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Trauma – der Überlebenskampf unserer Psyche

Titelbild NET-Therapie und die TraumatherapieWenn ich eine traumatische Situation erlebe, dann tritt eine mächtige biologische Überlebensmaschinerie unserer Psyche in Aktion. Wenn du weißt, wie genau sich unser Organismus dann versucht, während und nach dem traumatischen Ereignis gegen die Bedrohung, kann dir helfen zu verstehen, warum du noch Jahre später, so oder so auf bestimmte Situationen reagierst. Unsere „Verteidigungsmaschinerie“ startet immer mit einer ersten Orientierung („was ist passiert“?), um dann eventuell umgehend auf Flucht, Kampf, Erstarrung, Erschlaffung bis hin zu einer Ohnmacht zu schalten. Und egal wie stark deine innere Mobilisierung auch ausfallen mag … wenn ein Trauma zu stark sein sollte, kann es bis zu einem totalen Shutdown kommen.

Dass dies während einer traumatischen Situation eintritt, können die allermeisten noch verstehen. Das besondere an einem Trauma ist aber, dass all diese körperlichen und geistigen Reaktionen bei dem Traumatisierten auch viele Jahre später noch genauso intensiv wieder auftreten können. Und all das wirkt dann so, als wenn man sich genau hier und jetzt, exakt wieder in der ursprünglichen Situation befindet.

Für einen Außenstehenden nicht nachvollziehbar, sind sie urplötzlich nicht mehr ansprechbar, können sich nicht mehr bewegen oder sprechen, verhalten sich komplett anders oder sind total dissoziiert. Das betrifft aber nicht alle! Genauso gut kann es auch geschehen, dass zusammengebrochene Traumatisierte, die durch die Re-Traumatisierung unfähig sind zu sprechen oder anderweitig zu reagieren, sich urplötzlich wieder bewegen können. Ihr Herz schlägt wieder schneller und ihr Blutdruck stabilisiert sich. Für uns in unserer heutigen Zeit ist es klar, dass es sich hierbei um eine traumatische Reaktion handelt.

Aber all diese Reaktionen wurden noch vor gar nicht soooo vielen Jahren mit Hysterie, einem Drama, einem Wahn, oder sogar mit Verrücktheit und anderen Diagnosen versehen. Du kannst dir mit Sicherheit vorstellen, dass so etwas einen Betroffenen massiv beunruhigt und verunsichert haben muss. Und weil das Wissen um Trauma in unserer Gesellschaft noch etwas ausbaufähig ist, möchte ich dir in diesem Beitrag gerne erklären, was sich in unserem Organismus bei einem Trauma abspielt und wie uns dieses Wissen nützen kann.

1. Trauma – Was passiert bei einer massiven Bedrohung?

Bild von einer Skizzenzeichnung vom Parasympathikus und dem SympathikusWir haben zwei unterschiedliche Nervensysteme in unserem Körper:

  • Das somatische Nervensystem steuert unsere bewusst ablaufenden Körperfunktionen wie z.B. unsere bewussten Bewegungen.
  • Das autonome / vegetative Nervensystem, steuert die unbewussten Abläufe in unsrem Körper, also alles, was wir nicht mit unserem Willen steuern können wie z.B. den Herzschlag oder unseren Stoffwechsel. Es ist unterteilt in das sympathische, das parasympathische und das enterische (Eingeweide) Nervensystem.

Unser autonomes Nervensystem ist rasend schnell. Es wird in Millisekunden durch elektrische Impulse entlang der neuronalen Bahnen aktiviert und gesteuert. 

Nehmen wir mal an, ein traumatisches Ereignis findet statt. Sofort sind die Nebennieren – unsere Hormondrüsen am oberen Ende der Nieren – aktiv und das Nebennierenmark schüttet nun die „Stress-Hormone“ Adrenalin und Noradrenalin aus. Nach nur lediglich 12 Millisekunden ist unser Körper bereits bereit, durch Flucht oder Kampf auf eine Gefahr zu reagieren. In dieser Alarmreaktion werden unsere Bewegungsmuskeln aufs Äußerste aktiviert und durchblutet. Unsere Hände und Füße werden feucht, der Verdauungsapparat und alle anderen inneren Stoffwechselvorgänge werden oder zumindest maximal verlangsamt, um keine Überlebensressourcen zu verschwenden. Denn jetzt, wird alle Energie woanders benötigt. Zum Beispiel in der Lunge und den Bronchien. Denn zum Weglaufen brauche ich keine Verdauung, wohl aber viel Sauerstoff im Blut um damit die Muskeln zu versorgen.

