Borderline (F60.31), Histrionisch (F60.4), Narzissmus, Anankasmus / Zwanghaft F60.5), Paranoid (F60.0), Schizoid (F60.1), Dissozial F60.2), Ängstlich (F60.6), Anhängig (F60.7)
All diese Störungen haben etwas gemeinsam:
Es gibt so unendlich viele Theorien und Statements über die Entstehung einer Persönlichkeitsstörung, dass viele – selbst viele Therapeuten und Mediziner – verwirrt davor zurückschrecken, sich mit dieser Thematik zu befassen.
Aber eigentlich ist alles recht einfach und logisch…
In dieser ersten Phase des Lebens, in der sie noch keine Sprache haben, geht es nämlich nicht um Mathematik, Sprache, Räumliche Intelligenz, Musik, Kinästhetik / Körperliche Intelligenz … es geht einzig und allein darum, mit der Bezugsperson ohne Worte eine Bindung aufzubauen…
All die anderen Themen kommen später dran. Dann, wenn der kleine Mensch bereits Wörter und Sprache zu seiner Kommunikation benutzen kann.
👉 Mit diesem Beitrag möchte ich einmal logisch fundiert aufzeigen, warum wir Borderline und andere Persönlichkeitsstörungen, als eine Störung in der frühesten Bindungsreifeentwicklung betrachten können. Das ist meines Erachtens sehr wichtig, weil es die Grundlage aller Therapieansätze beeinflusst.
Das, was einem Borderliner und allen anderen Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung fehlt ist:
👉 Bindung … Bindung … und nochmals Bindung
Stärker als jede andere Droge, ist die Sucht nach Kontakt / nach der Resonanz durch andere Menschen! Die Zeiten von Corona haben eins besonders deutlich gezeigt: dass der wichtigste Einfluss, dem wir uns als Menschen aussetzen können, die Resonanz zu anderen Menschen ist. Das Miteinander mit Anderen bestimmt, wie wir uns entwickeln und ob wir durch sie stärker oder schwächer werden. Und eine Störung in dieser Entwicklung, ist die Grundlage für eine Persönlichkeitsstörung.
Direkt am Anfang möchte ich drei Begriffe gerne einmal erklären, da sie oft miteinander verwechselt werden:
Unser Temperament wird ab dem Moment der Zeugung hauptsächlich von unseren Genen / dem Erbgut bestimmt. Dies wäre der dynamische Teil unseres Verhaltens.
Diesen inneren / intrinsischen Anteil unserer Persönlichkeit sehen wir bereits in allerfrühester Jugend eines Säuglings und umfasst alle Motivation eines Menschen:
Als Vater mehrerer Kinder kann ich bestätigen, dass jedes Kind bereits ab seiner Geburt sein eigenes Reaktions-Verhalten gezeigt hat. Jeder Mensch ist wirklich so einzigartig wie eine Schneeflocke / oder ein Fingerabdruck. Und je nach Temperament neigen Babys dazu, negative oder positive Gefühle / eine gute oder schlechte Laune zu haben und diese in ihrem Verhalten widerzuspiegeln.
Der geniale Genforscher Robert Cloninger hat durch seine Studien bewiesen, dass unser Temperament genetisch vererbt und nur sehr schwierig zu beeinflussen ist.
Er unterteilt es in folgende vier Bereiche:
Etwas bekannter für dich ist vielleicht die Unterscheidung der 4 Temperamente nach der Hippokratischen Lehre:
Folgendes sollten wir beim Temperament immer im Sinn behalten: Wir werden diese, unsere von Geburt an erworbene Neigung immer behalten. Denn, wer als Choleriker zur Welt kommt, wird nicht als Phlegmatiker ins Grab gehen. Aber, wir können uns Mittel aneignen, um unser jeweiliges Temperament entweder zu verstärken oder zu verringern.
