kPTBS – die komplexe Posttraumatische Belastungsstörung Personen mit einer Borderline Diagnose erzĂ€hlen oft und hĂ€ufig von körperlichen, psychischen Gewalt und / oder sexuellen Traumatisierungen in ihrer Vergangenheit.Â
AnfĂ€nglich in der medizinischen Geschichte wurde solchen Aussagen von den Ărzten kaum Beachtung geschenkt. Ganz im Gegenteil: Es wurde sogar aktiv angezweifelt, dass eine traumatische Vergangenheit ĂŒberhaupt einen Einfluss auf die Entwicklung einer Persönlichkeitsstörung haben könnte.  Inzwischen wird aber immer deutlicher, dass die gewaltige Zahl an kindlichen Traumatisierungen bei ĂŒber 50 % bis 80 % der Borderliner in einer Anamnese nicht mehr ĂŒbersehen werden kann und darf. Hinzu kommt, dass ĂŒberdurchschnittlich viele Borderline â Patienten von sexuellem Missbrauch in ihrer Kindheit berichten! Das alles lĂ€sst zumindest fĂŒr Borderline einen Trauma-Ursprung klar vermuten.
Als das dann im Laufe der Zeit immer klarer, wurde fiel man teilweise sogar in das andere Extrem:Â
Dann auf einmal wurde darĂŒber diskutiert, den Begriff Borderline generell durch den der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung (KPTBS) zu ersetzen â weil Trauma in der Anamnese praktisch immer vorkam. Dies geschah jedoch nur eine kurze Zeit! Heute wissen wir, dass die Traumatisierungen in der Entwicklung von Borderline zwar wichtig aber grundsĂ€tzlich nicht zwingend sind.
All diese unterschiedlichen Ergebnisse zeigen uns aber immer klarer, das wir stĂ€rker nach dem Zusammenhang zwischen einer Traumatisierung und Borderline (hier ganz besonders in der Kindheit und Jugend) forschen mĂŒssen.Â
Immer wieder beobachten wir, dass die gleiche Situation fĂŒr den Einen traumatisierend sein kann ⊠fĂŒr den anderen ist sie jedoch nur eine harmlose Episode ⊠und zwar so harmlos das in dieser Situation fĂŒr ihn bereits einfache BewĂ€ltigungsstrategien genĂŒgen. Das macht die Beschreibung eines Traumas jetzt nicht gerade einfacher, sondern eher deutlich komplexer.
Darum ist es sinnvoll,
Und genau das ist jetzt einfacher gesagt als es in der Wirklichkeit so ist â denn es gibt nĂ€mlich nicht so viele konkrete / objektive Kriterien fĂŒr ein Trauma! Eines der wenigen objektiven Kennzeichen wird im DSM und dem ICD als eine âBedrohung der körperlichen IntegritĂ€tâ beschrieben. Aber leider ist das fĂŒr die Praxisarbeit noch nicht ausreichend genug um die gesamte Diskussion darĂŒber, ob Borderline nun eine komplexe Traumafolgestörungen ist oder nicht, ausreichend zu beschreiben. Und beschreiben mĂŒssen wir es ja, denn ohne eine klare Definition kann ein Trauma nicht verstanden und therapiert werden! GrundsĂ€tzlich können wir mal folgende Aussage in den Raum stellen:Â
Nicht jede Borderline â Persönlichkeitsstörung ist eine Traumafolgestörung! Erst recht nicht, wenn wir einzig und allein die Definition des DSM und der ICD fĂŒr ein Trauma nehmen.
Welche Traumatisierungen fehlen dann noch? Es fehlt die groĂe Gruppe der Entwicklungstraumatisierungen in Form von wiederholter psychischer, körperlicher und leider auch sexueller Gewalt, die an den wehrlosen Kindern verĂŒbt werden. Diese Entwicklungstraumatisierungen sind in den Trauma-Kriterien nach dem DSM und dem ICD explizit NICHT enthalten, und dass, obwohl genau diese Patienten den wohl gröĂten Teil derjenigen in den Praxen ausmachen die verzweifelt nach einem Termin und nach professioneller Hilfe suchen. Das alles ist von wirklich groĂer Wichtigkeit, wenn wir ĂŒber Trauma-Heilung bei einer Persönlichkeitsstörung sprechen.