Durch die Aktivierung des Sympathikus wird nun an den Nervenenden des Herzens der Botenstoff / Transmitter Noradrenalin – auch als Norepinephrin bekannt  -freigesetzt. Dadurch wird die Erregbarkeit und die Erregungsleitung des Herzens gesteigert und in nur wenigen Sekunden passt sich als letztes dann auch unser Immun- und Hormonsystem der bedrohlichen Lage an.

Die HHN-Achse die Hypothalamus Hypophysen AchseBei einem Trauma wird aber nicht nur der Sympathikus aktiv. Parallel dazu tritt noch eine ganz andere Verteidigungslinie in Aktion: Unsere HHN-Achse. Die HHN-Achse ist die Verbindung zwischen Hypothalamus, der Hypophyse und der Nebennierenrinde. Sie bewirkt nun die Ausschüttung des Hormons Cortisol, das die Kräfte unserer körperlichen Verteidigungslinie für mindestens die nächste Stunde in Aktion bereit hält.

Kann ich aber – warum auch immer – nicht fliehen oder kämpfen, dann kommt man fast unweigerlich in eine Art Schockstarre – man nennt dies eine tonische Immobilität / ein dissoziativer Stupor oder Erstarrung. Bestimmt kennst du diesen Moment: Vor lauter Schreck bist du hilflos, wie eingefroren, praktisch paralysiert – du kannst einfach nichts tun!

Es ist wichtig, dass wie diese Erstarrungsfunktion des autonomen Nervensystems verstehen. Denn auf der einen Seite versucht uns das ANS (das autonome Nervensystem) durch den Sympathikus auf einen Kampf oder eine Flucht vorzubereiten, andererseits aktiviert es im Hintergrund aber auch noch das Notfallsystem, den Parasympathikus vor, der einen „kompletten Shutdown“ bewirken kann. Beide Systeme sind nützlich – je nachdem in welcher Situation wir uns gerade befinden und welche Möglichkeiten uns zur Verfügung stehen.

Das Erstarren des ANS ist wie im Auto gleichzeitig „Gas“ und Bremse zu treten Dieses gleichzeitige Bereithalten von sowohl Aktion als auch Nicht-Aktion kann unser ANS nur für sehr kurze Zeit realisieren. Man könnte dies mit dem gleichzeitigen Treten aufs Gaspedal und die Bremse vergleichen. Das würde dein Fahrzeug massiv überfordern. Passiert dies beim Menschen oder bei Tieren, dann kann sehr schnell zu Herzrhythmusstörungen, einem Schock oder sogar zum plötzlichen Herztod führen.

Wir sind mit unserer Beschreibung immer noch beim traumatischen Ereignis. Zu welchem Abwehrverhalten – also Kampf / Flucht oder Erstarren – sich unser Organismus letztendlich „entschließt“, können wir mit unserem Bewusstsein nicht beeinflussen. Das macht er ganz autonom. Ist die Gefahr noch weiter weg, dann kann eine starke Angst zur Flucht führen. Ist die Gefahr sehr nahe, dann kann Wut die Motivationskraft zu einem Verteidigungskampf sein. Ist die Gefahr aber sehr nahe und ich bin ihr unterlegen, dann kann ein kurzes Erstarren vor einem weiteren Angriff z.B. von einem Raubtier oder Feinden sogar sinnvoll sein. Denn Bewegungsreize können eine Angriffslust des Gegenübers schnell verstärken.

Wenn also Flucht oder Kampf nichts nützen, erstarren wir. Wir können dann auch keine Wut mehr empfinden. Das ist ein recht interessanter Aspekt: Wut ist nämlich die erste Emotion, die bei einer Erstarrung nachlässt. Angst hingegen kann man noch lange im Freeze-Modus spüren.