Der Charakter (griechisch „unsere Prägung“) ist all das, was ich an Regeln, Zielen, Motiven, Weltanschauungen und Transzendenzien von meiner Umwelt erhalte.
Was das Temperament der dynamische Teil unseres Handelns, dann ist der Charakter der strukturelle Teil / dass was uns eine Form gibt. Hier kommen dann auch unsere ethisch moralischen Werte zum Vorschein.
Unser Charakter beinhaltet all die Gewohnheiten, die uns von außen anerzogen wurden aber auch diejenigen, welche wir eigenständig durch unsere Beziehungen gelernt haben. Er enthält also sowohl angeborene als auch teilweise erlernte Aspekte. Nochmals möchte ich den amerikanischen Genforscher Robert Cloninger zu Wort kommen lassen. Er unterscheidet drei Dimensionen des Charakters:
Unsere Persönlichkeit ist ähnlich dem Ergebnis einer einfachen Addition: Gene + Charakter = unsere Persönlichkeit. Persönlichkeit ist also unser eigentliches Handeln, welches von innen durch unsere Gene verursacht und von außen durch den Charakter geformt wird. Sie ist die Gesamtheit unseres Verhaltens, unserer Gefühle und unseres Denkens.
Man könnte die Persönlichkeit auch als unser typisches Verhaltensmuster beschreiben, dass – inklusive unserer Gedanken und Emotionen – zeigt, wie wir uns an verschiedene Lebenssituationen anpassen.
Jetzt haben wir das Temperament, den Charakter und auch die Persönlichkeit voneinander getrennt erklärt. Kommen wir nun zu unserem Ursprungs-Thema zurück:
Lass mich dies nun etwas genauer erklären …
Bei unserer Geburt haben wir noch kein Selbst – wir kommen zur Welt und wissen nicht einmal, dass wir als eigenständiges Wesen existieren. Dies ist der Beginn der Internalisierungsphasen. Mit Internalisierung (lateinisch internus = innen befindlich; Internalisierung = verinnerlichen) bezeichnen wir die psychoanalytische Entwicklung unserer Psyche. In dieser Zeit werden Objekte (in der Sprache der Psychologie sind das unsere Bezugspersonen) oder Teile von diesen verinnerlicht und in die eigene Psyche übernommen.
Diese Zeit der Internalisierung wird in drei Phasen unterteilt:
Dies zeigt, wie sehr wir von den Resonanzen unserer Umwelt / den Bezugspersonen abhängig sind, um ein eigenes Selbst überhaupt zu bilden. Und diese Zeit der Selbst-Werdung geht auch nicht von heute auf morgen, sie dauert ca. 24 Monate. In dieser Phase werden Bezugspersonen und später auch andere Menschen als eine Art externes Selbst / oder Extended Mind gebraucht. Durch diese Resonanzen wird unser Selbst ein Leben lang beeinflusst und auch verändert.
Wenn wir diesen Zusammenhang einmal in aller Höhe und Tiefe verstanden haben, kann uns das helfen, unsere Beziehungen mit unseren Mitmenschen besser zu regulieren und damit auch ein glücklicheres Leben zu führen. Und genau hier entstehen entweder gesunde / oder eben auch ungesunde Denkmuster…
👉 Diese allerersten Denkmuster in unserem Selbst könnten wir mit dem Erlernen unserer Muttersprache vergleichen:
Es beginnt noch in der „sprachlosen Zeit“ der ersten Lebensmonate – wenn das Säuglingshirn die Worte der Umgebung mit seinem Hörzentrum“ dem Wernicke-Areal / dem sensorischen Sprachzentrum / Brodmann-Areal 22 aufnimmt. Dann werden parallel im Sprachzentrum / dem Broca Areal / Brodmann Areal 44 und 45 die synaptischen Verbindungen angelegt. Mit welchem Ergebnis? Die Sprache der Eltern – mit ihrem ganz eigenen Dialekt – hinterlässt dann durch Resonanz, seinen eigenen Fingerabdruck, der dem Kind bei den ersten Sprachversuchen hilft und es dann den gleichen Dialekt sprechen lässt, wie es diesen von seinen Eltern hört.
