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Borderline 

Sind Eltern Gene oder Bindungen schuld?

Wer ist Schuld an dem was uns passiert? Sind es die Eltern, die Gene oder unsere Bindungen?Diese Frage, „wer ist eigentlich fĂŒr Kinderarmut zustĂ€ndig – Eltern oder Staat?“ hat mich zu diesem Beitrag motiviert.

Wer oder was entscheidet ĂŒber meinen persönlichen Werdegang?

      • Sind es die Eltern?
      • Ist es die Gesellschaft?
      • Oder habe ich mein Leben ĂŒberwiegend selbst in der Hand?
      •  

(1.) Was ist das, die Persönlichkeit? Wie wird diese gebildet?

(1.) Was ist das, die Persönlichkeit? Wie wird diese gebildet?Persönlichkeit ist im Endeffekt die Art und Weise, wie wir bewusst auf unsere Umwelt reagieren und mit ihr interagieren. Doch bevor ich mich bewusst (kognitiv) fĂŒr eine Handlung entscheide bzw. nicht entscheide, muss ich Handlungsalternativen bekommen. Und da kommen jetzt das Temperament und der Charakter mit ins Spiel.

1.1. Unser Temperament

Was ist das, unser Temperament?Ganz am Anfang, wenn wir als reines „Es“ (Zitat Sigmund Freud) auf die Welt kommen, reagieren wir noch nach den „Ureinstellungen unserer Gene“. Der Mensch hat ungefĂ€hr 25.500 Gene / andere Quellen sprechen von knapp 30.000. Diese enthalten unseren gesamten Bauplan und geben damit auch vor, wie wir uns entwickeln.

Wir unterscheiden heute vier große Gruppen von Temperamenten:

      • Choleriker
        • GeprĂ€gt durch ImpulsivitĂ€t und starken Emotionen
      • Sanguiniker
        • Er ist temperamentvoll, heiter, oftmals auch leichtsinnig
      • Melancholiker
        • SchwermĂŒtig, misstrauisch, kritisch, eher unauffĂ€llig jedoch derjenige der kreativ Dinge sieht, die noch nicht da sind.
      • Phlegmatiker
        • Langsam, ruhig, eher schwerfĂ€llig

Unsere Gene sind aber nicht in Stein gemeißelt. Sie können– nach der Forschung der Epigenetik – durch Ă€ußere EinflĂŒsse in uns an- und auch ausgeschaltet werden. Solche Ă€ußeren EinflĂŒsse mĂŒssen nicht immer chemische Stoffe oder Toxine sein. Es ist auch durch die Art und Weise wie unsere Kommunikation mit der sozialen und der „fest vernetzten“ Welt um uns herum stattfindet.

Der Genetiker Moshe Szyf von der kanadischen McGill UniversitÀt in Montreal verglich in einer Studie die epigenetischen Profile von hunderten Kindern in Bezug auf die Auswirkungen von Missbrauch und Misshandlungen. Das Ergebnis seiner Untersuchungen: Er fand heraus, dass bei den missbrauchten und misshandelten Kindern VerÀnderungen an 73 Genen stattfanden, die bei Kontrollgruppen nicht zu beobachten waren.Der Genetiker Moshe Szyf von der kanadischen McGill UniversitÀt in Montreal verglich in einer Studie die epigenetischen Profile von hunderten Kindern in Bezug auf die Auswirkungen von Missbrauch und Misshandlungen.

Das Ergebnis seiner Untersuchungen: Er fand heraus, dass bei den missbrauchten und misshandelten Kindern VerÀnderungen an 73 Genen stattfanden, die bei Kontrollgruppen nicht zu beobachten waren.

Unser Temperament wird zwar durch unsere Gene bestimmt, diese können aber durch die Umwelt verÀndert werden. Und genau hier kommt nun der Charakter mit ins Spiel:

1.2. Der Charakter

Der Charakter wird aus all dem gebildet, was nun von außen auf uns einströmt. Dies ist alles, was wir nach der Befruchtung der Eizelle – nachdem sich das Ur-Gen / das Genom gebildet hat – nun erleben. AusdrĂŒcklich möchte ich hier auch erwĂ€hnen, dass die ersten EindrĂŒcke im Mutterleib dazu gehören und mit den wichtigsten Einfluss auf uns nehmen.