Auch sollte man sich fragen,
Nimmt man das alles nun ernst, dann muss man logischerweise auch die Definition von Trauma im Kindesalter um all die gemachten Erfahrungen von psychischer Gewalt und VernachlÀssigung ausdehnen.
Diese Denke ist nicht neuâŠÂ Sie hat sogar eine eigene Geschichte in der Psychoanalyse. Wir kennen sie z.B. von der Londoner Schule rund um den Kinderpsychiater und Psychoanalytiker John Bowlby. Hier wurde bereits in den 1950er Jahren bei den sich wiederholenden / repetitiven BindungsschĂ€digungen bereits von âsich immer weiter steigernden / kumulativen Traumaâ gesprochen.
Dies ist jedoch keine Einzelaussage eines engagierten Forschers. Dies wird durch viele weitere neurobiologische Studien bestĂ€tigt, die alle eines zeigen: welch groĂe SchĂ€den âAttachments Traumaâ oder ârelational Traumaâ in dem verletzbaren kindlichen Gehirn hinterlassen.Â
Solche frĂŒhen SchĂ€digungen vernarben dann und sind bis ins hohe Erwachsenenalter nachweisbar.Â
Was machen wir jetzt mit diesem Wissen?
Aber viele Ărzte und auch Forscher lehnen eine solche Begriffserweiterung des Traumas kategorisch ab. Warum? Weil ich dann zu praktisch allem / beinahe inflationĂ€r sagen kann: âEr / Sie / Ich wurde traumatisiertâŠ.â âTraumatisiert seinâ wird dann zu einem ganz alltĂ€glichen Begriff wie z.B.
Und ja, der TraumaâBegriff, der auch die Bindung â und BeziehungsschĂ€digung in der Kindheit und Jugend einbezieht, ist tatsĂ€chlich nicht eindeutig begrenzbar. Wir befinden uns in einem echten Dilemma! ….  Was wir brauchen ist eine Begriffserweiterung â aber genau das stellt gleichzeitig eine BĂŒchse der Pandora dar: eine Inflation des Trauma-Begriffes.Â
Vielleicht könnte man dieses Dilemma lösen, indem man neurobiologische Forschungen mit in die Diagnose hineinnimmt.
Durch solche Befunde könnte man z.B. deutlich klarer abgrenzen,
Das wĂ€re mal ein erster Schritt. AnschlieĂend könnte man dann mit diesen Erkenntnissen neue Konzepte, Begriffe und Metaphern fĂŒr ein Trauma entwickeln.Â
Was sagt denn die Zahlenlage? Auf der Suche nach konkreten und auch belastbaren Zahlen von schwerer VernachlĂ€ssigung im Kindesalter sieht man sich in Deutschland allein auf weiter Flur⊠Genaue Zahlen habe ich hierzu nicht gefunden.Â
Anders in den Vereinigten Staaten! Studien zeigen, dass hier bis zu 5 % aller Kinder von âNeglectâ (VernachlĂ€ssigung) betroffen sind und sie zeigen auch dass dies die hĂ€ufigste Form von Kindesmisshandlung ĂŒberhaupt ist.
Eine spezielle und nicht zu ĂŒbersehende Form von VernachlĂ€ssigung ist
Z.B., wenn die Eltern Alkoholâ oder DrogenabhĂ€ngig sind oder die wichtigste Bezugsperson selber an einer schweren psychischen Erkrankung (z.B. einer Psychose) leidet und dem Kind dann logischerweise nicht ausreichend Aufmerksamkeit und/oder Zuwendung schenken kann.
Und hier brauchen wir nicht herum diskutieren: Es ist bis nĂ€mlich wirklich gut belegt, dass eine dauerhafte VernachlĂ€ssigung in dieser empfindsamen / verletzbaren Entwicklungsphase der Kinder zu sehr schweren FolgeschĂ€den fĂŒhren kann.
Verhaltensexperimente mit gesunden (!) Kleinkindern zeigen, dass die Abwesenheit der nĂ€chsten Bezugsperson in einer fremden Umgebung mit starker Angst beantwortet. Wenn dies bei gesunden / nicht auffĂ€lligen Kleinkindern passiert, dann passiert dies deutlich hĂ€ufiger bei denen die bereits auffĂ€llig sind! Diese Reaktion der Kinder basiert auf der natĂŒrlichen Tatsache, dass sie in freier Natur ohne ihre Mutter in akuter Lebensgefahr schweben (Hier sprechen wir von der Vernichtungsangst der SĂ€uglingen).