Genauso wie wir Sprache und Dialekt durch unsere Eltern lernen, werden auch alle anderen neuronalen Selbst-Netzwerke durch die Resonanz mit den ersten Bezugspersonen gebildet. Wir lernen sozusagen den Charakter-Dialekt im eigenen Elternhaus!
Das Wissen über neuronale Selbst-Netzwerke in unserem Gehirn, ist erst wenige Jahre alt. Sie sitzen im Frontallappen, ein Bereich, der bei der Geburt neurobiologisch noch nicht ausgereift und damit auch nicht voll funktionstüchtig ist. Der kleine Säugling erlebt zwar seine Umwelt und besitzt auch seine unantastbare Würde, aber er hat zu diesem Zeitpunkt noch kein eigenes Selbst. Dieses ist auf die Resonanz seiner Umgebung zwingend angewiesen.
Ja, es gibt Erziehungskonzepte aus der Wissenschaft, dass Kinder sich am besten entwickeln würden, wenn sie in ihrer Entscheidungsfreiheit nur auf sich alleine gestellt wären. Solch eine Denkweise ist jedoch ein gefährlicher Irrweg, für den viele Jugendliche und spätere Erwachsene teuer bezahlen müssen. Denn auch unser Selbst, unsere psychische Hülle kann Schaden erleiden. Dazu braucht es nicht immer Einwirkungen von außen wie zum Beispiel ein Trauma. Auch wir Selbst können uns selbst Schaden zufügen.
Darum sind liebevolle erzieherische Leitplanken im Umgang mit unseren Kindern notwendig, um Ihnen zu helfen, von unseren Erfahrungen in ihrem Leben zu profitieren. Warum sollten sie auch die gleichen Fehler machen wie wir? Da sich die Welt immer schneller dreht, ist es die oberste Pflicht von uns Eltern, unseren Kindern den Wissensvorsprung zu geben, den wir uns selbst erarbeitet haben. Und ganz nebenbei: Wer den Roman „Der Bungalow“ von Helene Hegemann einmal gelesen hat, der weiß, wie sehr unsere Kinder Leitplanken durch ihre Eltern benötigen.
👉 Borderline ist eine Störung in der Bindungsreife-Entwicklung
Wer mit einem kleinen Säugling in Kontakt geht, macht eigentlich folgende sich widersprechende Erfahrungen;
Diese Art der Kommunikation ist eine völlig andere, als wenn wir uns mit einem anderen Erwachsenen unterhalten. Erwachsene adressieren in einer Ansprache immer die Selbst-Systeme des Gegenübers. Allein die Frage „Wie geht es dir?“ zeigt deutlich, wie sehr sich diese Ansprache von der eines Säuglings unterscheidet. Der Säugling hat kein Selbst, darum hat diese „Erwachsenen-Kommunikation“ neurowissenschaftlich keine Wirkung auf das junge Gehirn.
Diese Behauptung lässt sich mit heutigen modernen neurowissenschaftlichen Methoden auch bildtechnisch nachweisen: Spricht mich jemand an, oder merke ich das andere über mich sprechen, dann werden meine jeweiligen Nervenzellnetzwerken des Stirnhirns aktiv.
Wie aber kommunizieren Erwachsene nun mit einem Säugling, bei dem sein Ich-Sinn, ein Selbst und seine neuronale Grundlage, die Selbst-Systeme, noch gar nicht ausgebildet sind? Wenn man es weiß, ist es eigentlich recht sein: durch spielerische, spiegelnde Resonanz!