Diesen Einfluss frĂŒhester Erlebnisse möchte ich mal mit dem „WestfĂ€lischen Hellweg“ / kurz „Hellweg“ in Nordrhein-Westfalen beschreiben. Dieser Weg ist inzwischen ĂŒber 7000 Jahre alt.Diesen Einfluss frĂŒhester Erlebnisse möchte ich mal mit dem „WestfĂ€lischen Hellweg“ / kurz „Hellweg“ in Nordrhein-Westfalen beschreiben. Dieser Weg ist inzwischen ĂŒber 7000 Jahre alt. Ganz am Anfang war er nur ein Trampelpfad und begann aller Wahrscheinlichkeit nach an einem RheinĂŒbergang in der NĂ€he von Krefeld. Einer Legende nach, nutzen ihn bereits die alten Römer zur Eroberung Germaniens. Sicher ist aber, dass Karl der Große (768 bis 814 u.Z.) diesen Weg ausgebaut und mit Burgen bzw. Reichshöfen gesichert hat. Was am Anfang ein kleiner Trampelpfad war, wurde spĂ€ter eine der wichtigsten Handelsstraßen.

So auch unsere CharakterzĂŒge oder Charakterbahnen. Wie wir spĂ€ter noch sehen werden, haben die ersten EindrĂŒcke in unserem Leben mit, den wichtigsten und tiefsten Einfluss auf unser Handeln.

Mit dem Einfluss der Umgebung / der Charakter auf unsere Gene und unser Handeln hat sich der US-amerikanische Genetiker Robert Cloninger viele Jahre auseinandergesetzt. Er entwickelte das Konzept der „drei Dimensionen des Charakters“. Der Charakter enthĂ€lt vor allem die ethisch, moralischen Elemente, welche wir von unserer Umgebung aufnehmen. Diese könnte man nach Cloninger in drei Dimensionen unterteilen:

Die innere Ordnung Übernehme ich Verantwortung, akzeptiere ich mich selbst und bin ich auf der Suche nach kreativen neuen Richtungen
Meine Kooperation mit der Umgebung Wie interagiere ich mit meiner sozialen Umgebung? Habe ich Empathie, MitgefĂŒhl? Handle ich nach einem erklĂ€rbaren Gewissen und bin ich zur Akzeptanz bereit („Ich bin ok – du bist ok“?
Meine Selbsttranszendenz Dies ist von Viktor Frankl und seiner Logotherapie ausgeliehen und ist eine stĂ€ndige Suche nach dem Sinn im Leben.Mit dem Einfluss der Umgebung / der Charakter auf unsere Gene und unser Handeln hat sich der US-amerikanische Genetiker Robert Cloninger viele Jahre auseinandergesetzt. Er entwickelte das Konzept der „drei Dimensionen des Charakters“. Der Charakter enthĂ€lt vor allem die ethisch, moralischen Elemente, welche wir von unserer Umgebung aufnehmen. Diese könnte man nach Cloninger in drei Dimensionen unterteilen:

      1. Die innere Ordnung Übernehme ich Verantwortung, akzeptiere ich mich selbst und bin ich auf der Suche nach kreativen neuen Richtungen
      2. Meine Kooperation mit der Umgebung Wie interagiere ich mit meiner sozialen Umgebung? Habe ich Empathie, MitgefĂŒhl? Handle ich nach einem erklĂ€rbaren Gewissen und bin ich zur Akzeptanz bereit („Ich bin ok – du bist ok“?
      1. Meine Selbsttranszendenz Dies ist von Viktor Frankl und seiner Logotherapie ausgeliehen und ist eine stÀndige Suche nach dem Sinn im Leben.

Das Zusammenspiel von genetischem Temperament und dem charakterlichen Einfluss durch meine Umgebung bringt mich jetzt endlich zur dritten Ebene – der Persönlichkeit.