Die Verlassenheitsangst eines kleines Kindes ist also eine Realangst die wir niemals ĂŒbersehen dĂŒrfen! Entsprechend verletzbar sind diese Erlebnisse fĂŒr das Kind, wenn sie immer wieder und auch ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum passieren. Eine immer wieder verunsichernde oder auch fehlende Beziehung durch selber schwer belastete Eltern oder durch stĂ€ndig wechselnde Bezugspersonen sind fĂŒr das Kind nun mal extrem belastend. All das verhindert, dass das Kind ausreichend stabilisierende Erfahrungen von liebevoller Spiegelung durch das GegenĂŒber machen kann.
Diese fehlende Sicherheit versetzt es dann in einen andauernden Spannungszustand und es reagiert darauf mit unorganisierten Affekten und einem von auĂen nicht mehr nachzuvollziehenden Bindungsverhalten (typisch Borderline halt F60.30 und F60.31)
Ăhnlich hohe Zahlen wie fĂŒr die VernachlĂ€ssigung finden wir bei körperlicher Gewalt wie es z.B. durch anschreien, beschimpfen, demĂŒtigen und entwerten erfolgt. Den armen Kindern und Jugendlichen wird durch Herabsetzungen, lĂ€cherlich machen, einschĂŒchtern oder ignorieren vermittelt,
– Du bist völlig wertlos, ungewollt und damit âzu Rechtâ ungeliebt.
In der Dialektisch â Behavioralen Therapie (DBT) nennt man dies eine permanente âInvalidierungâ des Kindes: Und ja, oft sind diese Menschen spĂ€ter tatsĂ€chlich psychisch âInvalide / Krank / bis hin zur ErwerbsunfĂ€higkeitâ.
Durch diese psychische Gewalt entwickelt sich eine massive Störung der emotionalen Bindung an die Bezugspersonen â und als Resultat erfolgt dann:
Jetzt wird das Kind Ă€lter â wĂ€chst heran zum Erwachsenen. Kann man hoffen, dass sich diese âStörungâ irgendwie im Alter herauswĂ€chst? Nein! Diese Hoffnung ist so gering, dass wir sie praktisch vernachlĂ€ssigen können. Die Betroffenen bleiben dauerhaft vorgeschĂ€digt und als Erwachsener extrem verletzbar / wir nennen das Vulnerabel. Vulnerabel und anfĂ€llig fĂŒr all die Dysregulationen welche wir beim Borderliner sehen.
Was ist die Hauptquelle fĂŒr diese schwere emotionalen Belastungen?Â
HĂ€ufig entstehen sie konkret durch Probleme in den engen / dyadischen zwischenmenschlichen Beziehungen zum Beispiel bei Konflikten und Trennungen vom Partner oder am Arbeitsplatz. Und HĂ€ufig zeigen sich bereits in der Adoleszenz / der PubertĂ€t sehr deutliche Zeichen einer Persönlichkeitsstörung.Â
Seien wir uns aber immer darĂŒber im Klaren: Diese Störungsbilder sind immer nur die BewĂ€ltigungsversuche oder Reaktionen auf die durch das Trauma entstandene Problematik. Sie sind nicht willentlich einstudiert, sondern sie sind der Versuch des Ăberlebens in einer traumatisierenden Umgebung
Liegt bei einem Borderliner zusĂ€tzlich noch die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) vor, dann kann man recht sicher auch von einer Trauma-Ursache fĂŒr das Störungsbild âBorderlineâ ausgehen! Das hört sich zwar logisch und zwangslĂ€ufig an, muss aber aktuell immer noch ausdrĂŒcklich erwĂ€hnt werden â damit es in den Köpfen der Therapeuten auch fest verankert ist!
Typische bei den Betroffenen ist hier das immer wieder Durchleben der traumatischen Situation zum Beispiel in Form von Intrusionen (also den nicht gewollten Erinnerungen) oder AlbtrĂ€umen. Und tatsĂ€chlich haben wir eine riesige Ăberschneidung zwischen der Diagnose Borderline und PTBS: Wir haben hier KomorbiditĂ€tsraten (Begleiterkrankung) von ĂŒber 60 %.
Weitere Ăberschneidungen sind z.B.
Gleich vorneweg:Â Wir sollten stets eine Unterscheidung machen zwischen Borderline mit einer PTBS und denen ohne begleitende PTBS.