Im ersten Schritt nehmen wir ganz intuitiv Blickkontakt auf. Die erste Kommunikation mit einem Säugling erfolgt gewöhnlich über die Augen. Doch das ist erst der Anfang …
Dann beginnt ein Tanz / oder ein Spiel. Wir fangen an, den kleinen Menschen in seinem Tun zu spiegeln. Wir gehen also in Resonanz zu ihm. In diesem Kommunikationsspiel lassen wir seine gesamte Körpersprache wie z.B. seine Stimme, seine Mimik oder seine Bewegungen auf uns wirken und dann ahmen wir diese einfach nach. Aber nicht eins zu eins, sondern wir verändern sie ein wenig und kommentieren sie.
Da kommen auf einmal Sätze wie:
Unsere erste zwischenmenschliche Kommunikation ist also ein Imitieren. Eltern / oder andere Bezugspersonen, die mit dem Säugling kommunizieren, spüren gewissermaßen in sich, wie es dem Kind geht, und spiegeln seine Stimmung. Dabei fügen sie dieser Resonanz in der Regel immer etwas Hilfreiches hinzu – das geht allein schon durch eine tröstende oder aufheiternde Stimme, die wiederum beim Säugling eine eigene Resonanz auslöst.
Und wer in Resonanz geht, der verändert sich zwangsläufig: Wenn der Säugling anfängt zu lächeln, dann wird er uns mit Sicherheit auch zum Lachen bringen. Das gleiche passiert, wenn der Säugling zum Beispiel Hunger oder Schmerzen hat. Eltern spüren dieses Gefühl förmlich in sich und können in der Regel gar nicht anders, als eine liebevolle Resonanz dem Kind zurückzugeben.
Interessant ist, dass beide Parteien sich nicht nur geistig in ihrer Stimmung ändern. Nein! Die Veränderung findet auch neurobiologisch statt: Wir wissen heute, dass jedes innere Gefühl – egal ob Freude, Neugier, Schmerz, Angst, Ärger, Wut oder Ekel – im Gehirn bestimmte neuronale Netzwerke aktiviert. Registriere ich bei meinem Gegenüber ein bestimmtes Gefühl, dann kommt es nicht nur in seinem, sondern auch in meinem Gehirn zu einer Aktivierung der Netzwerke, die zu diesem Gefühl gehören. Fakt ist also, dass die Gegenwart anderer – ohne dass wir uns dessen bewusst sein brauchen – unser Gehirn verändern.
Genau das geschieht beim Säugling durch die Gegenwart seiner Bezugspersonen. Sie formen sein Gehirn – from the scratch – also von Grund auf / ganz elementar. Diese ersten an das Kind adressierten Resonanzen zeigen dem Kind, wer es in dieser Welt ist. Sie sind die Grundlage ihres ersten Selbstgefühls und lassen etwas später in ihm sein Selbst entstehen.
Und jetzt kommt wieder meine Frage: Wann entsteht denn jetzt eigentlich eine Persönlichkeitsstörung? Kurz und knapp: Ganz in den Anfängen der Persönlichkeitsentwicklung, wenn die ersten Resonanzen entweder in Richtung Stabilität oder in Richtung Instabilität gehen. Und wenn jemand dies immer noch anzweifelt, möchte ich ihm / ihr gerne folgende Frage stellen: „Wenn nicht in der vulnerablen ersten Bindungsreife-Zeit, wann denn dann?“ Die Beweise liegen erdrückend stark
Welche Einflüsse sind besonders dafür verantwortlich, dass ein Kind mit einem instabilen Selbst aufwächst?
Es ist ein Fakt, dass die allerersten Lerneinflüsse im Leben eines Kindes – durch seine Bezugspersonen – in der Regel die Eltern – kommen. Und nochmals: das ist kein Eltern-Bashing (engl. to bash = schlagen). Es ist einfach nur eine faktische Beobachtung der Realität. Gerne kann man mich vom Gegenteil überzeugen, dass der Einfluss eines Säuglings durch andere Personen als die Eltern größer ist… Bislang habe ich diesen aber noch nie persönlich oder durch Studien kennengelernt.