  • 1.3. Die Persönlichkeit

Meine Persönlichkeit ist im Endeffekt nichts anderes als meine innere Haltung die durch meine Ă€ußerlich sichtbaren Handlungen erkannt werden kann.

Auch diese kann man in bestimmte Gruppen unterteilen. Damit haben sich die beiden US-Psychologen Paul Costa jr. und Robert Mc Crae auseinandergesetzt. Sie entwickelten das Konzept der „Big Five“.

Die „Big Five“ der PersönlichkeitsstileDie „Big Five“

      1. Offenheit
        1. ↑ Einfallsreich
        2. ↑ Fantasievoll
        3. ↑ Interessiert am Leben wie z.B. Kunst, Kultur
        4. ↑ Aufmerksam fĂŒr eigene und fremde Emotionen
        5. ↓ Routiniert
        6. ↓ Uninteressiert
        7. ↓ Konventionell
        8. ↓ Konservativ
      1. Gewissenhaftigkeit
        1. ↑ Organisiert
        2. ↑ Verantwortungsbewusst
        3. ↑ ZuverlĂ€ssig
        4. ↑ Genau
        5. ↓ Ungenau
        6. ↓ Unachtsam
        7. ↓ UnsorgfĂ€ltig
      1. Extraversion
        1. ↑ Energisch
        2. ↑ GesprĂ€chig
        3. ↑ Dominat
        4. ↑ Aktiv
        5. ↓ Still
        6. ↓ ZurĂŒckhaltend
        7. ↓Passiv beobachtend
      1. VertrÀglichkeit
        1. ↑ MitfĂŒhlend
        2. ↑ Nett
        3. ↑ Kooperativ
        4. ↑ Vertrauensvoll
        5. ↓ Misstrauisch
        6. ↓ Egoistisch
        7. ↓ Wettbewerbsorientiert
        8. ↓ Streitbar
      1. Neurotizismus
        1. ↑ Nervös
        2. ↑ Reizbar
        3. ↑ Unsicher
        4. ↑ Sensibel
        5. ↑ Unzufrieden
        6. ↓ Emotional stabil
        7. ↓ Wenig klagsam
        8. ↓ Unempfindlich
        9. ↓ Unsensibel

Die Ausgangsfrage ist ja immer noch: Was beeinflusst nun unsere Entwicklung? Sind es die Eltern / die Gesellschaft / oder sind es meine Gene? Ich lade dich dazu ein, mit mir eine recht interessante Studie zu betrachten, die eins zeigen wird: Je liebenswerter eine Mutter ihr Kind einschÀtzt, umso resilienter wird der Mensch im Erwachsenenalter.

 Wie ich zu dieser Behauptung komme, möchte ich dir im weiteren Verlauf / im zweiten Teil dieser Abhandlung zeigen.

Teil 2. Die Forschung von Alan Sroufe

Was war entscheidender? Vererbung und Erziehung – nature oder nurture (fördern)? Diese Studie sollte Teil der Antwort auf diese Frage sein. Lawrence Alan SroufeIm Jahre 1975 begann der Entwicklungspsychologe Alan Sroufe fĂŒr die kommenden 30 Jahre mit seinen Kollegen in der Minnesota Longitudinal (LĂ€ngsschnitt) Study of Risk and Adaptation das Leben von 180 Kindern und ihren Familien zu beobachten. Parallel zu dem Beginn seiner Studie, fing man auch allmĂ€hlich in der Gesellschaft an darĂŒber zu debattieren, ob nun eher Vererbung (das Temperament / meine Gene) oder der Charakter (Erziehung / Staat / Umgebung) mehr Einfluss auf meine Entwicklung und damit auch auf meine Persönlichkeit hat.

Was war entscheidender? Vererbung und Erziehung – nature oder nurture (fördern)? Diese Studie sollte Teil der Antwort auf diese Frage sein.

      • Und damit sind wir tief in unserem Thema: Was beeinflusst meine Entwicklung?
      • Das andere Thema, was uns in meinen BeitrĂ€gen immer wieder begleitet – die lebensbegleitenden Traumata – wurde zu dieser Zeit noch nicht so intensiv diskutiert in der Gesellschaft.

