Was war die Reaktion des Vaters? In dem Bericht der Bibel heißt es: „als er noch weit weg war, entdeckte ihn sein Vater, empfand tiefes Mitgefühl und rannte seinem Sohn entgegen…“ Er verzieh ihm daraufhin alles, was er getan hatte.
👉 Was ist hier für uns nun die Lehre für den Umgang mit einem Borderliner?
Als der Sohn aus dem fernen Land zurückkehrte, entdeckte ihn dann sein Vater. Dieses Entdecken und auf ihn zu laufen, finde ich auch sehr interessant! Der Vater hatte gesehen, dass der Sohn aus dem fernen Land durch eine lange Reise wieder zu ihm zurückkam. Er hatte auf seinem langen Weg seine Handlungen aufrichtig bereut.
Genau dieser Punkte der Reue ist für uns heute sehr wichtig! Reue ist eine Wortableitung aus dem westgermanischen „hreuwo“ für Reue und „hrewwa“ für Schmerzen und Wehtun. Reue ist ein innerer Schmerz über etwas, was ich getan / oder unterlassen habe, mit dem aufrichtigen Wunsch, diese Handlung ungeschehen zu machen. Was machen wir zum Beispiel mit unseren kleinen Kindern, wenn sie – bildhaft gesprochen – mal nicht artig waren? Wir geben ihnen – je nach Alter – für eine gewisse kurze Zeit einmal Stubenarrest. Dabei sagen wir Ihnen Worte wie: beruhige dich, geh auf dein Zimmer, zähle die Motive an deiner Tapete und komme wieder runter, wenn du dich beruhigt hast.“ Diese Maßregelung ist allen Eltern bekannt und geläufig.
Aber was wird dadurch bezweckt?
👉 Und genau das ist auch eine erfolgreiche Vorgehensweise für den Umgang mit einem Borderliner! Wenn Familienangehörige, Partner, Freunde oder Kollegen dem Borderliner immer sofort zu Hilfe eilen,
Er muss die Möglichkeit bekommen, sich einmal in Ruhe über sein Verhalten Gedanken machen zu können. Man könnte das auf eine ganz kurze Formel übertragen:
Diese Formel (LMK) habe ich in meiner U.M.W.E.G.–Methodik der Kommunikation mit einem Borderliner intensiv und oft beschrieben. Wenn du magst, schau sie dir einmal in meiner Playlist an:
Irgendwann kommt der Punkt, dass jeder von uns einem Partner, einem Freund oder einem Familienangehörigen mit einer Instabilen Persönlichkeitsstörung (zu der ich ausdrücklich auch Borderline zähle) sagen muss, dass er seinen Weg ohne uns weiterführen muss. Das ist eine ganz vernünftige Konsequenz (lateinisch „consequentia“ = folgen, nachfolgen) um zu zeigen, dass wir andere Werte oder Moralvorstellungen haben.
Wir haben es beim Borderliner leider nicht mehr mit einem kleinen Kind zu tun, dass man auch mal aufs Zimmer schicken könnte. Der erwachsene Borderliner muss dann irgendwie anders mit seinen Konsequenzen in Kontakt kommen und das kann dann auch mal ein Rückzug des „gesunden Partners“ sein.
Es sind viele Bereiche, die wir ansprechen können: Angefangen vom Umgang Borderline oder einer anderen belastenden Störung, aber auch über Future Faking, Love Bombing und Gaslighting die immer häufiger in unsere Gesellschaft zu beobachten sind.
Ich möchte aber nicht nur über Fragen sprechen, sondern auch praxisgerechte Lösungen anbieten:
Buchen Sie sich einfach auf meinem Online-Kalender ein Zeitfenster oder nutzen Sie mein klassisches Kontaktformular um mit mir in Verbindung zu treten. Ich freue mich auf Sie. Ihr Marcus
Ein Buch, das praxistauglicher kaum sein kann. Persönlichkeitsstörungen sind aufgrund der Instabilität an Komplexität praktisch nicht zu überbieten. Darum machen viele Psychotherapeuten auch einen Bogen um die Therapie hiervon Betroffener. Nicht so der Psychiater Jerold Kreisman der sein Leben der Behandlung von Borderline-Persönlichkeitsstörung gewidmet hat. Das Lesen dieses Buches hat mich zu meiner U.M.W.E.G. inspiriert.
Aufgrund der vielen Praxisfälle kann man die Affekte und Symptome besser verstehen. Die vielen Tipps für den Umgang mit den Betroffenen sind eine echte Hilfe und nehmen einem die Wut und Aggressionen, die oft im Kontakt mit dieser Krankheit entstehen und erzeugen vielmehr Verständnis und Mitgefühl.