2. Trauma – Was passiert in unserem Gehirn?

Lage des Thalamus im GehirnWer regelt das alles, was wir eben besprochen haben? Ich spreche hier von unserem „Tor zum Bewusstsein“, unserem ThalamusDieser Wächter unserer Sinneseindrücke, dieser „Gatekeeper“ sammelt, „filtert“ praktisch alle Sinneseindrücke, die von außen und vom Körperinneren kommen und leitet sie zum Bewusstwerden an die Großhirnrinde weiter. Spüre ich z.B. sehr große Angst oder körperliche Aufregung, dann blockiert er immer stärker die ankommenden (afferenten) Reize, die zum Gehirn wollen.

Wichtiges Detail: Einer unserer Sinnesreize geht nicht über den Thalamus – der olfaktorische Sinn / Geruchssinn. Alle anderen Axone (Fortsetze eines Neurons das elektrische Nervenimpulse leitet – enden im Thalamus. Der Geruchssinn geht weiter tiefer ins Stratum granulosum (in den Glomeruli olfactorii) direkt unterhalb des Frontalhirns

Warum ist das nun besonders für Traumatherapeuten wichtig zu wissen? Hoch traumatisierte Menschen können oft weder durch Ansprechen oder auf eine Berührung reagieren. Aber mit einem starken Geruch können wir sie immer noch erreichen. Alle anderen Sinne werden jedoch runtergeregelt bis zur völligen Blockade. Man fühlt sich taub, Stimmen fühlen sich weit entfernt an. Der Blick wird starr und das, was man sieht kommt nur noch schemenhaft / verschwommen an.

Vielleicht hast du das ja auch schon mal beobachtet: Ein verängstigtes Kind, kann nur noch auf den Boden schauen. Selbst auf die freundlichste Ansprache kann es nicht mehr reagieren ….

Unser zentrales Nervensystem besteht aus dem Sympathikus – er ist für die Energie zum Kraftquelle für Kampf / Flucht – und dem Parasympathikus.

Wenn jetzt der Parasympathikus die Oberhand hat, dann erschlaffen unsere Muskeln. Man fühlt sich schwer, müde und (ICD10 – F48.1) eine Derealisation tritt ein, und man kann sich kaum noch bewegen. Dr. H. Stefan Bracha – ein US-amerikanischer Veterans-Affairs-Truppenarzt und Forschungspsychiater am National Center for Posttraumatic Stress Disorder PTSD – beschreibt recht drastisch, wie unser Körper eigenständig sehr gut abschätzen kann, wann er urplötzlich von Vollgas in den Rückwärtsgang schalten muss.

Da bist du gerade am Siedepunkt deiner Aufregung angelangt, auf einmal sinkt dein Blutdruck und deine Herzrate dramatisch ab (englisch Flag = Erschlaffen). Es kommt dir so vor, als wenn du das Bewusstsein und die Körperspannung verlierst und du beginnst zu dissoziieren. Du kannst und möchtest dich einfach nicht mehr wehren. Du wirst Berührungsunempfindlich, nimmst praktisch keinen Schmerz mehr wahr. Diese Empfindungslosigkeit – auch Analgesie genannt – ist so stark, man könnte dich am offenen Bein operieren und du spürst nichts … Dieser Zustand kann sich ausweiten bis zu einer kurzzeitigen Bewusstlosigkeit / einer vasovagalen Synkope (englisch Faint = Ohnmacht).

Sehr oft kommt es zu solch einer Dissoziation oder einem sogenannten „Shutdown“

  • wenn gewaltsam in den Körper eingedrungen wird z.B. bei einer Operation ohne Narkose oder einer Vergewaltigung.
  • Bei sehr starken Schmerzen.
  • Wenn jemand wie in einer Folter fixiert wird.
  • Oder beim Anblick traumatischer Bilder.

Wichtig, so eine Dissoziation kann auch während einer Therapie auftreten, wenn der Proband mit seinen Erfahrungen wieder konfrontiert wird. Passiert dies öfter, dann spricht man von einer chronischen Traumafolgestörung

Selbstverletzendes Verhalten ist ein Schrei nach Hilfe – um sich selbst wieder spüren zu könnenSo einen parasympathischen Shutdown kann man auch „künstlich erzeugen“. Indem man sich zum Beispiel selbst starke körperliche Schmerzen zufügt.

Denk nur mal an das Ritzen / Schnippeln / Schneiden / Brennen …. All die Gewebeverletzungen, die wir vom NSSV – den nicht suizidalen selbstverletzenden Verhalten – eines Borderliners her kennen. Durch diese mutmaßliche „Autoaggression“ verschaffen sich sowohl Menschen, aber auch Tiere in Wirklichkeit eine Entlastung.