Das ist in zweifacher Hinsicht wichtig:
Warum ist dies so wichtig? Nun, Patienten mit einer Borderline â Persönlichkeitsstörung die auch noch an einer komorbiden PTBS leiden, sind deutlich komplexer in der Behandlung als diejenigen ohne diese Zusatzbelastung! Was wir brauchen ist ein praxisbezogener Vorschlag, um eine Differenzialindikation zu stellen / um spĂ€ter dann zu unterscheiden, welche (!) traumatherapeutische Therapie bei Patienten mit Persönlichkeitsstörungen angeboten werden kann. Bislang sprechen wir ja von Traumatherapie als eine EinheitâŠ
Wir brauchen also so etwas wie eine eigene Diagnose-Kategorie / Diagnose-Abstufung fĂŒr die vielen typischen aber auch sehr unterschiedlichen Symptomen die wir nach den kindlichen Traumatisierungen so alle sehen.
Eine Pionierin auf diesem Gebiet veröffentlichte im Jahre 1976 veröffentlichte ein wirklich wegweisendes Buch fĂŒr die Behandlung schwerer Traumen mit dem deutschen Titel: âdie Narben der Gewaltâ. Es handelt sich hierbei um die amerikanische Traumaforscherin Judith Hermann.Â
Sie entwickelte eine heute immer noch aktuelle Einteilung der Folgen von Traumatisierungen durch sexuellen Missbrauch, VernachlĂ€ssigung und Misshandlung in der Kindheit. Sie war praktisch die erste die z.B. die Bezeichnung âkomplexe posttraumatische Belastungsstörungâ vorschlug um das Problem einmal aus dem diffusen Nebel heraus zu holen und klarer einzugrenzen.
Dieses Bild der K-PTBS zeigt sich â nach ihren Beobachtungen – in folgenden Merkmalen:
Dieses Konzept der K-PTBS wurde dann spĂ€ter rund um Judith Hermann und Bessel van der Kolk ausgearbeitet. Nach sehr ausgedehnten Praxis-Studien wurde anschlieĂend die Empfehlung ausgesprochen, die K-PTBS unter dem Akronym DESNOS (Disorders of Extreme Strees not Otherwise Specified) als diagnostische Kategorie in das DSM aufzunehmen â der Ritterschlag fĂŒr diese Studien.Â
Der DSM ist nĂ€mlich das âDiagnostic an Statistical Manual of Mental Disordersâ Das Klassifikationssystem / die Bibel / der Heilige Gral der Psychiatrie. Es wird seit 1952 von der APA herausgegeben.Â
Der Begriff DESNOS wird im amerikanischen Sprachraum gleichgesetzt mit dem Begriff K-PTBS.
Wenn ein Patient nun mit einer K-PTBS diagnostiziert wird, dann hat dies auch eine direkte Auswirkung fĂŒr die weitere Behandlung: Durch diese gezielte Diagnose können anschlieĂend auch gezielte stabilisierende und ganz besonders auch Ressourcen-fördernde MaĂnahmen eingesetzt werden. All das hatte man vorher nicht so klar âauf dem Schirmâ.
Wie kann man z.B. eine K-PTBS ermitteln?
Nun, ebenso wie jede Therapie nach einer klaren Struktur durchgefĂŒhrt wird, so muss zuerst auch die Diagnose strukturiert durchgefĂŒhrt werden â ansonsten wĂ€re ja bereits das Fundament brĂŒchig. In diesem Falle bedient man sich des I-KPTPS. Dies ist ein strukturierter Interview-Katalog in welchem durch klare Fragen dann die Antworten des GegenĂŒbers ausgewertet werden. Solch eine umfangreiche Diagnose â er beinhaltet ĂŒber 40 Fragen mit weiteren Zusatzthemen â zeigt auf, das die Probleme durch die K-PTBS extrem unterschiedlich bei den Betroffenen ausfallen können.
Und genau diese Vielfalt an Beschwerden begreift ein AuĂenstehender oft erst nachdem man diese sichtbaren Symptome â welche die AuĂenwelt fĂ€lschlicherweise als Störung bezeichnet â nun richtigerweise als Anpassungsstrategie und BewĂ€ltigungsmuster von Regulationsdefiziten, Ăngsten und traumatischen Erfahrungen erkennt.