Schauen wir uns darum mal an, welchen Einflüssen Kinder in unserer heutigen Zeit, immer häufiger ausgesetzt sind. Ich beobachte vor allem drei Extreme, die ein Kind stressen und in eine instabile Handlungsohnmacht bringen können…
2.3.1 die überängstlichen Helikopter-Eltern…
Es gibt schon einige Erziehungsstile … Von autoritär über demokratisch bis hin zu egalitär ist alles zu sehen. In den letzten Jahren zeigt sich aber ein Erziehungs-Stil besonders häufig: den, der überängstlichen / überbehütenden „Helikopter-Eltern“.
Vielleicht wunderst du dich darüber, dass ich diese Erziehungsform auch als eine Form von missbräuchlichem Verhalten bezeichne. Aber was ist es denn sonst, als ein geistiger Missbrauch und eine Entmündigung des Kindes? Lass mich dir kurz erklären, warum ich davon zutiefst überzeugt bin.
Wenn wir Eltern beobachten, die wie ein Helikopter schützend aber auch kontrollierend über ihren Kindern kreisen, was für eine Botschaft vermitteln sie damit ihrem Kind? Stell dir jetzt mal das Bild eines krabbelnden Kindes im Alter von 5 bis 8 Monaten vor. Es freut sich über seine erste eigene Freiheit und nutzt diese, um seine nächste Umgebung zu erkunden. Sein erstes Abenteuerziel liegt in einen anderen Raum … Die Mutter oder der Vater rennt nun angsterfüllt hinterher, ruft vielleicht noch entsetzt: „Wie kannst du nur wegkrabbeln? Du musst immer bei mir bleiben“ Übertreibe ich? Nein!
Hört sich das nicht gruselig an? Was ist hier die Botschaft der Eltern an die Kinder? Sagen sie nicht klar und deutlich: „Ohne uns kannst du keine eigene Stabilität aufbauen. Du brauchst uns, um selber stabil zu werden. Alleine kannst du es nicht … Die Folge davon: das Kind bleibt durch diesen Dauerstress – ähnlich einem Trauma – in einer Handlungsohnmacht.
2.3.2. Gewalttätige Eltern
Die nächste Art von „Erziehung“, die für eine instabile Persönlichkeit verantwortlich ist, wären die tyrannischen, gewalttätigen und despotischen Eltern. An diese hast Du wahrscheinlich als erstes gedacht, wenn es um eine instabile Trauma–Entwicklung in der Kindheit geht. Und ja! Viel zu viele Kinder erleben heute Gewalt in der Erziehung. 2022 wurden in Deutschland > 42.000 Fälle registriert (7% mehr als 2021)
Möglicherweise kennst du den Satz: „Solange du deine Füße unter meinen Tisch setzt…“ Du weißt, wie er weitergeht. Und was für eine Botschaft hinterlässt dies? Ganz klar: „Du hast gar kein Recht, auf eine eigene Stabilität! Du musst das tun, was ich dir sage und eine eigene Identität hast du nicht.“
Die Folge davon: das Kind bleibt auch hier in einer Trauma-Ohnmacht. Wir sprechen hier nicht von einzelnen Handlungen, sondern von einem Handlungsmuster. Das ist keine PTBS – es ist eine Entwicklungs-Trauma–Ohnmacht! Eine komplexe PTBS die nach dem ICD11 unter 6B41 zu finden ist. Sofern du auch davon betroffen bist, empfehle ich folgende zwei Nummern:
Wenn dich dieses Thema, rund um das Elter-Drama-Dreieck interessiert, dann empfehle ich dir das Buch von Lindsay C. Gibson „Emotional unreife Eltern – Wie wir mit distanzierten, abweisenden oder Ich-bezogenen Müttern und Vätern umgehen.“ https://amzn.to/4gbxA0X