Missbrauch, Misshandlung und VernachlĂ€ssigung von Kindern in ihren ersten Lebensjahren waren zu Beginn dieser Studie noch nicht im Fokus – dafĂŒr aber umso stĂ€rker im weiteren Verlaufe / in den spĂ€teren Jahren als man begann, deren Einfluss auf die jungen Menschen immer deutlicher zu sehen. Ja, Traumata wurden – so viel kann ich schon mal vorwegschicken – am Ende sogar der wichtigste Faktor. Sie wurden DAS (!) Kriterium mit dem am treffendsten vorhergesagt werden konnte, ob jemand als Erwachsener erfolgreich seinen eigenen Weg geht oder eben nicht.

Die Forscher wĂ€hlten nun sehr genau eine Anzahl junge schwangere Frauen aus, die wegen ihrer Armut auf soziale UnterstĂŒtzung angewiesen waren. Die Forschungsarbeit begann ca. drei Monate vor der Geburt und man begleitete sie dann 30 Jahre lang in ihrer persönlichen Entwicklung. Alles wichtige rund um ihre LebensumstĂ€nde wurde in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden notiert.

Worauf haben sie sich besonders konzentriert?
Sie wollten herausfinden,

      • wie die Kinder es lernen, konzentriert und aufmerksam zu sein und gleichzeitig ihre manchmal recht intensiven GefĂŒhle trotzdem noch zu korrigieren (d. h., extreme Hochs und Tiefs zu vermeiden),
      • Wie kontrollieren sie ihre Triebe / ihre Impulse?
      • Welche Formen von Hilfe / UnterstĂŒtzung brauchen sie wann und wie lange?

Nach den ersten GesprĂ€chen und Tests mit den schwangeren MĂŒttern begann die eigentliche Studie man dann mit der eigentlichen Forschung bereits auf der Entbindungsstation, wo man die Neugeborenen beobachtete und die betreuenden Kinderschwestern befragte. Einige Tage nach der Geburt wurden die MĂŒtter dann auch zu Hause besucht und der Kontakt mit den Kindern fand danach ca. 15-mal in genau festgelegten ZeitrĂ€umen bis zum 28. Lebensjahr statt – zum Beispiel bei der Einschulung. 

Was war eines der wichtigsten Erkenntnisse dieser Studie?

Es ist weder die Persönlichkeit der Mutter
noch neurologische Fehlentwicklungen zum Zeitpunkt der Geburt
Es ist auch nicht der IQ
Oder das Temperament – inklusive der ReaktivitĂ€t in Bezug auf Umwelt oder Stress.Man erkannte sehr deutlich diese enge Wechselwirkung zwischen der QualitĂ€t der elterlichen FĂŒrsorge und weiteren biologischen Faktoren. Die Studie zeigte, dass nichts in Stein gemeißelt, vorherbestimmt oder nicht verĂ€nderbar ist.

      • Es ist weder die Persönlichkeit der Mutter
      • noch neurologische Fehlentwicklungen zum Zeitpunkt der Geburt
      • Es ist auch nicht der IQ
      • Oder das Temperament – inklusive der ReaktivitĂ€t in Bezug auf Umwelt oder Stress.

Mit all diese Faktoren konnte man also keine (!) sichere Vorhersage darĂŒber aufstellen, ob ein Kind in der PubertĂ€t bzw. Adoleszenz gravierende Verhaltensprobleme entwickeln wĂŒrde.

Kurzer Einschub: Der Unterschied zwischen PubertĂ€t und Adoleszenz 
 Beide Begriffe bezeichnen die Übergangsjahre zwischen Kind und Erwachsenenalter. Die PubertĂ€t bezeichnet jedoch die körperliche Reifung und die Adoleszenz die seelische Reifung.

ZurĂŒck zu unserer Studie! Was war denn nun entscheidend fĂŒr die Entwicklung eines Menschen?