Aus der Betroffenen-Sicht wirkt die Umwelt â gerade wegen der erlebten Traumen â nĂ€mlich total unsicher. FĂŒr ihn lauern ĂŒberall die tödlichen Gefahren.
Hierzu ein Beispiel aus der Somatik:Â
Ein Tumorpatient â der bereits stark in seinen Ăngsten beansprucht wurde – reagiert auf kleine und vielleicht harmlose Schmerzen oft mit der Angst vor einem Rezidiv. Diese Angst ist fĂŒr ihn dann natĂŒrlich mehr als ĂŒberwĂ€ltigend, weil er das GefĂŒhl hat, das alles ĂŒberhaupt nicht mehr alleine bewĂ€ltigen zu können. Wegen dieser negativen Erfahrungen ist es dann auch klar, dass sich dadurch immer stĂ€rker Misstrauen, Ăngste, Kontakt â und Beziehungsschwierigkeiten bei den Betroffenen entwickeln. Das kann sich dann so sehr steigern und praktisch Lebensbereiche umfassen, dass sie als schwere psychische Erkrankung / oft sogar als Persönlichkeitsstörung von AuĂenstehenden wahrgenommen werden.Â
Zwischen Borderline und der K-PTBS gibt es sehr viele Ăberschneidungen â was eine Unterscheidung etwas komplexer aber nicht unmöglich macht. Bei einer Meta-Studie wurden diese DiagnoseĂŒberschneidungen einmal gezielter untersucht, mit dem Ziel diese irgendwie voneinander abzugrenzen â falls das ĂŒberhaupt möglich ist.Â
Das Ergebnis:
80 % der diagnostizierten Borderliner erfĂŒllten gleichzeitig die Diagnose-Kriterien fĂŒr Borderline UND einer komplexen PTBS. Fast alle (96 %) der BorderlineâPatienten berichteten ĂŒber traumatische Erfahrungen in ihrer Kindheit, wie z.B. VernachlĂ€ssigung, körperliche und/oder sexualisierte Gewalt. Diese Daten wurden erhoben mit dem TAQ (Traumatic Antecedents Questionnaire â Dem Fragebogen zu traumatischen Vorgeschichten).
Diejenigen, welche die Kriterien einer K-PTBS erfĂŒllten, berichteten deutlich hĂ€ufiger von sexuelle Traumatisierungen (23 % versus 48 %) und körperliche Gewalt Erfahrungen (50 % versus 70 %),
Was sagt uns das? Es zeigt uns, dass die Diagnose einer K-PTBS deutlich hÀufiger
Und was ist jetzt richtig?Â
Die Diagnosen Borderline und K-PTBS ĂŒberschneiden sich so hĂ€ufig, dass es praktisch unmöglich ist, sie durch reine Statistiken voneinander zu unterscheiden.Â
In einer Diskrimininanz-Analyse konnte man zumindest die beiden Variablen
Wenn es so viele Ăberschneidungen gibt, dann liegt der Verdacht nahe, dass beide Diagnosen eine gemeinsame, durch Trauma ausgelöste Ursache haben.
Genau diesen Vorschlag machten verschiedene Forscher, die sowohl bei sexuell traumatisierten Frauen als auch bei Kriegsveteranen – zwei ganz unterschiedliche Typen einer PTBS vorfanden:
Mal wieder zwei Fachbegriffe:
Internalisierendes Verhalten bedeutet:
Externalisierendes Verhalten
Borderline wĂŒrde man darum eher als externalisierende Variante einer komplexen Traumafolgestörung verstehen.Â
Andererseits entspricht die von Judith Hermann vorgeschlagene Diagnose einer K-PTBS der Internalisierenden Variante einer Traumafolgestörung.
Darum ist es nur absolut konsequent, die Diagnose einer Entwicklungstraumafolgestörung (Develop Mental Trauma disorder), egal ob externalisierend oder internalisierend, in das KinderâJugendâKapitel des DSM mit einzubinden. Dieses Unterscheiden einer K-PTBS in eine externalisierende und in eine internalisierende Variante ist auch genau das, was in der klinischen Praxis beobachtet wird. In der Praxis sieht man nĂ€mlich immer wieder diese Mischformen zwischen den beiden Extremen einer internalisierenden und einer externalisierenden Variante â die sich beim selben Patienten sogar immer wieder abwechseln kann – typischerweise wenn auch starke dissoziative Symptome vorhanden sind.