Schon mal beobachtet, wie sich ein Tiger im Zoo oder die Äffchen im Labor den Kopf gegen die Käfigwand schlagen? Wenn sie sich selber oder gegenseitig im Rudel beißen? Das sind keine suizidalen Handlungen! Dadurch versuchen sie sich zu beruhigen, die Spannung abzubauen, den Herzschlag zu senken und auch den Blutdruck zu senken – ganz intuitiv. Leider ist diese Lösung aber nicht von Dauer.

3. Traumatische Dissoziation – Was ist der Vorteil?

Was passiert bei einer Dissoziation?Die Dissoziation schützt unseren Körper vor weiteren, tieferen Verletzungen des Gewebes, des Zentralen Nervensystems, der Organe oder vor einer Lebensbedrohung durch längeren Sauerstoffverlust. Was meine ich damit? Durch diese Reduzierung unserer Empfindungen, des Bewusstseins und unserer Emotionen (ich fühle nichts, ich bin praktisch nicht da, ich befinde mich nicht mehr in Kontakt mit meinem Körper) können wir uns bei weitem nicht mehr so aktiv verhalten oder intensiv reagieren, wie wir es sonst tun würden. Alle Energie wird hier  zurückgehalten, um eine eventuell bessere Chance für Flucht oder Kampf abzuwarten.

Dieser wunderbare Schutzmechanismus unseres Körpers – von völliger Gefühlslosigkeit über Reizblockade bis hin zur „out-of-body experience“ (einer außerkörperlichen Erfahrung) – wird durch körpereigene Opiate / Endorphine verursacht. Für den Moment sind diese Schutzmechanismen fantastisch. Werden sie aber wiederholt aktiviert – zum Beispiel durch eine andauernde Re-Traumatisierung – kann sowohl unser Gedächtnis als auch unsere Selbst-Wahrnehmung massiv gestört werden.

Diese ganzen Zusammenhänge zu wissen, ist für alle Therapeuten, Traumatisierte und ihre Angehörige von großer Wichtigkeit. Denn, was mag ein Opfer von Gewalt wohl denken, wenn ihm später von anderen vorgeworfen wird: „Warum hast du dich denn nicht gewehrt?“ Das läuft dann auf eine Doppeltraumatisierung hinaus: Als Opfer der Gewalt und als Opfer von nichtwissenden Besserwissern. Schuld und Scham bleiben dann nicht aus.

Wer aber diese „Trauma-Körper-Geist“-Zusammenhänge kennt und beachtet, dem wird schnell klar, dass ein Trauma-Opfer während des traumatischen Ereignisses schon allein aus rein natürlich, körperlichen und biologischen Gründen oft überhaupt nicht in der Lage sein konnte weder zu reagieren noch irgendwie selbständig zu handeln!

3.1 Dissoziation ist konditionierbar.

Der Begriff Konditionierung wird in der Lernpsychologie verwendet, um eine Form der erlernten Automatisierung eines Verhaltens durch Reiz-Auslösetrigger zu beschreiben. Das wohl bekannteste Konditionierungsbeispiel aus der Tierwelt ist der Pawlowsche Reflex, wo die von ihm abgerichteten Hunde auf einen Ton hin, angefangen haben zu speicheln, weil sie wussten, jetzt gibt es etwas zu fressen.

Kann man auch durch ein Trauma zu einer bestimmten Form der Dissoziation konditioniert werden? Ja! Ein Kind, das mehrfach (also komplex) traumatisiert wurde, lernt, diese starken Emotionen durch Betäubung / Abschalten / also Dissoziation zu unterbinden. Dieses Verhalten wird es nun in den Jahren immer weiter verfeinern und in sein Abwehrrepertoire fest integrieren.

Kommt es dann als Erwachsener mit starker körperlicher oder emotionaler Erregung / mit intensiven Gefühlen wie Wut, Trauer oder Frustration in Kontakt, wird es genauso reagieren, wie es als Kind konditioniert wurde: mit Erstarrung /  Ohnmacht und mit emotional unreifem Bindungsverhalten. Solch ein Verhalten ist – erlernt in den ersten ein bis zwei Lebensjahren – wurde in Längsschnittstudien als der wohl stärkste Prädiktor (Vorhersagevariable) für dissoziative Störungen im Erwachsenenleben eingestuft.