      • Es war und ist die Art und Weise der Eltern-Kind-Beziehung.
      • Es ist die Eigenart, wie sich Eltern im Kontakt mit ihren Kindern selber fĂŒhlten und wie sie mit ihnen kommunizierten, wie sie miteinander umgingen.

Wie in anderen Forschungen mit Rhesus-Affen ist es die Verbindung zwischen verletzlichen Babys und unflexiblen Eltern die dann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Àngstlich anklammernde und verspannte Kinder erzeugen.

    • Ein unsensibles, distanziertes, aggressives oder zudringliches Verhalten der Eltern (Helikoptereltern) besonders im Alter von sechs Monate, fĂŒhrt mit traumwandelnder Sicherheit zu HyperaktivitĂ€t (einem ĂŒbersteigertem Bewegungsdrang und Aufmerksamkeitsproblemen in der Kindheit und als Erwachsener.

Erinnert dich das nicht stark an die Kriterien von ADHS?

  • ADHS Kriterien bei KindernUnaufmerksamkeit
    • Beachtet hĂ€ufig Einzelheiten nicht / macht FlĂŒchtigkeitsfehler.
    • Hat oft Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit bei Aufgaben oder beim Spielen aufrechtzuerhalten.
    • Scheint hĂ€ufig nicht zuzuhören, wenn andere es ansprechen.
    • HĂ€lt hĂ€ufig Anweisungen anderer nicht durch – kann Arbeiten nicht zu Ende bringen.
    • Hat hĂ€ufig Schwierigkeiten, Aufgaben zu organisieren.
    • Hat eine Abneigung gegen Aufgaben, die es lĂ€nger geistige fordern.
    • Verliert hĂ€ufig GegenstĂ€nde, der es fĂŒr AktivitĂ€ten benötigt.
    • LĂ€sst sich öfter durch Ă€ußere Reize ablenken.
    • Ist bei AlltagsaktivitĂ€ten hĂ€ufig vergesslich.
  • HyperaktivitĂ€t
    • Zappelt hĂ€ufig mit HĂ€nden oder FĂŒĂŸen und rutscht auf dem Stuhl herum.
    • Steht in der Klasse oder in anderen Situationen, in denen sitzen bleiben erwartet wird, hĂ€ufig auf.
    • LĂ€uft hĂ€ufig herum oder klettert exzessiv in Situationen, in denen dies unpassend ist
    • Hat hĂ€ufig Schwierigkeiten, ruhig zu spielen oder sich mit FreizeitaktivitĂ€ten ruhig zu beschĂ€ftigen.
    • Ist hĂ€ufig „auf Achse“ oder handelt oftmals, als wĂ€re sie/er getrieben.
    • Redet hĂ€ufig ĂŒbermĂ€ĂŸig viel.
  • ImpulsivitĂ€t
    • Platzt hĂ€ufig mit den Antworten heraus, bevor die Frage zu Ende gestellt ist.
    • Kann nur schwer warten, bis sie/er an der Reihe ist.
    • Unterbricht und stört andere hĂ€ufig (platzt z. B. in GesprĂ€che oder Spiele anderer hinein).

ADHS bei ErwachsenenDas hört mit dem Übergang zum Erwachsenen nicht auf! Hier die 7 Kriterien fĂŒr ADHS im Erwachsenenalter nach den Wender-Utah-Kriterien (einem speziellen Symptomkatalog fĂŒr ADHS im Erwachsenenalter) die von Paul Wender entwickelt wurden. Es ist wichtig zu beachten, dass ADHS mit dem Übergang zum Erwachsenenalter nicht aufhört! Studien zeigen auf, dass ca. 4,7% der erwachsenen Deutschen hiervon betroffen sind.

Sind aber Eltern / MĂŒtter die einzigen, die einen bleibenden Einfluss auf das Kind haben?