Andere Forscher unterscheiden noch zwischen einer Autoâ und einer fremdaggressiven AusprĂ€gung â aber das fĂŒhrt nun doch zu weit in dieser AbhandlungÂ
Am besten eignet sich eine spezielle, auf das Trauma und seine (!) Symptome ausgerichtete Psychotherapie. Dies trifft ganz besonders auf die Therapie von Borderlinern mit frĂŒhkindlicher Traumatisierung zu, die entweder an einer K-PTBS oder an einer komorbiden PTBS leiden.
Die Traumatherapie von Borderlinern muss sich kĂŒnftig einer ganz konkreten Problematik stellen: Und zwar dass bei diesen armen Menschen, beide zentralen StressbewĂ€ltigungssysteme schwer geschĂ€digt sind:
Solche Störungen der BindungsfĂ€higkeit stören in der Therapie auch den so wichtigen Aufbau einer stabilen, vertrauensvollen, belastbare Arbeitsbeziehung. Störungen durch ein Trauma belasten auĂerdem die kognitiven, verstandesbezogenen Verarbeitungsmöglichkeiten.
Das ganz groĂe Dilemma all dieser Probleme folgt auf dem FuĂ: Rein biologisch findet – wĂ€hrend wir uns im âTrauma-Modusâ befinden – eine emotionale Konditionierung in der Amygdala stattâŠ
Das fĂŒhrt dann zu weiteren hochproblematischen Therapieproblemen… Einerseits ist es rein biologisch z.B. nicht möglich,
Jedes Problem einzeln fĂŒr sich betrachtet ist schon belastend genug. Diese Doppelbelastung ist jedoch wie ein Gordischer Knoten. Zum GlĂŒck hat man sich mit diesem Thema in den vergangenen Jahren besonders intensiv auseinander gesetzt und es sind viele Fortschritte seitdem erzielt worden. Wurden noch vor 15 â 20 Jahren die Therapie von Realtraumata bei BorderlineâPatienten nur an sehr wenigen Kliniken durchgefĂŒhrt, so wĂ€chst die Kompetenz sowohl von Kliniken als auch niedergelassenen Therapeuten in diesem Thema immer mehr an.Â
Traumatisierungen in der Kindheit mit extremer VernachlĂ€ssigung und psychischer Gewalt, sind hochgradig verantwortlich fĂŒr die Entstehung von Borderline.
Patienten mit einer BorderlineâPersönlichkeitsstörung und zusĂ€tzlich einer begleitenden Traumafolgestörung profitieren immer mehr von den neuen psychotherapeutischen BehandlungsmaĂnahmen, die nun ganz gezielt an den Symptomen der Traumatisierung ansetzen â und nicht mehr nur die Affekte der Störung verringern wollen.
Dies hilft besonders effektiv wenn zusÀtzlich noch dissoziative Symptome in dem Störungsbild auftreten.
Ein Buch, das praxistauglicher kaum sein kann. Persönlichkeitsstörungen sind aufgrund der InstabilitĂ€t an KomplexitĂ€t kaum zu ĂŒberbieten. Darum machen viele Psychotherapeuten auch einen Bogen um die Therapie hiervon Betroffener. Nicht so der Psychiater Jerold Kreisman der sein Leben der Behandlung von Borderline-Persönlichkeitsstörung gewidmet hat. Das Lesen dieses Buches hat mich zu meiner U.M.W.E.G. inspiriert.Â
Aufgrund der vielen PraxisfĂ€lle kann man die Affekte und Symptome besser verstehen. Die vielen Tipps fĂŒr den Umgang mit den Betroffenen sind eine echte Hilfe und nehmen einem die Wut und Aggressionen, die oft im Kontakt mit dieser Krankheit entstehen und erzeugen vielmehr VerstĂ€ndnis und MitgefĂŒhl.Â
Es sind viele Bereiche, die wir ansprechen können: Angefangen vom Umgang Borderline oder einer anderen belastenden Störung, aber auch ĂŒber Future Faking, Love Bombing und Gaslighting die immer hĂ€ufiger in unsere Gesellschaft zu beobachten sind.Â
Ich möchte aber nicht nur ĂŒber Fragen sprechen, sondern auch praxisgerechte Lösungen anbieten:
Buchen Sie sich einfach auf meinem Online-Kalender ein Zeitfenster oder nutzen Sie mein klassisches Kontaktformular um mit mir in Verbindung zu treten. Ich freue mich auf Sie. Ihr Marcus