👉 Kommt so ein konditionierter Mensch nun später mit einem ähnlichen Reiz / Trigger wie bei dem ursprünglichen traumatischen Erlebnis in Kontakt, dann reagiert er mit dem gleichen Verhalten, wie als kleines Kind!

Das kann dann ein ähnlicher Geruch, eine vergleichbare Umgebung oder eine Person sein, die der Früheren in irgendeiner Form ähnelt. Kommt dann noch eine ähnliche körperliche Reaktion, ein Gefühl oder eine Körperhaltung von damals hinzu (z.B. eine starke Umarmung von hinten) dann geht der Abwehrmechanismus unweigerlich los. 

4. Trauma – Was kann man dagegen tun?

Die NET Therapie Wahrnehmung Kognition Emotion Körper BedeutungMeiner Beobachtung nach ist die traumafokussierte biografische Aufarbeitung der wichtigsten Lebensereignisse mit Hilfe der NET-Therapie (die Narrative Expositionstherapie) eine der besten Möglichkeiten hierzu! Sie ist eine der am besten wissenschaftlich überprüften / evidenzbasierten Traumatherapien, die wir kennen. Ein weiterer Vorteil von NET ist, dass sie sehr einfach ist und auch von nicht studierten Menschen wirksam eingesetzt werden kann.

Aber leider wird Betroffenen mit wiederholt auftretenden Dissoziationen oft gar keine Exposition angeboten, weil Therapeuten Angst davor haben,

  • dass sie das Trauma durch die Therapie eventuell sogar verschlimmern oder
  • es während der Traumatherapie für sie zu nicht mehr kontrollierbaren Dissoziationen kommen könnte.

Ja, die Dissoziation ist schon ein dickes Brett in einer Traumatherapie, denn sie ist ja im ureigentlichen Sinne DAS körpereigene Schutzinstrument,

  • um alle intensiven Trauma-Gefühle einzudämmen.
  • Die emotionale Verarbeitung und Aufarbeitung zu verhindern,
  • Sie stört die Mentalisierungsfähigkeit, also die Fähigkeit, innere geistige Zustände von sich selbst und bei anderen wahrzunehmen.

In einer Dissoziation können die Betroffenen nicht mehr richtig auf Reize von außen reagieren. Und das kann einen ängstlichen Therapeuten schnell davon abhalten, mit einer Therapie fortzufahren.

Aber ein Problem zu ignorieren ist auch keine Lösung! Wir können kein Trauma durch die Zeit löschen. Die Zeit mag zwar Wunden heilen, aber keine Traumata. Solche versuche wie Nichtbeachtung „time outs“ oder in Isolierzimmern das Gedächtnis des Traumatisierten zu „löschen“ – alles Dinge die unternommen wurden – haben zu keinerlei positiven Ergebnissen geführt. Logisch, denn genau darin besteht ja der eigentliche Ur-Zweck einer Dissoziation: das Außen mit dem Feind zu ignorieren, keine Reaktionen mehr zu zeigen und alle inneren Systeme wie in einem „Shutdown“ herunterzufahren.

Therapeuten müssen – wie zum Beispiel durch solche Beiträge – einfach mehr Wissen über den biologischen Sinn dieses Trauma-Abwehrverhaltens – erhalten. Nur dadurch können mehrfach und komplex Traumatisierte in ihrem teils dramatischen Verhalten besser therapiert werden. Mit Hilfe der NET-Therapie kann ein Therapeut oder ein anderer Zuhörer während einer Narration zum Beispiel einen engen Kontakt mit dem Traumatisierten halten, um jederzeit einzugreifen, sobald sich eine Shutdown-Tendenz zeigt. Ein versierter Therapeut unterstützt sein Gegenüber dann zu einem sogenannten Pendeln zwischen der Erzählung aus der Vergangenheit und dem aktuellen.

Praktisch ausgedrückt: Wenn eine schwierige Szene aus der Vergangenheit beschrieben wird, dann erinnert ihn der Therapeut regelmäßig daran, dass er jetzt nicht mehr in der damaligen Situation ist indem er ihn so etwas fragt wie „spüren Sie den Sitz auf dem Sie sitzen? Wie geht es Ihnen gerade? Fühlen Sie sich in diesem Raum sicher?“ Dadurch kann die Aufmerksamkeit immer wieder hin und her pendeln – ein Begriff, den Peter Levine in der Somatic Experience Therapie immer gebraucht.