2.3.3. Seelische Missachtung / distanzierte Eltern.
Leider sind immer mehr Eltern mit ihrem eigenen Leben und ihrer eigenen Trauma-Biographie bereits komplett überfordert. Wenn der Nachwuchs dann mit seinen eigenen kleinen Sorgen kommt, werden die Eltern oft von ihren (!) eigenen traumatischen Erlebnissen getriggert und förmlich überrollt und können dadurch mit dem Kind nicht mehr in eine liebevolle Beziehung eintreten. Das so notwendige und natürliche „Containing“ (ein Begriff, den der britische Psychoanalytiker Wilfred Bion – 1897 – 1979 prägte) bleibt dann regelmäßig auf der Strecke. Mit welchen Folgen? Das Kind ist verwirrt, haltlos und geht ohnmächtig auf Distanz … auf eine Distanz zu den Eltern, zu seiner Umgebung und immer mehr zu sich selber, da es ja seinen eigenen Wahrnehmungen nicht mehr trauen kann.
Diese Selbstdistanz ist aber nichts anderes als eine langsame, schleichende Dissoziation. Diese kennen wir aus dem Bereich Trauma. Aber genauso wie es die PTBS und die kPTBS gibt, so gibt es auch die komplexe Entwicklungsdissoziation – das ohnmächtige Distanzieren vom eigenen Ich. Kinder mit einer Störung in der Bindungsreife-Entwicklung, stammen praktisch immer aus gestörten, dysfunktionalen Eltern-Häusern.
Das hier aufgezeigte Eltern–Drama–Dreieck zeigt nur grob, in welch einer katastrophalen Situation, immer mehr Kinder aufwachsen. Einige erleben sogar alle drei Extreme in ihrer Kindheit und müssen irgendwie lernen, damit fertig werden. Das ein kleines Kind dem nicht gewachsen sein und darauf nur mit unreifen Mitteln reagieren kann, versteht sich meines Erachtens von selbst.
Und tataaa … auf einmal reagiert ein Kind
Schalte ich aber meine Wahrnehmung aus, dann bleibe ich immer im außen. Bleibe ich im Außen, dann bleibt mein Inneres ungehört, instabil und schwach. Das ist nichts anderes als das Kernmerkmal aller Persönlichkeitsstörungen: Ein schwaches Ich um den ich immer herumkreise
Die Therapie im Bereich Persönlichkeitsstörung ist eigentlich eine therapeutisch begleitete Reise zu sich selbst. 👉Und was wäre ein Ziel in einer therapeutischen Begleitung?
Dies ist der wichtigste Satz / das wichtigste Ziel in der therapeutischen Arbeit! Sich vollständig selbst zu akzeptieren, auch wenn ich mich in manchen Bereichen ändern möchte. Es ist der Beginn einer achtsamen Selbstliebe und Selbstachtung.
Zwar habe ich selber meine eigenen Bedürfnisse, damit diese gestillt werden ist meine Umgebung nicht verantwortlich. Darum brauche ich sie auch nicht zu ändern – ganz abgesehen davon, dass dies nicht möglich ist. Das zweite Ziel einer Therapie ist also, die Menschen und Situationen um mich herum erst einmal akzeptieren.
Meine Wahrnehmung ist ok, ich kann ihr Vertrauen und höre ihr gerne zu. Das bedeutet, dass ich durch eine geführte Therapie langsam aber sicher mit meinen Gefühlen, mit meinen Lebensmotiven inklusive auch meiner Sexualität in Kontakt trete.
4. Wertschätzung
Das Wort „Wertschätzung“ ist eng verwandt mit den Begriffen Hochachtung, Respekt und Wertachtung. Den eigenen Wert mit Respekt zu betrachten ist etwas ganz anderes als sich immer wieder selbst hörbar oder innerlich still zu beschimpfen „du schaffst das eh nicht“… Der eigene Respekt zeigt sich, indem ich mich bewusst vor den Spiegel stelle und mich – so wie ich bin – mit meiner Persönlichkeit, meinem Aussehen, meinen Transzendenzen und Leistungen als wertvoll betrachten kann. Ich brauche hierfür nicht den Anderen, der mir mein Selbstwertgefühl gibt.