Alan Sroufe beobachtete die Kinder ĂŒber viele Jahre – auch in der Schulzeit und sah, dass die Beziehungen zu den jetzigen primĂ€ren Bezugspersonen – also den Lehrern und den Gleichaltrigen – auch einen sehr großen Einfluss hatten. Die Beziehung zu Freunden / Lehrern und weiteren engen Begleitern half dabei

      • das Erregungsniveau / die GefĂŒhle in Grenzen halten
      • und half auch, die FĂ€higkeit zur Dosierung der Erregungen / Affekte und GefĂŒhle langsam zu entwickeln.

Die Gruppe von Kindern, die nicht solche Stabilisierungen / dieses Containing bekamen und die dadurch immer wieder von ihren starken GefĂŒhlen und ihrer Desorganisation getrieben wurden,

      • sie schafften es einfach nicht, ihre inhibitorischen / hemmenden und exzitatorischen / stimulierenden Gehirnsysteme vernĂŒnftig aufeinander abzustimmen,
      • Sie wuchsen in dem Glauben auf, sie wĂŒrden ihre GefĂŒhle niemals wirklich kontrollieren können.
        Das traurige Ergebnis hiervon:
        Von dieser sehr verletzlichen Gruppe litten ca. 50% in der spÀten Adoleszenz unter klaren und diagnostizierbaren psychischen Problemen.

Immer wieder konnte man folgendes Muster sehen:

  • Kinder, die von ihren primĂ€ren Bezugspersonen zuverlĂ€ssig betreut wurden, entwickelten die FĂ€higkeit, ihre GefĂŒhle gut zu regulieren.
  • Auf der anderen Seite fĂŒhrte eine unzuverlĂ€ssige Betreuung dazu, dass sich die Kinder sowohl körperlich aber auch seelisch andauernd in einem erhöhten Erregungszustand / hohem Stresslevel befanden.

Das Verhalten von Kindern unzuverlÀssiger Eltern war gekennzeichnet durch

      • Lautstarkes bemĂŒhen, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen,
      • große Frustration selbst bei kleinen Herausforderungen
      • Wegen ihrer starken Empfindungen waren sie stĂ€ndig „On-Alert“, in Angst.
      • Durch ihre permanente Anstrengung um die BestĂ€tigung „ich sehe dich und“ „du bist gut wie du bist“ konnten sie einfach nicht so spielen und ihre Umgebung erforschen wie es fĂŒr andere Gleichaltrige normal wĂ€re.
      • All das mit dem Ergebnis permanenter NervositĂ€t, Angst vor Fehlern (Perfektionismus) und geringer Eigenmotivation.

Diese frĂŒhe VernachlĂ€ssigung und wenig verstĂ€ndnisvolle Behandlung vonseiten der Eltern ihren Kindern gegenĂŒber (immer wieder möchte ich hier den Begriff des Containings von Wilfred Bion anfĂŒhren) fĂŒhrten mit traumwandlerischer Sicherheit

      • zu Verhaltensproblemen in der Schule,
      • Schwierigkeiten im Umgang mit Gleichaltrigen
      • und Mangel an Empathie dem Leid anderer gegenĂŒber.

Containing ist ein Vorgang, in welchem

      1. eine Projektion (zum Beispiel der Schmerz eines Kindes, dass gerade vom Fahrrad gefallen ist) aufgenommen wird, ohne diese durch eine eigene Emotion zu agieren – also selber vor Schmerzen in Ohnmacht zu fallen.
      2. Im zweiten Schritt wird dieser projizierte Schmerz in etwas ErtrÀgliches umgewandelt und
      3. zuletzt dem GegenĂŒber zurĂŒckgegeben. Zum Beispiel durch den Satz: „Morgen tut es nicht mehr weh. Wir pusten mal und kleben ein Pflaster drauf.“

Wenn dieses Containing jedoch NICHT kommt, dann entsteht genau das, was wir einen circulus vitiosus / einen Teufelskreis nennen:

      • Wegen dieser andauernden starken GefĂŒhle, die ja in dem Menschen vorhanden sind, die aber von den Eltern nicht contained / nicht unterstĂŒtzt oder umgewandelt wurden,
      • entwickelten sich die Kinder zu unberechenbaren, trotzigen und aggressiven Zeitgenossen.