Der Erzähler wird also immer wieder bewusst – durch gezielte Fragen in Richtung Bewusstseinsorientierung – aus seiner Trauma-Erzählung herausgeholt und kann dadurch die damalige Trauma-Situation mit seinen Sinneseindrücken im Hier und Jetzt vergleichen.

Durch dieses „dyadische coping“ kommen beide – Therapeut und Erzähler wie in einem Schulterschluss gut durch die Trauma-Therapie. Das Erlebte wird langsam aber sicher von einem immer wiederkehrenden Flashback in eine “damals erlebte Erfahrung” umgewandelt. Das bedeutet nicht, dass das Geschehene vergessen wird! Nein! Aber es bekommt durch das Narrativ nun einen Platz in der Vergangenheit zugewiesen, den ihm der vorher überforderte Hippocampus nicht hat geben können.

Mehr Informationen werden noch folgen. Wenn du dich bereits jetzt mehr hierüber informieren möchtest, dann buche dir gerne einen Termin auf meinem Online-Kalender und schau mal in meine aktuelle Buchempfehlung. In dem Buch von Dr. Michael Nehls „Das indoktrinierte Gehirn“ wird im Kapitel 4 sehr tief auf dieses Thema „Trauma und Gedächtnisformung“ eingegangen.

Marcus Jähn Meine Buchempfehlung zu diesem Thema

Die narrative Expositionstherapie – NET

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Die herrlich kompakte Narrative Expositionstherapie (NET) ist eine kurze, pragmatische, evidenzbasierte Methode zur Behandlung einer PTBS bei Opfern komplexer Traumatisierungen, z.B. als Opfer durch Flucht, Folter oder Kindesmisshandlung.

In der NET wird die gesamte Biografie der Patienten berücksichtigt und aufgearbeitet. Der Band gibt einen Überblick über die Methode, geht auf kritische Situationen in der Therapie ein und veranschaulicht das Vorgehen auch anhand eines Fallbeispiels. Grundlage des Vorgehens ist die psychobiologische Gedächtnistheorie der Posttraumatischen Belastungsstörung, die ein Verständnis für extreme Reaktionsformen ermöglicht.

Ein herrlich nachvollziehbares Werk sowohl für Therapeuten mit Vorerfahrungen in der Traumatherapie oder auch für Interessierte an diesem Thema. Es ist meines Erachtens für jeden leicht zu lesen. 

Trauma Diagnose? Lassen Sie uns miteinander ins Gespräch kommen. 

Marcus Jähn Werde wieder stark durch CoachingEs sind viele Bereiche, die wir ansprechen können: Angefangen mit Trauma aber auch den Umgang mit Borderline oder einer anderen belastenden Störung, aber auch über Future Faking, Love Bombing und Gaslighting die immer häufiger in unsere Gesellschaft zu beobachten sind. 

  • Was ist das eigentlich, ein Trauma, eine Persönlichkeitsstörung, ein Perfektionismus, ein Spaltung oder eine Gegenübertragung?
  • Kann ich trotz Borderline oder Narzissmus eine stabile Partnerschaft aufbauen und damit über Jahre hinweg leben? 
  • Ist eine Kommunikation mit einem Borderliner möglich? Wie hilft hier die U.M.W.E.G.-Methode©? 
  • Kann ich meine Bindungsangst oder Verlustangst irgendwann einmal kontrollieren?
  • Was kann ich tun, wenn ich mich gerade in einer Trennung befinde, oder kurz davor bin?


Ich möchte aber nicht nur über Fragen sprechen, sondern auch praxisgerechte Lösungen anbieten:

  • Eine humorvoll und spielerisch – ja fast tänzerisch – eingesetzte Gewaltfreie Kommunikation in Kombination mit der von mir entwickelten 
  • U.M.W.E.G.-Methode© und nicht zuletzt die Transaktionsanalyse als Sprachkonzept können helfen, auch in schwierigen Situationen noch kühlen Kopf zu bewahren. 

Buchen Sie sich einfach auf meinem Online-Kalender ein Zeitfenster oder nutzen Sie mein klassisches Kontaktformular um mit mir in Verbindung zu treten. Ich freue mich auf Sie. Ihr Marcus