5. Selbstachtung
Selbstachtung ist etwas anderes als Wertschätzung. Wertschätzung schaut mit Respekt auf die eigene Vergangenheit und die eigenen Leistungen. Selbstachtung lässt mich hoffnungsvoll in die Zukunft schauen. Mit Selbstachtung kann ich es genießen, mit anderen Menschen – vor allem mit denen vom anderen Geschlecht – zusammen zu sein, ohne es nötig zu haben von denen positiv bewertet zu werden. Ich selber bin in der Lage, genügend Selbstachtung für mich an den Tag zu legen.
6. Der eigenen Wahrnehmung vertrauen.
Dieser Schritt ist sehr wichtig in einer therapeutischen Begleitung. Persönlichkeitsstörungen sind eine Störung in der Bindungsreife-Entwicklung. Es geht also immer um das Thema Bindung. Wichtig in diesem Zusammenhang ist es, dass es in unserer heutigen Zeit. deutlich mehr Bindungen gibt, welche uns schaden als umgekehrt. Darum ist es ein wichtiges Ziel zu akzeptieren, dass ich mir selber die Frage stellen darf: „Ist diese Beziehung gut für mich? Ermöglicht sie es mir, zu wachsen und mich und meine Persönlichkeit mehr zu entfalten?“
7. Ich darf mich von einer negativen Bindung trennen!
Das ist ein weiterer Meilenstein in einer Therapie! Wenn mir eine Beziehung eher schadet, dann lerne ich, diese zu beenden, ohne dadurch in eine Ohnmacht oder Depressionen zu fallen. Ich darf mir meinen „Inner Circle“ selber aufbauen. Ich darf mir meinen intimen Freundeskreis – Menschen die mir auch in Krisen eine wertvolle Stütze sein werden – selber aussuchen.
8. Gelassenheit
Was für ein schönes Wort: „Gelassenheit“. Es ist eine Ableitung des Verbes „lassen“ oder loslassen. Ich lasse all die Kämpfe, die Dramen und auch das Chaos der Vergangenheit los. Diese haben durch die therapeutische Begleitung langsam aber sicher ihren Reiz verloren. Durch Gelassenheit können wir uns, unsere Gesundheit und damit auch unser Wohlbefinden wirklich schützen.
9. Gemeinsame Transzendenzen
Eines der unterschätztesten Ziele in einer Therapie: wir erkennen, dass eine gesunde Beziehung nur dann von Bestand ist, wenn beide die gleichen Werte, Interessen und Ziele haben.
Wenn wir auf die Welt kommen, wissen wir nicht, dass wir existieren. Der Weg dahin ist voller Zauber und die moderne Hirnforschung beginnt allmählich zu erkennen, um was für ein Wunder es sich hier handelt. Tauche ein in die Welt der Resonanz … Wir lernen durch Resonanz und Spiegelung.
Joachim Bauer – Neurowissenschaftler, Arzt und Psychotherapeut zeigt uns in diesem sehr menschlichen Werk, wie das Selbst entsteht, aber auch welchen Gefahren es ausgesetzt ist. Wir lernen hierdurch, uns selber besser kennen und wie wir mehr innere Stärke bekommen können. Diese > 200 Seiten sind sehr lesenswert!
Es sind viele Bereiche, die wir ansprechen können: Angefangen vom Umgang mit Borderline oder einer anderen belastenden Störung, aber auch über Future Faking, Love Bombing und Gaslighting die immer häufiger in unsere Gesellschaft zu beobachten sind.
Ich möchte aber nicht nur über Fragen sprechen, sondern auch praxisgerechte Lösungen anbieten:
Buchen Sie sich einfach auf meinem Online-Kalender ein Zeitfenster oder nutzen Sie mein klassisches Kontaktformular um mit mir in Verbindung zu treten. Ich freue mich auf Sie. Ihr Marcus