Und was passiert mit unberechenbaren, trotzigen, störenden und aggressive Kindern in der Gesellschaft? Es liegt auf der Hand, dass sie sich durch ihr Verhalten weitere ZurĂŒckweisungen und Bestrafungen von Lehrern und Altersgenossen einhandeln – und damit in der Beliebtheitsskala immer weiter unten rutschen
 Dies wiederum provoziert sie nur noch mehr, um fĂŒr die Aufmerksamkeit der Umgebung zu kĂ€mpfen! 

Die Lösung dieser Probleme: Resilienz durch Erziehung

Alan Sroufe fand durch seine Studie in den Jahrzehnten viel ĂŒber das Thema Resilienz heraus.

      • Resilienz ist die FĂ€higkeit, schwierige Situationen zu meistern – Ă€hnlich einem Baum, der sich im Wind verbiegen kann, ohne daran zu zerbrechen.
        Resilienz erhalten wir ĂŒber unsere ersten primĂ€ren Bezugspersonen.

Wie stark und wie resilient ein Kind wird, können wir vorhersagen – so Alan Sroufe – indem wir die StĂ€rke und die Sicherheit der ersten dyadischen Beziehung (meistens die Mutter-Kind-Beziehung) betrachten. Je liebenswerter eine Mutter ihr Kind einschĂ€tzt, umso resilienter wird der Mensch im Erwachsenenalter.

Dies ist das Ergebnis von drei Jahrzehnten intensiver Forschung! Bindung macht uns stark 
 keine Bindung hinterlÀsst uns schwach wie ein Wackelpudding.


Epilog

Ich hoffe, ich konnte die Frage, „Wer ist eigentlich fĂŒr Kinderarmut zustĂ€ndig – Eltern oder Staat?“ mit diesem Beitrag ein wenig beantworten.

Wer oder was entscheidet also ĂŒber meinen persönlichen Werdegang?

      • Sind es die Eltern?
      • Ist es die Gesellschaft?
      • Oder habe ich mein Leben ĂŒberwiegend selbst in der Hand?

Ja, ich habe mein Leben immer selbst in der Hand! Aber schau dir mal den Beitrag an: Wie entstehen Emotionen? Du findest ihn unter folgendem Link: https://werdewiederstark.de/wie-entstehen-emotionen/

Hier zeige ich, dass das, was wir in unseren frĂŒhesten Jahren lernen, prĂ€motorische Handlungsreflexe / vorbewusste Handlungsangebote sind. Durch diese wird unser Handeln bestimmt. Was uns unsere Eltern und die Gesellschaft in den ersten Lebensjahren beibringen, hat einen tiefen Einfluss auf unser Leben. Viele Freue beim Lesen 😊 

Borderline Diagnose? Lassen Sie uns miteinander ins GesprÀch kommen. 

Marcus JĂ€hn Werde wieder stark durch CoachingEs sind viele Bereiche, die wir ansprechen können: Angefangen vom Umgang Borderline oder einer anderen belastenden Störung, aber auch ĂŒber Future Faking, Love Bombing und Gaslighting die immer hĂ€ufiger in unsere Gesellschaft zu beobachten sind. 

  • Was ist das eigentlich, eine Persönlichkeitsstörung, ein Perfektionismus, ein Spaltung oder eine GegenĂŒbertragung?
  • Kann ich trotz Borderline oder Narzissmus eine stabile Partnerschaft aufbauen und damit ĂŒber Jahre hinweg leben? 
  • Ist eine Kommunikation mit einem Borderliner möglich? Wie hilft hier die U.M.W.E.G.-Methode©? 
  • Kann ich meine Bindungsangst oder Verlustangst irgendwann einmal kontrollieren?
  • Was kann ich tun, wenn ich mich gerade in einer Trennung befinde, oder kurz davor bin?


Ich möchte aber nicht nur ĂŒber Fragen sprechen, sondern auch praxisgerechte Lösungen anbieten:

  • Eine humorvoll und spielerisch – ja fast tĂ€nzerisch – eingesetzte Gewaltfreie Kommunikation in Kombination mit der von mir entwickelten 
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